Corona

Mehr Kinder – so bereiten sich die Kitas in Hamburg vor

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Elisabeth Jessen
Danach lohnt sich das Händewaschen so richtig. Für Kita-Kinder gehört das aber inzwischen ohnehin zum Standard. Auch Flächen und Spielzeug müssen regelmäßig gereinigt werden.

Danach lohnt sich das Händewaschen so richtig. Für Kita-Kinder gehört das aber inzwischen ohnehin zum Standard. Auch Flächen und Spielzeug müssen regelmäßig gereinigt werden.

Foto: dpa

Ab Montag werden Fünf- und Sechsjährige wieder regulär betreut. Die Vorgaben für die Träger sind sehr umfangreich.

Hamburg.  Von Montag an wird es wieder deutlich lebhafter zugehen in Hamburgs Kindertagesstätten. Ab 18. Mai öffnen sie für die Fünf- und Sechsjährigen. Insgesamt könnten davon 16.700 Kinder profitieren. Bislang hatten nur Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Bereichen arbeiten, die aus familiären Gründen auf eine Betreuung angewiesen sind, Kinder von Alleinerziehenden sowie jene mit dringlichem sozialpädagogischem Förderbedarf Anspruch auf die Notbetreuung.

Zwei Wochen später, also am 8. Juni, sollen auch Viereinhalb- bis Fünfjährige wieder die Kitas besuchen, ab dem 29. Juni die Drei- bis Vierjährigen. Krippenkinder sollen erst Mitte Juli wieder betreut werden dürfen. „Der Plan soll Orientierung geben“, sagt Martin Helf­rich, Sprecher der Sozialbehörde. In diesen jeweils zwei Wochen zwischen den einzelnen Öffnungsschritten werde geprüft, wie die Betreuung gelaufen ist. Sollten die Infektionszahlen niedrig bleiben, „wird ein Schritt gegebenenfalls früher gegangen“.

Ziel sei es, vor dem Ende der Hamburger Sommerferien zu einem eingeschränkten Regelbetrieb zu kommen. Dann könnten wieder alle Kinder – wenn auch gegebenenfalls mit eingeschränkten Zeiten – betreut werden. Eltern müssen für den Zeitraum, für den die Kita-Regelversorgung eingeschränkt ist, weiterhin keine Elternbeiträge zahlen. Das gilt zunächst bis zum 31. Mai 2020.

Eltern nehmen Notbetreuung zögerlich an

Bislang seien die Eltern eher zögerlich gewesen, die Notbetreuung anzunehmen, sagt Helfrich. „Wir sind davon ausgegangen, dass 30 Prozent der Eltern sie nutzen könnten“, doch tatsächlich seien es nur 21 Prozent (Stand 14. Mai). Ob Erzieher, die einer Risikogruppe angehören, wieder eingesetzt werden, sei Sache der Träger, sagt der Sprecher. Die Behörde habe dafür keine Regelung getroffen.

Mit den „Handlungsempfehlungen im Umgang mit dem Coronavirus für Kindertageseinrichtungen“ vom 12. Mai hat die Behörde den Kitas dagegen eine Handreichung gegeben, um den Betrieb zu planen. Eine definierte Gruppengröße hat die Behörde darin nicht vorgegeben. Beim Bringen und Holen soll demnach aber möglichst wenig Kontakt bestehen – denkbar seien eine Übergabe im Außenbereich und gestaffelte Zeiten, die Eltern sollen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn der Abstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden kann. Im Eingang soll ein Spender mit Desinfektionsmittel stehen, heißt es.

Die Kindern sollten nach Möglichkeit in gleichbleibenden Gruppen und Räumen durch feste Teams betreut werden. Die Anwesenheit von Kindern und Erziehern muss täglich dokumentiert werden.

Auf die Raumhygiene wird großes Augenmerk gelegt

Weiter heißt es: Die Waschräume, Essbereiche und Ruheräume sollen zeitversetzt genutzt werden. Zähneputzen bleibt erlaubt – aber die Erzieher sollen darauf achten, dass jedes Kind seine eigenen Utensilien benutzt. Nur Spielzeug, das sich gut reinigen lässt, soll in den Kitas benutzt – und regelmäßig gesäubert – werden. Auch auf die Raumhygiene soll großes Augenmerk gelegt werden: Flächen, Lichtschalter und Fenstergriffe müssen mindestens einmal am Tag gereinigt werden, bei Bedarf auch öfter, Durchlüften ist Pflicht. Frühstück dürfen die Kitakinder wieder mitbringen, aber nicht mit anderen teilen.

