Newsblog für Norddeutschland

Schulen und Spielplätze: Norden passt Corona-Regeln an

| Lesedauer: 21 Minuten

Corona-Konzert verpasst? Lukas Droese streut Hoffnung

Durch seinen Gesang des Singer-Songwriters entsteht ein Strudel der Hoffnung, den Droese auch zwischen den Songs verbreitet.

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Weniger Neu-Infizierte, aber deutlich mehr Tote in Hamburg. 71 Jahre alte UKE-Patientin mit Covid-19 gestorben. Der Newsblog.

Hamburg. Wann dürfen Kitas, Schulen, Restaurants, Museen, Zoos und große Geschäfte wieder öffnen? Und wie lange gilt noch die Kontaktsperre? Fragen wie diese beschäftigen viele Menschen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bleibt zurückhaltend: Trotz einer relativ niedrigen Zahl von Corona-Neuinfektionen in Hamburg steht er weiteren Lockerungen der Beschränkungen zur Eindämmung der Coronapandemie skeptisch gegenüber. "Wir dürfen unsere Strategie, die erfolgreich ist, jetzt nicht verlassen“, sagte er nach Beratungen der Länderregierungschefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). In Schleswig-Holstein soll es in der zweiten Mai-Hälfte noch vor Pfingsten erste Lockerungen für Tourismus und Restaurants geben.

Der Corona-Newsblog für Hamburg und den Norden am Freitag (1. Mai):

Corona auf „Mein Schiff 3“: 2900 Menschen in Quarantäne

An Bord des in Cuxhaven angelegten Tui-Kreuzfahrtschiffes „Mein Schiff 3“ ist ein positiver Coronafall festgestellt worden. Daraufhin ist das gesamte Schiff mit 2899 Besatzungsmitgliedern unter Quarantäne gestellt worden. Besonders pikant ist allerdings, dass sich einige von ihnen bereits auf dem Heimweg befinden. Die „Mein Schiff 3“ wird derzeit als eine Art Sammeltransport für Mitarbeiter der Tui-Flotte eingesetzt.

Schleswig-Holstein passt Corona-Regeln an

Die Landesregierung hat eine Neufassung der Verordnung über die Maßnahmen gegen das sich ausbreitende Coronavirus erlassen. Die angepassten Regelungen seien von Montag an und bis vorerst zum 17. Mai gültig, wie die Staatskanzlei in Kiel mitteilte. Die neuen Regeln besagen vor allem, dass Schulen teilweise wieder geöffnet werden, die Lernlabore an den Hochschulen wieder genutzt werden können und auch nicht dringend nötige Operationen wieder zugelassen sind.

Zudem können Spielplätze von Montag an wieder öffnen – ebenso wie Museen, Ausstellungen und Botanische Gärten. Auch Gottesdienste sind wieder möglich. Die Einreise ins Land für touristische Zwecke bleibt dagegen zunächst verboten.

Tschentscher: Wir müssen schrittweise vorgehen

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bleibt bei seiner Einstellung zu den Lockerungen: „Wir dürfen unsere Strategie, die erfolgreich ist, jetzt nicht verlassen“, sagte er nach Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Und die Strategie besteht darin, dass wir schrittweise vorgehen und dass wir kontrolliert vorgehen.“ Bevor es weitere Lockerungen gebe, müssten die Auswirkungen der bereits getroffenen Schritte abgewartet werden. Die geltenden Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Leben sollen weitgehend bestehen bleiben. Spielplätze sollen aber unter Auflagen wieder öffnen und auch Gottesdienste und Gebetsversammlungen wieder stattfinden dürfen.

Gottesdienste in Norddeutschland ab 10. Mai wieder möglich

Voraussichtlich vom 10. Mai an sind in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Norddeutschland wieder Gottesdienste möglich – unter strengen hygienischen Auflagen. Das teilte die Nordkirche am Freitag nach einer Tagung der Bund-Länder-Kommission mit.

Voraussetzungen für den Gottesdienste sind unter anderem ein Zwei-Meter-Abstand zwischen den Teilnehmenden (es sei denn, sie leben in einem gemeinsamen Haushalt), eine kleine Besucherzahl (in Sachsen sind es 15), ein Mund-Nasen-Schutz sowie die Registrierung der Kontaktdaten der Besucher.

