Wichtige Studie

UKE will 6000 Hamburger Kinder auf das Coronavirus testen

Das UKE will herausfinden, wie stark Kinder das Coronavirus an Erwachsene weitergeben.

Das UKE will herausfinden, wie stark Kinder das Coronavirus an Erwachsene weitergeben.

Foto: Lars Berg / imago

Können Mädchen und Jungen das Coronavirus an Erwachsene weitergeben? Es geht um die Öffnung von Kitas und Schulen.

Hamburg.  Welche Rolle spielen Kinder in der Corona-Pandemie? Diese Frage will das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) jetzt in einer großen Studie klären. Nach Abendblatt-Informationen werden 6000 Kinder in der Stadt auf das Virus und Antikörper getestet. Damit soll unter anderem herausgefunden werden, ob bzw. wie stark Kinder die Krankheit an Erwachsene weitergeben.

Zu Beginn der Pandemie war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass die Verbreitung des Coronavirus ähnlich erfolgt wie bei der Influenza – bei der echten Grippe gehören Kinder zu den Hauptverteilern. Inzwischen deuten Untersuchungen in verschiedenen Ländern nicht nur darauf hin, dass Kinder weniger – und wenn, dann sehr milde – an Covid-19 erkranken, sondern dass sie am Ende einer Infektionskette stehen. Soll heißen: Sie bekommen das Virus von Erwachsenen, aber nicht umgekehrt.

Ob das wirklich so ist und was Corona mit Kindern macht, wollen Hamburger Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Ania C. Muntau, der Ärztlichen Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKE, nun herausfinden. Nach Abendblatt-Informationen hat die Studie am Montag begonnen und soll offiziell am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Corona-Lockerungen: Das ist ab Mittwoch wieder erlaubt
Corona-Lockerungen: Das ist ab Mittwoch wieder erlaubt

Senat verhinderte Corona-Studie mit Kindern

Vor mehreren Wochen hatte es schon einmal die Idee gegeben, Kinder auf das Coronavirus zu scannen, damals sollten 10.000 Jungen und Mädchen auf dem Heiligengeistfeld getestet werden. Hamburger Ärzte ärgern sich bis heute, dass aus diesem Projekt nach Einsprüchen aus dem Senat nichts geworden ist: „Wenn wir das gemacht hätten, lägen uns die Ergebnisse der Studie heute schon vor“, sagt einer der Beteiligten. Dann wüsste man, wie riskant – oder ungefährlich – die Öffnung von Kitas und Schulen ist, auf die viele Hamburger Eltern seit Langem warten.

In Island etwa sind Schulen und Kitas seit mehr als einer Woche wieder ganz normal geöffnet, selbst Abstands­regeln gibt es dort nicht. Die Isländer konnten sämtliche Infektionsketten in ihrem (kleinen) Land nachvollziehen und haben dabei nicht einmal festgestellt, dass ein Kind einen Erwachsenen angesteckt hat.

In Hamburgs Kitas, in denen zuletzt mehr als 10.000 Kinder in der Notbetreuung waren, hat es bisher, anders als in anderen Gemeinschaftseinrichtungen, kein Infektionsgeschehen gegeben.

Studie mit Daten von gesunden und chronisch kranken Kindern

Bei der neuen Studie mit dem Namen C19.CHILD Hamburg untersucht das UKE nun bei rund 6000 Kindern und Jugendlichen die Häufigkeit und Schwere einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. "Die Ergebnisse der Studie sollen sowohl eine gezieltere medizinische Versorgung von an Covid-19 erkrankten Kindern ermöglichen als auch eine Entscheidungshilfe für präventive Maßnahmen bieten", heißt es in einer offiziellen Mitteilung am Mittwoch. Demnach sollen in die Studie Daten von gesunden und chronisch kranken Kindern und Jugendlichen mit und ohne Corona.Symptomen einbezogen werden – diese werden stationär oder ambulant versorgt. Neben dem Kinder-UKE sind auch alle anderen Hamburger Kinderkliniken involviert.

„Eine große Anzahl an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen des UKE forscht seit Beginn der Pandemie zum neuartigen Coronavirus", sagt Prof. Dr. Blanche Schwappach-Pignataro, Dekanin der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied des UKE. "Wie die Epidemiologie und klinischen Ausprägung von Covid-19 bei Kindern aussieht und wie hoch der Anteil von mit dem Sars-CoV-2-Erreger infizierten Kindern in Deutschland ist, mit diesen Fragen wird sich jetzt die Studie unter der Leitung von Frau Prof. Muntau beschäftigen."

Positiv getestete Kinder werden sechs Monaten lang begleitet

In einer ersten Phase sollen zunächst sechs Wochen lang Daten zur Häufigkeit von Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen erhoben werden. Dabei sollen die Daten von nicht vorerkrankten Kindern und Jugendlichen mit Daten von Risikogruppen verglichen werden, also Kindern, die zum Beispiel chronisch krank sind, an einer Krebserkrankung, einer Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankung leiden.

Positiv getestete Kinder sollen in einer sogenannten Follow-up-Phase über einen Zeitraum von sechs Monaten begleitet werden. "Hierbei werden insbesondere die immunologischen und biochemischen Folgen der Interaktion des Virus mit dem kindlichen Immunsystem erforscht sowie Risikogruppen unter chronisch kranken Kindern identifiziert", heißt es vonseiten des UKE.

Das Forschungsvorhaben wird mit Spendengeldern der Michael Otto-Stiftung, der Michael Stich-Stiftung, der Stiftung Kinder Herz, der Dr. Melitta Berkemann-Stiftung, der Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg, dem Eagles Charity Golf Club, der Nutricia GmbH sowie vom HSV und von Hamburger Bürgern unterstützt.

Corona in Hamburg – die Bilanz des Bürgermeisters
Corona in Hamburg – die Bilanz des Bürgermeisters