Coronakrise

Hamburgs Spielplätze wahrscheinlich bald wieder geöffnet

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Daniel Herder und Peter Wenig
Kinder spielen auf einer Wippe (Archivbild). Viele Eltern in Hamburg hoffen, dass auch die Spielplätze in der Hansestadt wieder öffnen.

Kinder spielen auf einer Wippe (Archivbild). Viele Eltern in Hamburg hoffen, dass auch die Spielplätze in der Hansestadt wieder öffnen.

Foto: Robert Schlesinger / dpa

Lockerungen auch für Museen und Tierparks. Asklepios ruft Genesene zur Blutplasmaspende auf. Altenheim-Besuche unter Auflagen.

Hamburg. Eltern und Kinder in Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin kommen im Zuge der Coronakrise bereits in den Genuss lang ersehnter Lockerungen: Unter strengen Auflagen dürfen dort die Spielplätze wieder öffnen, dasselbe soll in den kommenden Tagen bundesweit für Museen, Tierparks, Gedenkstätten, Gotteshäuser und botanische Gärten gelten. Wie Hamburg die am Donnerstagabend von den nach Beratungen zwischen den Länderregierungschefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossenen Maßnahmen umsetzen wird, soll während der Sitzung des Senats am Dienstag entschieden werden. Hamburg hatte in den vergangenen Wochen immer wieder auf eine rasche Öffnung der Spielplätze gedrungen.

Um die bisherigen Erfolge im Kampf gegen die Pandemie nicht zu gefährden, bleibt Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) indes skeptisch. „Wir dürfen unsere Strategie, die erfolgreich ist, jetzt nicht verlassen“, sagte Tschentscher. „Und die Strategie besteht darin, dass wir schrittweise vorgehen und dass wir kontrolliert vorgehen.“ Den nächsten „großen Schritt“ zur Lockerung der Coronabeschränkungen könne es erst nach einer weiteren Schaltkonferenz in der kommenden Woche geben.

Zahl der Corona-Todesfälle nimmt deutlich zu

Nach 77 gemeldeten Neuinfektionen am Donnerstag fiel die Zahl am Freitag auf den bisher niedrigsten Wert seit dem 11. März: Lediglich 19 neue Covid-19-Fälle meldete die Gesundheitsbehörde. Doch die Zahl der Todesfälle nahm – einmal mehr – deutlich zu. Seit der Meldung vom Donnerstag gab es neun weitere Coronatote in Hamburg – am Tag davor waren es zwölf. Insgesamt hat das Hamburger Institut für Rechtsmedizin damit bei 163 Infizierten eine Erkrankung mit Covid-19 als todesursächlich festgestellt. Wie das UKE mitteilte, sei eine weitere Krebspatientin, die zudem an Covid-19 erkrankt war, nach einem schwerem Lungenversagen am Freitagmittag gestorben.

Nun werde untersucht, ob die Todesursache das Coronavirus oder Leukämie war. Die 71-Jährige gehört zu jenen Patienten der Krebsstation, die Anfang April positiv auf das Virus getestet worden waren. Damit sind seit dem 19. April vier coronainfizierte Krebspatienten im UKE gestorben. Wie die Gesundheitsbehörde mitteilte, seien seit Beginn der Krise in Hamburg 4820 Menschen positiv auf das Sars-CoV-2-Virus getestet worden, 3600 von ihnen gelten als genesen. „Damit sind mehr als dreimal so viele Menschen in Hamburg bereits genesen als im Moment infiziert gemeldet worden sind“, so die Behörde.

Geheilten fällt eine wichtige Aufgabe zu

Und den Geheilten fällt eine wichtige Aufgabe zu: Wie die Asklepios Kliniken mitteilten, können genesene Coronapatienten schwer am Virus Erkrankten ab sofort mit einer Blutplasmaspende helfen. Sie seien aufgerufen, sich beim Blutspendedienst unter der Hotline 040/200 022 00 zu melden. Die Plasmaentnahme, Aufbereitung und Therapie mit der passiven Immunisierung soll sofort starten. Schon in der kommenden Woche sollen in Hamburg erstmals lebensbedrohlich an Covid-19 erkrankte Patienten mit einer neuen Immuntherapie behandelt werden – und zwar mit Antikörpern, die aus dem Blut genesener Patienten gewonnen werden.