Die Entscheidung über die Sonntagsgottesdienste liege jetzt bei den Kirchengemeinden vor Ort. Bislang waren sie vom Staat untersagt worden. Die Kirchengemeinden müssten Schutzkonzepte und neue Gottesdienstformen beraten. So könne die Zahl der Gottesdienste und der Andachten erhöht werden, um möglichst viele Besucher zu erreichen. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt zeigte sich erfreut darüber, dass nunmehr die Kirchengemeinden selbst über das weitere Vorgehen entscheiden.​

Linienflüge ab Lübeck starten wegen Corona später

Der für den 1. Juni geplante Start von Linienflügen der Gesellschaft „Lübeck Air“ wird wegen der coronabedingten Reisebeschränkungen auf Mitte August verschoben. Das teilte der Flughafen Lübeck am Freitag mit. Auch das neue Terminalgebäude könne deshalb erst im August der Öffentlichkeit vorgestellt werden, sagte der Geschäftsführer des Flughafens und der Lübeck Air, Jürgen Friedel.

Er rechne damit, dass Mitte August die Beschränkungen des Binnentourismus gelockert würden, so dass Geschäftsreisende ihre Termine nach den Sommerferien wieder wahrnehmen könnten, sagte Friedel. Die neu gegründete „Lübeck Air“ bietet Linienflüge von Lübeck nach Stuttgart und München an. Fluggäste, die bereits einen Flug für Juni oder Juli gebucht haben, können nach Angaben Friedels kostenfrei umbuchen, stornieren oder erhalten einen Gutschein.

Helgoland-Marathon virtuell wegen Corona

Die 23. Auflage des Helgoland-Marathons fällt der Coronapandemie zum Opfer, soll aber dennoch stattfinden. Starten will Organisator Oke Zastrow vom VfL Fosite Helgoland am 9. Mai um 9 Uhr. Wie schon bei den abgesagten großen Stadtmarathons in Hannover und Hamburg sollen die gemeldeten Teilnehmer in ihren Heimatorten laufen und dabei ihre Startnummer tragen. Zastrow ruft zum virtuellen Helgoland-Marathon auf.

Der Aufruf dazu erfolgte vor wenigen Tagen auf Facebook. „Meldet Euch bis zum 05.05.2020 an und erhaltet per PDF Eure Startnummer zum selber ausdrucken“, heißt es auf der Veranstaltungsseite. Und weiter: „Euch selbst bleibt es überlassen, welche Strecke ihr absolviert. Hauptsache, wir lassen diesen Tag unvergessen beim 1. virtuellen Helgoland-Marathon.“ Eine Urkunde soll es auch geben.

Eimsbüttel: "Mal was Schönes" in Coronazeiten

Im Wehbers Park in Eimsbüttel hat ein Unbekannter Gedichte an zahlreiche Bäumen befestigt – zur Freude vieler Passanten, die nun kurz Innehalten in Coronazeiten und zum Beispiel "Was es ist" des österreichischen Lyrikers Erich Fried lesen. "Mal was Schönes" steht übrigens über jedem Gedicht.

71 Jahre alte UKE-Patientin mit Covid-19 verstorben

Am Freitagmittag ist auf der Intensivstation des UKE eine 71 Jahre alte Leukämie-Patientin verstorben, die auch mit Sars-CoV2 infiziert war. Nach Angaben des UKE verstarb die Frau nach einem schweren Lungenversagen.

Die 71-Jährige gehörte zu den Patienten, die Anfang April positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurden. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob Covid-19 ursächlich für den Tod der Frau war, teilte das UKE am Freitag mit.

UKE-Mediziner Bokemeyer über Onkologie-Patienten:

UKE-Mediziner Bokemeyer informiert über Onkologie-Patienten
UKE-Mediziner Bokemeyer informiert über Onkologie-Patienten

CDU: „Flatten the Curve“ auch für die Wirtschaft

Die Hamburger CDU fordert weitere Lockerungen. Götz Wiese, wirtschaftspolitischer Sprecher der Bürgerschaftsfraktion: "Das Prinzip 'Flatten the Curve'" müsse auch für die Wirtschaft gelten. Jedes dritte Hamburger Unternehmen habe Kurzarbeit angemeldet, "die Arbeitslosigkeit in Hamburg ist gegenüber dem Vorjahresmonat um 16,5 Prozent gestiegen", viele Firmen seien von Insolvenz bedroht.

