Coronavirus

Was Hamburger und Touristen nach der Krise erwarten könnte

| Lesedauer: 6 Minuten
Ein fast leerer Rathausplatz, vor der Corona-Pandemie ein stets sehr gut besuchter Ort.  Hamburgern wie auch potenziellen Hamburg-Touristen steht der Sinn derzeit nicht nach Menschenansammungen.

Ein fast leerer Rathausplatz, vor der Corona-Pandemie ein stets sehr gut besuchter Ort. Hamburgern wie auch potenziellen Hamburg-Touristen steht der Sinn derzeit nicht nach Menschenansammungen.

Foto: imago images / Hoch Zwei Stock/Angerer

Eine neue Studie zeigt veränderte Erwartungen durch die Corona-Pandemie – zum Beispiel eine neue Form der Städtereise.

Hamburg. Die Hamburger verkrümeln sich in ihre Stadtteile, Quartiere und die Vororte. Touristen setzen für den Besuch in der Hansestadt auf die individuelle Anreise statt auf Busreisen und Kreuzfahrten. Das sind zwei Ergebnisse einer Studie des Hamburger Brand Science Institute (BSI) und des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) zu den Erwartungen und Anforderungen von Einheimischen und Touristen an die Hansestadt als Folge der Corona-Pandemie. Für die Studie wurden 10.206 Personen befragt, Hamburger und potenzielle Touristen, darunter Spanier, Italiener, Franzosen und Briten.

„Unsere Untersuchung zeigt, dass sich die Hamburger verstärkt auf ihre Stadtteile, Quartiere und Vororte konzentrieren. Dieser deutliche Trend zur Dezentralisierung schafft in diesen ungewissen Zeiten Vertrauen und reduziert Ängste“, sagt Dr. Nils Andres, Gründer und Geschäftsführer des Brand Science Institute (BSI) und Initiator der Studie. „Zwar bewegen sich die Einwohner auch weiterhin innerhalb der Stadt. Sie planen diese Strecken aber wesentlich besser, erleben die Mobilität bewusster und berücksichtigen stärker, wie sie sich möglichst kontaktlos in der Stadt fortbewegen können“, erläutert Andres.

Das veränderte Verhalten ließe sich unter drei Stichworten zusammenfassen: Remote, Distance und Safety. Remote steht dabei für kontaktlosen Service, Distance für das Bewusstsein für den gebotenen Abstand zwischen Menschen und Safety für die gesundheitliche Sicherheit.

Unwohlsein beim Bummeln durch die Stadt

Viele Hamburger fühlen sich laut der Studie unwohl, wenn sie vermehrt mit anderen Menschen in Kontakt kommen. So sei ein "mulmiges Gefühl beim Bummeln in der Stadt" subjektiv angestiegen. „Die Hamburger wägen stärker ab, welche Aktivitäten sie weniger stressen oder emotional belasten“, so Andres.

Mehr Individualreisen und Kleinstgruppen

Auch die Erwartungen und Anforderungen von Touristen an die Hansestadt hat die Studie untersucht. Das Ergebnis: Hygiene und gesundheitliche Sicherheit sind wesentliche Kriterien, nach denen Reisende zukünftig Restaurants, Kulturstätten und Attraktionen in der Hansestadt bewerten werden.

„Dies wird neue Formen von Städtereisen hervorbringen“, sagt Andres. „Hamburg wird sicherlich mehr Individualreisende und Kleinstgruppen beherbergen und weniger große Reisegruppen wie Busreisende oder Kreuzfahrer als bisher“. Auch bei Touristen und Geschäftsreisenden zähle die subjektive Sicherheit. Kontaktdaten von Ärzten und Institutionen bewerteten die Befragten als hilfreich. Business-Reisende wünschten sich zudem kurze Wege. „Für sie zählt: schnell rein, schnell raus. Hier sei zu befürchten, dass sich auch insgesamt die Verweildauer von Gästen in der Stadt reduzieren werde.

Smarte Konzepte von Stadt und Wirtschaft gefragt

Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hamburg School of Business Administration (HSBA), sendet einen klaren Appell an die Stadt und die Hamburger Wirtschaft: „Hamburg und die Hamburger werden lokal, aber auch mit Blick auf bundesweite und internationale Netzwerke gefordert sein, Prozesse und Konzepte zu entwickeln, die diese Faktoren in einer neuen Normalität des Alltags berücksichtigen“, so Vöpel.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Die englische Wochenzeitung “Economist' spreche von einer "90-Prozent-Ökonomie". Soll heißen: Rund zehn Prozent der Ökonomie fährt nach der Corona-Pandemie entweder gar nicht mehr oder nur unter sehr veränderten Bedingungen hoch. "Vor diesem Hintergrund gewinnen Faktoren wie 'Remote', 'Distance' und 'Safety' eine große Bedeutung nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern insbesondere für Branchen wie Tourismus, Verkehr und Kultur", so die Macher der Studie. Und: "Inwieweit diese Veränderungen von Dauer sein werden, hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab".

Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

Die zentralen Ergebnisse der Studie

  • Remote: Die Hamburger erwarten mehr kontaktlose Services und fordern digitale Leistungsangebote der Stadt und der Wirtschaft signifikant ein. Die Bequemlichkeit und die Erwartungen an die Schnelligkeit von Services steigen. Die Befragten fordern daher verstärkt Konzepte wie „Same-Day-Delivery“ und die schnelle Abwicklung von Services. Selbst von kleinen Einzelhändlern und Unternehmen ohne digitale Stärken wird erwartet, dass diese Wünsche immer besser befriedigt werden.
  • Distance: Distanz spielt für Erlebnisse und Veranstaltungen eine maßgebliche Rolle. Das „Drumherum“ wird fortan wichtiger sein als das „Dabei“. Die Hamburger wollen weiterhin Veranstaltungen besuchen, wollen aber bewusster auswählen. Der Individualverkehr wird gestärkt. Fahrräder, eBikes, Roller oder Zu-Fuß-Gehen sind die präferierten Fortbewegungsarten. Die Nutzung von Sharing Services wird stärker abgewogen. Und: Die Hamburger entwickeln ein neues Bewusstsein für das Umland. Der Speckgürtel verheißt Freiheit, Sorglosigkeit und gesunde Landluft und ermöglicht den privaten Rückzug aus der überfüllten Metropole.
  • Safety: Die Sauberkeit in der Stadt wird neu definiert. Abstand, Hygiene und gesundheitliche Sicherheit wiegen stärker. Die Hamburger erwarten von der Stadt und der Wirtschaft, dass sie sichere soziale Interaktionen gewährleisten und Kontaktpunkte einfach und bequem reduzieren. „Green“ wird zu einer neuen Qualität. Eine durch Angst getriebene Hygiene stärkt das neue „Green“-Gefühl. Alles soll sauberer, frischer und reiner sein. „Green“ wird auf diese Weise durch die wachsende Bedeutung von Sicherheit gestärkt, neu definiert und erweitert.
( ced )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg