Muttertag in Hamburg

"Oh, Mami": Goldkehlchen-Konzert für alle Mütter im Video

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Der Hamburger Männerchor bereitete mit diesem Muttertags-Flashmob vor allem den Müttern eine Freude im Corona-Alltag.

Hamburg. Was für eine Überraschung: Für die Bewohner und ganz besonders für die Bewohnerinnen der Grindelhochhäuser in Eimsbüttel dürfte der Muttertag am gestrigen Sonntag wohl einer sein, den sie so schnell nicht vergessen. Und das hat ausnahmsweise mal nichts mit einem Geschenk von den Kindern oder dem Partner zu tun – sondern mit 50 nicht ganz unbekannten Männern in kurzen Hosen.

Aber von vorn: Um kurz vor 16 Uhr wurde es vor den Grindehochhäusern plötzlich unruhig. Was war da los? So viele Leute. Viele Mieterinnen und Mieter steckten neugierig ihre Köpfe aus den Fenstern und sahen den Grund: ein Überraschungskonzert des Hamburger Männerchors Goldkehlchen, der sich mit rund 50 Mitgliedern, allesamt in kurzen Hosen und weißen T-Shirts, auf der Wiese aufgestellt hatte. „Wir wollen mit dem Konzert alle Mamas überraschen und ihnen Danke sagen“, so Chor-Gründer Flemming Pinck.

Die Überraschung ist geglückt: Zahlreiche Mieterinnen und Mieter genossen die Musik an ihren Fenstern und auf ihren Balkonen – und wohl auch ein bisschen die Abwechslung im sonst bisweilen eintönigen Corona-Alltag. Schließlich sind Konzertbesuche und andere Kulturveranstaltungen schon seit Wochen nicht mehr möglich. Und so haben sich vielerorts in Hamburg Balkonkonzerte etabliert, bei denen Nachbarn für Anwohner singen. Aber gleich 50 „Minnesänger“ unter dem Fenster zu haben, das kommt selbst in diesen Zeiten nicht alle Tage vor.

Goldkehlchen singen "Oh, Mami" zum Muttertag

Insgesamt drei Stücke sangen die Goldkehlchen: Ihr eigenes Stück „Moin, Moin, Hamburg“, „Truly Madly Deeply“ von Savage Garden und „Oh, Mandy“ von Barry Manilow – für den Muttertag haben sie es passend zum Anlass in „Oh, Mami“ umgedichtet. Der Hamburger Männerchor, der dafür bekannt ist, etwas schief, aber dafür mit großer Inbrunst zu singen, wurde vor vier Jahren von Flemming Pinck und seinem Kumpel Max Michel gegründet.

„Nach einem sehr lustigen Abend in der Karaoke-Bar Thai Oase auf St. Pauli haben wir beschlossen, dass wir einen Chor gründen wollen, in dem es nicht um Talent, sondern nur um Spaß geht“, so Pinck. Und die Idee ging auf: Nach einem Facebook-Post meldeten sich gleich 60 Männer, die ebenfalls Lust zum gemeinschaftlichen Singen hatten. Auch eine Probelocation und ein Chorleiter waren schnell gefunden. Und dann ging es für die Hamburger Goldkehlchen eigentlich nur noch nach oben.

Goldkehlchen singen für den guten Zweck

Inzwischen ist der Chor, der unter anderem schon im Stadtpark und der NDR-Talkshow aufgetreten ist, längst Kult im Norden. Stolz ist Flemming Pinck besonders darauf, dass sie mit ihren Aktionen und Konzerten schon viel erreicht haben. „Alle Einnahmen, die bei uns über bleiben, gehen an den guten Zweck. Mehr als 100.000 Euro konnten wir in den vergangenen Jahren so schon spenden.“

Dass bei der Aktion vor den Grindelhochhäusern in Eimsbüttel rund 50 Goldkehlchen zusammengekommen sind, war übrigens vorher so abgesprochen – die Polizei hatte das Überraschungskonzert genehmigt und war auch mit einem Beamten vor Ort. Zwischenfälle gab es jedoch keine.

Goldkehlchen halten Corona-Abstand

Alle Goldkehlchen standen mit genügend Abstand voneinander entfernt, und die meisten Zuschauer lauschten aus ihren Wohnungen dem Konzert. Aber auch unten auf der Grünfläche zwischen Wohnhaus und Behördengebäuden blieb so mancher Fahrradfahrer oder Fußgänger dann doch spontan stehen, um zu sehen, was hinter dem musikalischen „Flashmob“ steckt. Viele Handykameras hielten das Geschehen fast.

Dass ein Konzert in diesen Tagen nicht endlos dauern kann, war wohl allen klar – und dennoch kam das Ende nach rund zehn Minuten für die meisten viel zu schnell. Doch da nützten auch keine „Zugabe“-Rufe: Nach drei Liedern war Schluss, die Versammlung musste sich auflösen. Doch immerhin im Internet wurde weitergefeiert: Zahlreiche Fans kommentierten den Auftritt ihrer Hamburger Lieblingsband.

#„Vielen Dank, Jungs“, „Ihr seid der Hammer“ oder einfach nur „Gänsehaut.“ Wer die Gänsehaut-Momente verpasst hat oder noch mal erleben möchte, der kann sich den Auftritt der Sänger (die nach eigenen Angaben nicht singen können) bei www.abendblatt.de in voller Länge ansehen!