Hamburg

Corona: Friseure danken den "besten Chefs in der Krise"

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Franziska Coesfeld
Die Hamburgerin Stefanie Altmann ist ihren Chefs von FON Friseur sehr dankbar: "Es sind die besten Chefs in der Krise".

Die Hamburgerin Stefanie Altmann ist ihren Chefs von FON Friseur sehr dankbar: "Es sind die besten Chefs in der Krise".

Foto: privat

Mitarbeiter von FON Friseur freuten sich nicht nur über eine großzügige Geste der Geschäftsführer. Was die Chefs zu dem Lob sagen.

Hamburg. Kurzarbeit, finanzielle Notlagen, Existenzängste: Die Coronakrise bedeutet für viele Hamburger Angestellte und Unternehmer in diversen Branchen eine wirtschaftliche Katastrophe. Doch auch in den schwierigen Coronazeiten gibt es manchmal positive Meldungen. Beschäftigte, die froh sind, weiterhin eine Arbeit zu haben. Und dankbar sind, dass ihre Chefs hinter ihnen stehen. So wie Stefanie Altmann und ihr Mann Matthias, die beide in einer Filiale von FON Friseur in Hamburg arbeiten. "Wir haben die besten Chefs in dieser blöden Krise", sagt die 36-Jährige.

Vor sechs Wochen mussten auch in Hamburg alle Friseursalons wegen des Coronavirus schließen. Für wohl die meisten Angestellten im Friseurhandwerk bedeutete das: Kurzarbeit statt Haare schneiden. Doch André Schereika und Claudia Woltereck, die Geschäftsführer von FON Friseur – mit sechs Filialen in Hamburg vertreten –, stockten das Kurzarbeitergeld auf. "Wir wurden im März und April voll bezahlt und das bei 0 Euro Umsatz im April und deutlich weniger Umsatz als sonst im März", sagt Stefanie Altmann.

"In der Coronakrise sind wir noch enger zusammengerückt"

Dieses Entgegenkommen habe alle überrascht, weil es keine Selbstverständlichkeit und wohl eher die Ausnahme im Friseurgewerbe sei. "Wir sind alle sehr dankbar", so Altmann, die bereits seit 13 Jahren für FON Friseur arbeitet. Viele ihrer Kollegen seien seit vielen Jahren dort beschäftigt, es gebe nur wenig Fluktuation. "In der Coronakrise sind wir noch enger zusammengerückt", sagt die 36-Jährige.

Mit Beginn der Krise hätten André Schereika und Claudia Woltereck die Mitarbeiter regelmäßig per Videobotschaft auf dem Laufenden gehalten. "Bereits kurz vor der Schließung der Läden haben sie uns versichert, dass sie alles versuchen, um uns so gut wie möglich zu bezahlen", erinnert sich Altmann. Auch Ermunterungen an die Kollegen wie "Wir schaffen das gemeinsam" hätten dazu geführt, dass alle zusammenhalten.

Handwerkskammer Hamburg: "Eine schöne Geste"

Ob es im Friseurgewerbe tatsächlich eine Seltenheit ist, dass die Inhaber das Kurzarbeitergeld aufstocken, kann weder die Friseur-Innung noch die Handwerkskammer Hamburg sagen. "Aber es ist in jedem Fall eine schöne Geste und zeigt die Wertschätzung für die Mitarbeiter", sagt eine Sprecherin der Handwerkskammer. Ob dieses Vorgehen möglich ist, hänge jedoch immer von der betrieblichen Situation ab.

Den Geschäftsführern von FON Friseur war diese Leistung nur durch Zuschüsse vom Staat möglich, wie Claudia Woltereck auf Anfrage des Abendblatts einräumt. "Und einen weiteren Monat hätten wir das Kurzarbeitergeld sicher nicht aufstocken können." Dass die Angestellten sich so positiv über das Krisenmanagement der Chefs äußern, rührt Woltereck. "Ich kann dieses Lob nur zurückgeben. Wir sind stolz und froh, dass die Belegschaft so hinter uns steht und so toll mitzieht."

Am Montag dürfen Friseursalons wieder öffnen

André Schereika und Claudia Woltereck war es sehr wichtig, dass alle ihre Mitarbeiter – allein in Hamburg rund 50 – trotz der Coronakrise ihr volles Gehalt bekommen. "Uns war klar, dass sie mit 60 Prozent nicht leben können", so Woltereck. "Wir fühlen uns verantwortlich." Man könne die Menschen schließlich nicht hängen lassen. Auch die Angestellten in Kiel, Rostock, Neumünster und Berlin mussten keine Abstriche bei ihrem Gehalt hinnehmen. Woltereck: "Ich bin wirklich gerührt, mit wie viel Liebe und Elan die Belegschaft nun auch an die neue Situation ab Montag herangeht."

Am 4. Mai dürfen Friseursalons wieder öffnen – unter strengen Auflagen, die die Friseur-Innung in Hamburg bereits kritisiert hat. So müssen die Angestellten in Friseurgeschäften unter anderem auf Folgendes achten:

  • Mundschutzpflicht
  • Keine Getränke anbieten
  • Kein Trockenhaarschnitt
  • Keine Zeitschriften anbieten
  • Kunden dürfen nicht in Begleitung kommen
  • Hände desinfizieren
  • Nur eine bestimmte Anzahl an Kunden, um den Mindestabstand einzuhalten

Stefanie Altmann freut sich trotz der strengen Regeln, dass sie ab Montag wieder Kunden im Friseursalon bedienen kann. "Wir haben natürlich Respekt vor der neuen Situation, sind aber froh, dass wir wieder arbeiten können", sagt die 36-Jährige. Zudem seien sie gut ausgerüstet was Desinfektionsmittel und Schutzmasken angehe. "Und der Ansturm auf die Termine ist riesig", sagt sie. Klar, nach sechs Wochen freuen sich viele Hamburger auf einen Haarschnitt.

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