„Wir erwarten uns von dem neuen Therapieansatz günstige Auswirkungen auf die Krankheitsverläufe von Covid-19-Patienten mit sehr schwerem Krankheitsverlauf“, sagte Prof. Dr. Dirk Arnold, Chefarzt der Abteilung Onkologie, Hämatologie, Palliativmedizin und Rheumatologie der AK Altona. Der Klinikkonzern teilte mit, dass die Hamburger Gesundheits­behörde dem Antrag von Asklepios auf Herstellung des sogenannten Rekonvaleszenten-Plasmas als Arzneimittel sehr kurzfristig stattgegeben habe und somit auch rechtlich den schnellen Einsatz des neuen Therapieansatzes für Patienten mit einer schweren, lebensbedrohlichen Covid-19-Infektion ermögliche.

Alte Menschen besonders gefährdet

Zudem hat die Gesundheitsbehörde die Krankenhäuser angewiesen, planbare Behandlungen wieder aufzunehmen. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die freigehaltenen Kapazitäten den Bedarf für die Versorgung von stationär behandlungsbedürftigen an Covid-19 erkrankten Patienten deutlich übersteigen“, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Insgesamt müssen weiterhin jeweils mindestens 25 Prozent der Intensivbetten sowie zehn Prozent der Gesamtbetten auf den Normalstationen für Coronapatienten vorgehalten werden.

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Besonders gefährdet durch das Virus sind bekanntermaßen die Alten. In der ersten Sitzung des Corona-Sonderausschusses der Bürgerschaft am Donnerstag schloss Prüfer-Storcks eine schnelle Aufhebung der Besuchsverbote in Alten- und Pflegeheimen aus (siehe Seite 12). Das Hospital zum Heiligen Geist in Poppenbüttel hat inzwischen für seine 700 Bewohner in der stationären Pflege eine neue Lösung gefunden. Die Stiftung setzt auf Abstandskontakt. Vor jedem Haus werden in einem geschützten, überdachten Bereich zwei Stühle an den Stirnseiten eines großen Tisches aufgebaut.

Kontaktbeschränkungen werden immer weniger ernst genommen

Eine Pflegekraft bringt den Bewohner zum Stuhl, der Angehörige nimmt auf der anderen Seite Platz. Damit möglichst viele Bewohner in den nächsten Wochen von dieser Regelung profitieren, ist die Besuchszeit auf 20 Minuten beschränkt – die Termine vereinbart das Heim mit dem Angehörigen. Um eine Ansteckung auszuschließen, dürfen weder Speisen noch Getränke verzehrt werden, das Abstandsgebot muss auch bei der Begrüßung strikt eingehalten werden, also kein Händedruck, keine Umarmung. Bewohner und Angehörige tragen Schutzmasken, ein Mitarbeiter beobachtet das Geschehen dezent im Hintergrund. Das Hospital zum Heiligen Geist hat zudem für jedes Haus Tablet-Computer angeschafft, mit denen die Bewohner über Video-Telefonie mit ihren Angehörigen sprechen können.

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Bedenklich: Offenbar nehmen die Deutschen die Kontaktbeschränkungen seit Ostern immer weniger ernst, wie eine Studie von Sozialforschern der Uni Mannheim nahelegt. Seit dem 11. April fänden private Treffen häufiger statt – und zwar in allen Bevölkerungsgruppen, so die Forscher. Binnen 24 Stunden seien 100 Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen Verstößen gegen die Coronaverordnung gefertigt worden, sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen. Völlig aus dem Rahmen fiel eine Party von Jugendlichen im Volkspark. Nahe der August-Kirch-Straße war Bundespolizisten in der Nacht zum Freitag eine Geburtstagsfeier von Jugendlichen mit Musik und Lagerfeuer aufgefallen. Als die Beamten anrückten, flüchteten die meisten Jugendlichen. Drei Mädchen mussten mit auf die Wache kommen – nachdem sie aufgeräumt hatten.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden
( mit HA/dpa )

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