Newsblog für Norddeutschland

Hamburg mit überraschenden Zahlen – Corona in Schlachthaus

| Lesedauer: 20 Minuten
Ein Abstrich für einen PCR-Test wird in einer Medizinischen Sicherheitswerkbank vorbereitet.

Ein Abstrich für einen PCR-Test wird in einer Medizinischen Sicherheitswerkbank vorbereitet.

Foto: Renate Kohlhaas

Dräger kritisiert Vorgehen bei Schutzmasken. UKE-Patientin mit Corona-Infektion gestorben. Hamburger kaufen mehr Alkohol.

Hamburg. Obwohl die ersten Geschäfte wieder geöffnet haben, der Schulbetrieb teilweise wieder aufgenommen wurde und am Sonnabend in Mecklenburg-Vorpommern sogar Spielplätze wieder geöffnet werden, hat das Coronavirus den Alltag vieler Menschen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern noch voll im Griff.

Während Schleswig-Holstein Lockerungen plant, bleibt Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher vorsichtig: In der Hansestadt soll zunächst alles bleiben wie gehabt. Frühestens am Dienstag werde der Senat besprechen, wie die neuen Beschlüsse von Bund und Ländern an Elbe und Alster umgesetzt werden sollen.

Derweil bereitet ein positiver Coronafall in einem vor Cuxhaven angelegten Tui-Kreuzfahrtschiff Sorgen. Das gesamte „Mein Schiff 3“ mit 2899 Besatzungsmitgliedern ist zunächst unter Quarantäne gestellt worden.

Der Corona-Newsblog für Hamburg und den Norden am Sonnabend (2. Mai):

Schlachthausmitarbeiter unter Corona-Quarantäne

Der Kreis Steinburg hat ausländische Schlachthofmitarbeiter in Kellinghusen wegen Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus unter Quarantäne gestellt. Wie der Kreis am Sonnabend mitteilte, wurde das Virus bisher bei 18 Mitarbeitern nachgewiesen. Zunächst hatte NDR Welle Nord berichtet. Die Betroffenen sind bei einem Schlachthof in der Nachbarstadt Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) beschäftigt.

Im Zuge der Kontaktermittlungen von zunächst zwei positiv getesteten Angestellten seien 108 Kontaktpersonen beprobt worden, gab der Kreis weiter an. Bisher lägen 45 Ergebnisse vor, von denen 18 positiv ausgefallen sind. „Unser Augenmerk liegt jetzt darauf, den Gesundheitsschutz für die weiteren Bürgerinnen und Bürger aufrechtzuerhalten, so dass konsequent für die gesamten betroffenen Wohnungen die Quarantäne ausgesprochen werden musste“, erklärte Landrat Torsten Wendt.

Dräger kritisiert Vorgehen bei Schutzmasken

Der Chef des Medizintechnikherstellers Drägerwerk, Stefan Dräger, kritisiert die Politik im Hinblick auf die Versorgung von Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen mit medizinischen Schutzmasken. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ bezweifelte der Lübecker Unternehmer die Ernsthaftigkeit von Bemühungen der Bundesregierung, Masken aus China einfliegen zu lassen, um sie dann weiter zu verteilen. „Ich habe den Eindruck, zurzeit sind vor allem Schlagzeilen gefragt, dass Millionen von Masken irgendwo auf einem Flughafen auf der Stelle zur Verfügung stehen.“

Dräger stellt Schutzmasken in Fabriken in Schweden und Südafrika her. In den USA baut das Unternehmen im Auftrag der US-Regierung eine eigene Fertigungsanlage. Sofern gewünscht, sei so eine Fabrik „natürlich“ auch in Deutschland möglich, sagte Dräger der Zeitung. Der Bau würde zwei bis drei Monate dauern. „Wir stehen Gewehr bei Fuß. Das würde die Abhängigkeit von fragwürdigen Zwischenhändlern senken, die ihre Ware an den Meistbietenden verkaufen.“ Der Bund hat bei Dräger 10.000 Beatmungsgeräte zur Behandlung von Covid-19-Patienten bestellt. Die ersten wurden nach Auskunft des Unternehmers im März geliefert.

38 Neu-Infizierte in Niedersachsen

In Niedersachsen ist die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen um 38 Fälle auf 10.344 gestiegen. Das teilte die Landesregierung am Samstag (Stand 13 Uhr) mit. Wstefan dräger

ieder genesen sind laut Hochrechnung 7784 Menschen, gut drei Viertel der bestätigten Fälle. Gestorben sind 459 Infizierte (plus 2). In niedersächsischen Kliniken werden derzeit 630 Infizierte behandelt. davon 154 intensivmedizinisch. 107 Patienten werden künstlich beatmet.

Innenstadt: Autokorso gegen Impfpflicht

In der Hamburger Innenstadt könnte der Busverkehr von 15 bis 16 Uhr beeinträchtigt werden. Der Grund ist ein angemeldeter Autokorso, der zweimal vom Speersort über den Steintorwall, die Mönckebergstraße, die Bergstraße, den Ballindamm, den Glockengießerwall und wieder zurück zur Mönckebergstraße fährt.

Insgesamt 15 Pkw sollen an dem Autokorso "Gemeinsam für das Grundgesetz und gegen die Impfpflicht" teilnehmen, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. Mit starken Verkehrsbehinderungen rechnet die Polizei nicht.

Coronavirus – die Fotos zur Krise:

Gute Nachricht: Frühjahrsausstellung in Mölln wieder eröffnet

Die Frühjahrsausstellung der Stiftung Herzogtum Lauenburg „Vier Frauen – vier Perspektiven“ ist ab dem 9. Mai wieder zugänglich. Die Ausstellung war bereits im März eröffnet worden, konnte aber in der folgenden Zeit wegen der Coronapandemie nicht besichtigt werden. Unter Einhaltung bestimmter Regeln könne die von Antje Ladiges-Specht organisierte Ausstellung im Stadthauptmannshof sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr kostenlos besucht werden, wie die Stiftung mitteilte.

In der Ausstellung sollen je zwei Künstlerinnen in einen Dialog treten: Die Malerin Ute Wilke (Zarrentin) trifft auf die Bildhauerin Marianne Schäfer (Koberg), und die Keramikerin Birke Kästner (Dalberg) auf die Papierkünstlerin Anke Meixner (Testorf).

UKE: 83-Jährige mit Covid-19-Infektion gestorben

Am Freitagabend ist eine 83 Jahre alte Krebs-Patientin des UKE, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatte, gestorben. Die Patientin habe "sehr schwerwiegende vorausgegangene Begleiterkrankungen" gehabt, teilte das UKE mit.

Die 83-Jährige hatte zu den Patienten gehört, die Anfang April positiv auf das Virus getestet wurden. Weitere Untersuchungen müssten nun zeigen, ob die Covid-19-Erkrankung ursächlich für den Tod der Frau war.

UKE-Mediziner Bokemeyer informiert über Onkologie-Patienten:

UKE-Mediziner Bokemeyer informiert über Onkologie-Patienten
UKE-Mediziner Bokemeyer informiert über Onkologie-Patienten

Elf weitere Coronafälle in Hamburg – keine weiteren Toten

Erfreuliche Nachrichten für Hamburg: Die Zahl der Neu-Infizierten ist in Hamburg seit der letzten Meldung noch einmal gesunken: Am Sonnabend meldete die Gesundheitsbehörde elf weitere Covid-19-Fälle (Freitag: 19) – damit liegt die Zahl der in Hamburg gemeldeten Fälle nun bei 4831.

Seit der Meldung vom Freitag gab es in Hamburg zudem keinen weiteren Coronatoten (am Vortag waren es neun). Laut Angaben des Instituts für Rechtsmedizin bleibt die Zahl der Coronatoten damit bei 163 Personen.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind rund 3700 der zuvor mit dem Sars-CoV-2-Virus positiv getesteten Hamburger wieder genesen. Die Gesundheitsbehörde geht derzeit von rund 970 mit dem Coronavirus Infizierten aus. Aktuell befinden sich 152 Hamburger, die an Covid-19 erkrankt sind, in stationärer Behandlung (am Freitag waren es 164), davon werden 60 Personen und damit zwei Personen weniger als noch am Vortag, intensivmedizinisch betreut.