Zwar habe der Infektionsschutz weiter "höchste Priorität", dennoch müsse die Diskussion um weitere Öffnungen für die Wirtschaft fortgesetzt werden: "Dabei geht es im Bereich der Wirtschaft nicht um starre Grenzen, sondern um geeignete Auflagen und Rahmenbedingungen für Betriebe, Mitarbeiter und Kunden. Damit der Gesundheitsschutz durch eine abgewogene Lösung weiter sichergestellt wird und der Absturz der Wirtschaft gestoppt werden kann."

Peter Tschentscher diskutiert mit Olivia Jones

Sie ist die Größte auf dem Kiez, er ist der wichtigste Mann im Rathaus: In Yared Dibabas Online-Talkformat Kulturona treffen am Sonnabend Olivia Jones und Peter Tschentscher aufeinander. Es soll aber nicht nur um die Lage der Gastronomie und des Kiez insgesamt während der Coronapandemie geben, es wird ein "bunter Abend" versprochen – was in Anbetracht von Jones' Stil wörtlich zu nehmen sein dürfte. Weitere Gäste der ab 20.30 Uhr live bei Facebook gestreamten Show sind die Soul-Sängerin Terri B! (The Terri Green Project) und der Journalist und Entertainer Michel Abdollahi.

Coronakrise: Schiffe in Hamburg lassen ihre Hörner tuten

Um auf die gerade in der Coronakrise wichtige und systemrelevante Arbeit von Seeleuten aufmerksam zu machen, haben am Freitagmittag in vielen Häfen Schiffe ihre Hörner ertönen lassen. Auch im Hamburger Hafen beteiligten sich zahlreiche Schiffe.

„Das war ein deutlich vernehmbares Zeichen, das uns sehr freut“, sagte der Sprecher des Verbandes Deutscher Reeder. In der Hansestadt haben trotz des eigentlich arbeitsfreien Tages Schlepper, Kreuzfahrtschiffe, Containerschiffe, Museumsschiffe und Frachtschiffe aller Art pünktlich um 12 Uhr für mehrere Sekunden gemeinsam laut getutet.

Mit der weltweiten Aktion wollen die Reeder zudem darauf aufmerksam machen, dass die Seeleute wegen der Coronapandemie enormen Belastungen ausgesetzt seien. So sind auch wegen der Ausgangsrestriktionen in den Häfen und der verbotenen Auslandsreisen derzeit beispielsweise keine Crew-Wechsel möglich. Etwa 150.000 Seeleute warteten weltweit nach ihrem mehrmonatigen Einsatz gerade darauf, dass sie endlich abgelöst werden, sagte der Sprecher. Stattdessen aber arbeiten sie weiter.

FDP-Vize Kubicki lässt es im Homeoffice lockerer angehen

Auch an FDP-Politiker Wolfgang Kubicki (68) geht die Coronakrise nicht spurlos vorbei. „Ich hab in den letzten vier Wochen drei Kilo zugenommen, weil ich so wenig rauskomme und der Stress nicht mehr da ist, von Termin zu Termin zu hetzen“, sagte der FDP-Vize dem Nachrichtenportal „Watson“.

Das Arbeiten von Zuhause aus lasse ihn zudem auch bei der Wahl der Kleidung nachlässiger werden. „Der Kleidungsstil ist legerer. Man läuft auch mal in Jogginghose oder Polohemd durch die Gegend.“ Außerdem gönne er sich nachmittags auch gern mal eine Weinschorle. „Im Homeoffice kann das ja auch Gott sei Dank niemand überprüfen, außer jemand hat bei einer Telefonkonferenz vergessen, die Videofunktion auszuschalten.“ Aber dann könne man sich auch einfach zuprosten.

Linksfraktion: Schüler sind keine Versuchskaninchen

Nachdem sich einige Elternräte, die Elternkammer und auch Schüler gegen die Entscheidung der Hamburger Schulbehörde ausgesprochen haben, Abschlussprüfungen trotz der Corona-bedingten Einschränkungen abzuhalten, übt auch die Linken-Bürgerschaftsfraktion erneut Kritik.