Ab 25. Mai: Alle Kinder in Hamburg wieder zur Schule

Ab 25. Mai: Alle Kinder in Hamburg wieder zur Schule
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Der größte Träger der Stadt, die Elbkinder Kitas, betreuen rund 15.000 Elementarkinder, davon sind etwa ein Drittel Fünf- bis Sechsjährige. „Wie viele Eltern ab Montag die erweiterte Notbetreuung für diese Kinder in Anspruch nehmen werden, können wir heute noch nicht abschließend sagen. Erste Rückmeldungen der Kitas zeigen uns aber, dass eine große Nachfrage entsteht“, sagt Katrin Geyer, Sprecherin der Elbkinder Kitas. Auch in den vergangenen Wochen seien die Zahlen der notbetreuten Kinder ständig gestiegen. Zur Gruppengröße sagt Geyer: „Ausschlaggebend ist, die Gruppen so zusammenzusetzen, dass unser strenges Hygienekonzept, welches sich an den von der Sozialbehörde ausgegebenen Richtlinien orientiert, eingehalten werden kann. Dies ist eine der ganz wesentlichen Herausforderungen in der Arbeitsorganisation.“

Kontakte der Kindergruppen untereinander sollen minimiert werden

Die Kontakte der Kindergruppen untereinander würden minimiert, indem Gruppenbereiche voneinander getrennt werden, das gelte auch auf dem Außengelände. „Deshalb essen die Kinder auch nicht mehr gemeinsam, sondern separat in ihren Gruppenräumen“, sagt Geyer. „Die Toiletten- und Waschräume werden so gekennzeichnet, dass Gruppe A nicht die Bereiche von Gruppe B betreten kann usw. Die Kitas achten noch mehr als ohnehin üblich auf das regelmäßige Händewaschen.“

Corona in Hamburg – die Bilanz des Bürgermeisters

Corona in Hamburg – die Bilanz des Bürgermeisters
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Für alle in der Kita anwesenden Personen gelte eine Dokumentationspflicht, um bei einem Infektionsgeschehen Personenkontakte rekonstruieren zu können. Die Erzieherinnen können Visiere oder Masken tragen, sofern sie dies möchten.

Feste Gruppen, die Eltern sollen draußen bleiben

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg e. V. vertritt große Träger wie Stiftung Kindergärten Finkenau, Arbeiter-Samariter-Bund, Rudolf-Ballin-Stiftung, Wabe e. V., SterniPark und die Waldorf-Kindergärten, die insgesamt 350 Kitas betreiben. „Es gibt eine unglaubliche Ernsthaftigkeit, es gut und richtig zu machen“, sagt Martin Peters, Referent Frühe Bildung, Betreuung und Erziehung beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. „Aber es gibt auch eine gewisse Spannung, wie es am Montag geht.“

Bei der Stiftung Kindergärten Finkenau, die in 26 Kitas und an vier Schulen (am Nachmittag) etwa 2500 Kinder betreut, gibt es klare Vorgaben: „Kinder sind in festen Gruppen und gruppenbezogenen Räumen durch feste Teams zu betreuen“, sagt Ute Mette vom Stiftungsvorstand. „Zur Minimierung des Ansteckungsrisikos sind feste Gruppen von Kindern, sogenannte Notgruppen, zu bilden, in denen sie regelmäßig betreut werden“.

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Wenn die Zahl der zu betreuenden Kinder steigt oder Geschwisterkinder dazukommen, so dürfen die festen Notgruppen wöchentlich neu zusammengestellt werden. „Aus aktueller Sicht bietet sich hier eine Orientierungsgröße für die festen Notgruppen von bis zu zehn Kindern an, je nach räumlichen Gegebenheiten“, sagt Ute Mette. Ihren etwa 520 Mitarbeitern stellt die Stiftung Masken oder Gesichtsvisiere zur Verfügung.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

In der Kindertagespflege liegt die Notbetreuung inzwischen schon bei etwa 40 Prozent. Die Betreuung in kleinen, festen Gruppen ermöglicht früher und einfacher als in Kitas eine Rückkehr in Richtung Normalbetrieb. Seit dem 20. April dürfen die 875 Tagespflegemütter und -väter in Hamburg, die insgesamt 3500 Kinder betreuen, die Notbetreuung schrittweise erweitern. „Gerade jetzt wird deutlich, wie wichtig die Kindertagespflegepersonen im System der verlässlichen Kinderbetreuung sind“, sagt Martin Peters. Dies hat auch Anja Reinke, die Vorsitzende des Vereins der Hamburger Tagesmütter und -väter e. V., in den letzten Wochen deutlich gespürt: „Die festgelegten Rahmenbedingungen haben den Tagesmüttern und -vätern ein sicheres Gefühl für den Wiedereinstieg in die Kinderbetreuung gegeben.“

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