Trotz Corona: Seebrücke plant Demo am Jungfernstieg

Mitglieder der Seebrücke Hamburg und weiterer Organisationen wollen am Sonntag für die Aufnahme von mindestens 1000 Menschen aus griechischen Lagern in Hamburg demonstrieren.

Um 8.30 Uhr treffen sich 50 Teilnehmer am Jungfernstieg, teilte die Seebrücke Hamburg mit. Ziel der Aktion sei es, Einfluss auf die zeitgleich stattfindenden Koalitionsverhandlungen im Rathaus zu nehmen. Bisher soll sich Hamburg gegenüber dem Bundesinnenministerium bereit erklärt haben, bis zu 150 Personen von den griechischen Inseln aufzunehmen. „150 sind zu wenige und die Erklärung ist zu vage. Die Menschen in Moria und den anderen Lagern sind der Coronapandemie schutzlos ausgeliefert“, sagt Christoph Kleine von der Seebrücke Hamburg.

Auf Mundschutz und Sicherheitsabstand werde geachtet, teilte der Veranstalter mit. Die Hamburger Versammlungs- und Gesundheitsbehörde habe eine Ausnahmegenehmigung für die Kundgebung erteilt.

Corona auf „Mein Schiff 3“: Weitere Tests laufen

Nach dem positiven Corona-Test eines Menschen an Bord des in Cuxhaven liegenden Kreuzfahrtschiffes „Mein Schiff 3“ laufen weitere Tests der Besatzungsmitglieder. Das Schiff, das derzeit als eine Art Sammeltransport für knapp 3000 Mitarbeiter der Tui-Flotte eingesetzt wird, wurde unter Quarantäne gestellt. Nach Angaben einer Reederei-Sprecherin vom Sonnabend werden Ergebnisse am Nachmittag erwartet.

Die „Mein Schiff 3“ befinde sich seit Dienstag ohne Gäste mit 2899 Besatzungsmitgliedern an Bord am Steubenhöft in Cuxhaven, hieß es von Tui Cruises am Vortag. Da Häfen wegen der Corona-Krise geschlossen worden seien, habe die Reederei für ihre Beschäftigten die Rückreise in Heimatländer selbst organisiert. Wie viele weitere Menschen nun getestet wurden, dazu machte die Sprecherin keine Angaben. Man habe dafür Kontaktpersonen des Betroffenen identifiziert.

Versammlung von Corona-Maßnahmen-Gegnern vorzeitig beendet

In Schwerin ist in Absprache mit der Polizei am Freitag eine unzulässige Versammlung von Gegnern der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorzeitig beendet worden. Statt der angemeldeten und genehmigten 50 Teilnehmer seien mehrere hundert Menschen zu der Mahnwache am Pfaffenteich gekommen, teilte die Polizei mit. Weil auch das Abstandsgebot nicht eingehalten worden sei, hätten Polizeibeamte die Menschen aufgefordert, sich vom Versammlungsort zu entfernen. Die Mahnwache war unter dem Titel "Grundgesetz wieder herstellen - Corona-Kontaktsperre sofort beenden" angemeldet worden. "Die Grundrechtseinschränkungen sind in keiner Weise gerechtfertigt", sagte ein Teilnehmer.

Corona: Risikogruppe fordert weniger Verbote

Ein Schreiben von Bürgern im Alter von 64 bis 8 Jahren kursiert derzeit im Internet. Unter dem Betreff: „Corona und Wir – Selbstbestimmt altern und sterben“ fordern die Verfasser Politiker dazu auf, weniger Ängste zu schüren und keine Verbote durchzusetzen. Sie, die zur Risikogruppe gehörten, „fürchten das Coronavirus nicht“, und wünschten sich, falls sie an dem Virus erkranken oder sterben sollten, nahestehende Menschen um sich zu haben. Statt Läden und Gaststätten zu schließen, Kirchen zu meiden und Masken aufzusetzen sollte mehr auf den „gesunden Menschenverstand“ der Bürger vertraut werden, so die Verfasser.

Ihr Schreiben richtet sich auch Medien und Mitbürger: Sie sollen keine falschen Nachrichten verbreiten und sich durch die Krise darauf zu besinnen,