„Der gegenwärtige Fernunterricht konterkariert jedwede pädagogische Intervention für mehr Chancengleichheit – diese Einsicht ist mittlerweile auch in der BSB angekommen“, so Sabine Boeddinghaus von der Linksfraktion. Daher sei es richtig, dass Senator Rabe Qualitätsstandards für den Fernunterricht entwickeln wolle. "Doch grundsätzlich ist die Leistung, die Eltern und Kinder zu Hause vollbringen, nicht mit schulischem Unterricht und pädagogischer Anleitung zu vergleichen."

Die Linken-Politikerin vergleicht die aktuelle Unterrichtsentwicklung mit "einer Operation am offenen Herzen mit ungewissem Ausgang". Boeddinghaus fordert die Abkehr von Regeln und Abläufen, "die zurzeit einfach nicht leistbar sind. Die Politik darf unsere jungen Menschen nicht zu Corona-Versuchskaninchen machen!“

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten

Corona: Udo Lindenberg postet passenden Songtext

Das Lied "Muss da durch" vom Hamburger Panikrocker Udo Lindenberg wurde zwar schon 2016 veröffentlicht. Doch der Text seines Songs passt perfekt in die Coronazeiten. Dort heißt es etwa: "Doch gerade, wenn du denkst, es kann nicht besser kommen, trifft dich 'n linker Haken, knallst auf den Beton, 'ne dunkle Wand und ein Riss geht durch die Zeit, und dann ist's vorbei mit der Unsterblichkeit."

Lindenberg postete den Text nun unter den Hashtags #hintermhorizontgehtsweiter, #schwerezeiten, #panikvirus, #keinepanik, #corona, #covid-19, #fckcorona, #wirbleibenzuhause auf Instagram. Ein Gedanke hinter dem Beitrag dürfte sicher auch sein, den Menschen Zuversicht zu geben. In einer Strophe heißt es: "Muss da durch. Ganz egal, wohin die Stürme mich auch wehen, ganz egal, muss ich auch durch die Hölle gehen, Ich werd diesen harten Trip schon überstehen, du wirst sehen, wird schon gehen."

Corona-Infektionen steigen in Schleswig-Holstein auf 2709

Die Zahl der in Schleswig-Holstein seit Ausbruch der Coronapandemie gemeldeten Infektionen mit dem neuartigen Virus ist auf 2709 gestiegen. Wie die Landesregierung am Freitag mitteilte, waren dies bis Donnerstagabend 24 Fälle mehr als nach der Meldung des Vortags. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich um 4 auf 110.

74 an dem Virus erkrankte Menschen sind – wie schon am Vortag – derzeit in klinischer Behandlung. Rund 2100 Corona-Infizierte sind mittlerweile genesen.

Weniger Neu-Infizierte in Hamburg, aber deutlich mehr Tote

Die Zahl der Neu-Infizierten ist in Hamburg seit der letzten Meldung gesunken: Am Freitag meldete die Gesundheitsbehörde 19 weitere Covid-19-Fälle (Donnerstag: 77) – damit liegt die Zahl der in Hamburg gemeldeten Fälle nun bei 4820.

Die Zahl der Todesopfer, bei denen das Sars-CoV2-Virus ursächlich war, ist jedoch deutlich gestiegen: Seit der Meldung vom Donnerstag gab es in Hamburg neun weitere Coronatote (am Vortag waren es zwölf). Laut Angaben des Instituts für Rechtsmedizin ist die Zahl der Coronatoten damit auf 163 Personen gestiegen.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind rund 3600 der zuvor mit dem Sars-CoV-2-Virus positiv getesteten Hamburger wieder genesen. Gesundheitsbehörde geht derzeit von rund 1050 mit dem Coronavirus infizierten aus. Damit sind mehr als dreimal so viele Menschen seit Beginn der Coronapandemie in Hamburg bereits genesen als im Moment infiziert gemeldet worden sind.

Aktuell befinden sich 164 Hamburger, die an Covid-19 erkrankt sind, in stationärer Behandlung, davon werden 62 Personen intensivmedizinisch betreut. Beide wichtigen Kennzahlen sind seit einigen Wochen stabil und an einigen Tagen sogar rückläufig.

Coronavirus – die Fotos zur Krise: