Newsblog für Norddeutschland

Mehr als 120 Schlachthofmitarbeiter mit Corona infiziert

| Lesedauer: 30 Minuten
Der Schlachthof in Bad Bramstedt hat den Betrieb vorübergehend eingestellt.

Der Schlachthof in Bad Bramstedt hat den Betrieb vorübergehend eingestellt.

Foto: Carsten Rehder/dpa

Darf Hamburgs Gastronomie schon ab Mittwoch öffnen? Senat will Dienstag Lockerungen bekanntgeben. Der Newsblog.

Hamburg. Mit den sinkenden Zahlen der mit dem Coronavirus Infizierten kehrt auch ein Stück Normalität in den Alltag der Menschen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zurück. Durch die weiteren Lockerungen lässt jedoch die Bereitschaft zum Einhalten der noch bestehenden Corona-Auflagen in Hamburg offensichtlich nach: Am Wochenende beobachtete die Polizei besonders um die Alster bei dem sommerlichen Wetter viele unerlaubte Gruppenansammlungen und stellte zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Regeln fest.

Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

Corona-Newsblog für Hamburg und den Norden am Montag (11. Mai):

Mehr als 120 Schlachthofmitarbeiter mit Covid-19 infiziert

In Kellinghusen im Kreis Steinburg sind noch immer 77 Mitarbeiter eines Schlachthofes in Bad Bramstedt mit dem Coronavirus infiziert. Das teilte der Kreis Steinburg am Montag mit. Damit liegt er noch immer über der von Bund und Ländern festgelegten Grenze von 50 Neuinfizierten je 100 000 Einwohnern. Das geht aus Angaben des Kreises vom Freitag hervor. Der Grenzwert für den Kreis mit 131.000 Einwohnern liege bei 66 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen.

Im Kreis Segeberg, wo der Bad Bramstedter Schlachthof liegt, wurden nach Angaben einer Kreissprecherin drei Mitarbeiter des Werkes neu auf Covid-19 getestet. Rund um den Bad Bramstedter Schlachtbetrieb liegen danach jetzt im Kreis Segeberg insgesamt 45 positive Testergebnisse vor. Der Schlachthof hat den Betrieb vorübergehend eingestellt.

Garg: Arbeitsschutz kann Schlachthof-Unterkünfte nicht kontrollieren

Der wegen Corona-Infektionen vieler Mitarbeiter geschlossene Schlachthof in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) könnte laut Sozialminister Heiner Garg (FDP) wieder angefahren werden, wenn Schutzbestimmungen, Arbeitsschutzkonzepte und der grundsätzlich geltende Hygieneplan konsequent eingehalten werden. Es gebe Betriebe in Deutschland, in denen schon die ohnehin geltenden Vorschriften nicht immer eingehalten würden, „um das mal freundlich auszudrücken“, sagte Garg am Montag in Kiel.

Die Unterkünfte der in Bad Bramstedt Beschäftigten sind laut Sozialministerium privat gemietet. Deshalb könnten sie nicht vom staatlichen Arbeitsschutz kontrolliert werden. „Der staatliche Arbeitsschutz kann nur Unterkünfte kontrollieren, die den Beschäftigten vom Arbeitgeber im Rahmen des Beschäftigungsverhältnisses zur Verfügung gestellt werden“, hieß es aus dem Ressort.

Senat will Dienstag Lockerungen bekanntgeben

Der Hamburger Senat will am Dienstag weitere Lockerungen bei den Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie beschließen. Dabei geht es um die Umsetzung der am vergangenen Mittwoch zwischen Bund- und Ländern verabredeten Schritte. Unter anderem soll es wieder erlaubt sein, dass sich auch Mitglieder zweier unterschiedlicher Haushalte treffen, ohne dabei einen Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten zu müssen. Bislang war dies nur mit Menschen aus dem eigenen Haushalt oder alleine mit einer Person aus einem anderen Haushalt möglich. Außerdem sollen auch über 800 Quadratmeter große Geschäfte unter Auflagen wieder öffnen dürfen.

Bei der Sitzung soll auch beschlossen werden, ab wann Lockerungen wieder rückgängig gemacht werden müssen, sollte die Zahl der Neuinfektionen wieder stark ansteigen. Für Landkreise und kreisfreie Städte hatten die Regierungschefs von Bund und Länder 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche vereinbart.

Hafenkonzern HHLA berichtet über aktuelle Lage

Der Hamburger Hafen legt am Dienstag seine Zwischenergebnisse für die ersten drei Monate vor und die Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath berichtet über die aktuelle Lage des Unternehmens. Die Schifffahrt und damit die Hafenwirtschaft war frühzeitig von der Corona-Krise betroffen, weil schon im Januar die Abfahrten von Schiffen aus China und Asien deutlich ausgedünnt waren. Das wirkte sich allerdings erst mit mehreren Wochen Verspätung in den europäischen Häfen aus, weil die Reise rund sechs Wochen dauert. Die Zahlen für das erste Quartal spiegeln somit noch nicht das volle Ausmaß der Krise wider.

Die HHLA hat bereits im März ihre Jahresprognose zurückgezogen und die Dividende gekürzt. Die Ergebnisse für 2020 würden stark unter denen des Vorjahres liegen, weil sich der Containerumschlag zumindest zeitweise deutlich verringern werde, teilte die HHLA Ende März mit.

Hamburger Musiker unterstützen Künstler-Hilfsfonds

Die beiden Hamburger Matthias Schumann und Oliver Gieth möchten mit einem Cover des Songs "We'll meet again", ein Klassiker von Vera Lynn aus den Vierzigern, Zuversicht verbreiten. Gemeinsam mit der Jazz-Sängerin Cleo und dem Gitarristen und Filmmusiker David Grabowski haben sie dazu ein Musikvideo produziert. Dafür wurden neue Aufnahmen in Hamburger Kulturinstitutionen aus dem April und Archivmaterial kombiniert. Die Erlöse sollen dem Hilfsfonds der Hamburgischen Kulturstiftung "Kunst kennt keinen Shutdown" zu Gute kommen.

"We'll meet again" von Cleo und David Grabowski

Kreis Osnabrück: Fitnessstudio darf vorläufig öffnen

Ein Fitnessstudio in Bad Iburg (Kreis Osnabrück) darf nach einem vorläufigen Gerichtsbeschluss wieder öffnen. „Der Betreiber kann sofort aufmachen“, sagte eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts Osnabrück am Montag. Der Betreiber des Studios mit den Schwerpunkten Fitness, Rehasport und Physiotherapie hatte sich Ende April mit einem Eilantrag an das Gericht gewandt.

Die zuständige Kammer stellte vorläufig und bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache fest, dass die aktuelle Niedersächsische Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vom 8. Mai 2020 dem Betrieb nicht entgegensteht. Zur Begründung hieß es, dass in Niedersachsen Friseur- und Gaststättenbesuche wieder zulässig seien, bei denen denklogisch regelmäßig sogar der Mindestabstand unterschritten werden müsse. Ein sachlicher Grund, den Betrieb von Fitnessstudios dagegen ausnahmslos zu verbieten, sah das Gericht nicht.

Ein spezifisches erhöhtes Infektionsrisiko erkannte die Kammer ebenfalls nicht, zumal der Betrieb von Fitnessstudios im angrenzenden Nordrhein-Westfalen grundsätzlich zulässig sei. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig und kann innerhalb von zwei Wochen vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg angefochten werden.

Darf Hamburgs Gastronomie schon ab Mittwoch öffnen?

Die Gastronomen in Hamburg erwarten mit Spannung, welche Auflagen gelten, wenn die Restaurants wieder öffnen dürfen. Aktuell ist wegen des Coronavirus nur ein Außer-Haus-Verkauf erlaubt. Und jetzt könnte es nach Abendblatt-Informationen ganz schnell gehen. Noch in der vergangenen Woche hatte die zuständige Wirtschaftsbehörde auf Abendblatt-Anfrage den 18. Mai als Termin genannt, aber dem Vernehmen nach könnte am Dienstag mitgeteilt werden, dass die Betriebe in der Hansestadt schon ab diesem Mittwoch wieder Gäste bewirten dürfen. Die Behörde äußerte sich dazu auf Anfrage nicht.

An diesem Dienstag wird der Senat eine rechtsverbindliche Verordnung beschließen, in der dann auch die Vorschriften für die Gastronomen enthalten sein werden. In Niedersachsen dürfen die Lokale seit Montag wieder öffnen, ohne Begrenzung der Öffnungszeiten, aber es gelten strenge Auflagen. Es ist davon auszugehen, dass diese in Hamburg ähnlich sein werden.

In Niedersachsen gilt ein „Hygienekonzept“, in diesem ist vorgeschrieben, dass „ nur maximal 50 Prozent der vor der Corona bedingten Schließung vorhandenen Sitzplatzkapazitäten im Betrieb gleichzeitig belegt werden dürfen. Weiter heißt es „im Gastraum sind Tische in einem Mindestabstand von zwei Metern anzuordnen. Außerdem sind die Gäste angehalten, im Vorhinein zu reservieren. Auch ein Mund-Nasen-Schutz ist für das Servicepersonal verpflichtend, nicht allerdings für die Gäste am Tisch“, so schreibt es das Hygienekonzept vor.

Coronavirus – die Fotos zur Krise:

Lockerung: Bezirksämter erweitern den persönlichen Kundenkontakt

Auch bei den Hamburger Bezirksämtern stehen die Zeichen auf Normalität: Schritt für Schritt soll wieder mehr Publikumsverkehr möglich sein, etwa für die Beantragung eines Personalausweises oder Reisepasses. Damit jedoch nicht zu viele Menschen gleichzeitig in den Ämtern eintreffen und sich keine Warteschlangen bilden, müssen sich die Kunden vorher einen Termin holen. Diese können ab dem heutigen Montag wieder online oder per Telefon gebucht werden.

Tausende Corona-Tests in Niedersachsens Schlachthöfen geplant

In Niedersachsens Schlachthöfen sind nach Infektionen in Fleischbetrieben in anderen Bundesländern umfangreiche Corona-Tests geplant. Untersucht werden sollen zunächst alle Mitarbeiter, die Symptome zeigen, und alle, die als Kontaktpersonen in Frage kommen. „So schnell wie möglich wird jetzt mit den Testungen begonnen“, sagte die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, Claudia Schröder, am Montag in Hannover. „Das werden insgesamt mehrere Tausend Testungen sein.“ Landesweit arbeiten demnach mehr als 20 000 Menschen in 183 fleischverarbeitenden Betrieben. Bisher sind drei Infektionen im Emsland bekannt geworden.

Reformhaus Engelhardt nimmt Produkte von Attila Hildmann aus Sortiment

Attila Hildmann sorgt derzeit mit irritierenden Thesen und Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit dem Coronavirus und Maßnahmen zur Eindämmung für Aufsehen und geht Politiker und Virologen gleichermaßen an. Das Reformhaus Engelhardt beendet nun die Zusammenarbeit mit Attila Hildmann und nimmt alle Produkte des Vegan-Kochs aus dem Sortiment. 34 Filialen betreibt die Kette in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Das Unternehmen wolle sich mit dem Schritt klar von den Hildmanns Ausagen distanzieren, sagt Anja Schernau von Engelhardt. Bereits am heutigen Montag seien alle Produkte des Kochs aus den Regalen genommen worden.

Hamburger Infektpraxen gehen auf „Stand-by“

Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) schließt die zehn Hamburger Infektpraxen zum Freitag, 15. Mai. „Die niedrige Inanspruchnahme rechtfertigt eine solch aufwendige Struktur nicht mehr“, erklärte KVH