Hamburg

Nach Corona-Ausbruch: UKE muss nun neue Regeln befolgen

Auf den Krebsstationen im UKE hatten sich mehrere Patienten mit dem Coronavirus infiziert (Archivbild).

Auf den Krebsstationen im UKE hatten sich mehrere Patienten mit dem Coronavirus infiziert (Archivbild).

Foto: imago images / Chris Emil Janßen

RKI hat laut Gesundheitssenatorin "richtig, wenn auch etwas spät" die neue Vorgabe getroffen. Sie zeigt keine Nachsicht mit dem UKE.

Hamburg. Nach der Corona-Infektionswelle auf den Krebsstationen des UKE hat eine Konferenz mit den beteiligten Behörden, dem Amt für Arbeitsschutz und dem Klinikum selbst stattgefunden – laut der Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hat man sich dabei auf ein weiteres Vorgehen geeinigt. ​Künftig soll die Klinik bereits ab dem ersten Infizierten, der nicht bereits als Covid-19-Patient aufgenommen wurde, dem Gesundheitsamt einen möglichen Ausbruch des Erregers melden.

Bereits im März war es zu ersten Covid-19-Fällen auf der Onkologie des UKE gekommen, zuletzt weitete sich das Geschehen auf 40 infizierte Krebspatienten und Mitarbeiter aus. Prüfer-Storcks erneuerte am Dienstag ihre Kritik daran, dass das UKE die ersten Fälle noch nicht förmlich als Ausbruch gemeldet habe. "Fachlich wäre es besser gewesen und es ist auch geboten, das Gesundheitsamt sofort einzuschalten", so Prüfer-Storcks. Das zentrale Versäumnis der Klinik sei gewesen, die Fälle von infizierten Patienten und Mitarbeitern "nicht zusammengedacht" zu haben.

Corona: UKE muss möglichen Ausbruch bereits bei erstem Infizierten melden

In dem Gespräch am Montag hatte das UKE laut Prüfer-Storcks betont, nach den bisher gültigen Richtlinien für Infektionsfälle vorgegangen zu sein. Dieses Argument könne man nicht außer Acht lassen, so die Gesundheitssenatorin am Dienstag. Das Klinikum machte das Ausmaß der Infektionswelle jedoch erst nach einem Bericht des "Spiegel" gegenüber dem Senat und der Öffentlichkeit transparent. Auch habe das Robert Koch-Institut (RKI) nun "richtig, wenn auch etwas spät" die neue Vorgabe getroffen, dass ein möglicher Ausbruch bereits bei dem ersten Infizierten zu melden ist.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Man habe nun sehr deutlich die Erwartung formuliert, dass die Klinik diesen Vorgaben und auch den Anordnungen des Gesundheitsamtes folgt. "Diese Anordnungen wie den täglichen Gesundheitscheck der Mitarbeiter hätten wir gern früher getroffen", sagte Prüfer-Storcks. Nach Abendblatt-Informationen wird im Klinikum selbst aber auch die Kommunikation des Senats zu dem Thema kritisch gesehen.

Gesundheitssenatorin keine Nachsicht mit dem UKE

Gegenüber dem Abendblatt und dem "Spiegel" hatten Patienten und Mitarbeiter von weiteren Mängeln beim Infektionsschutz berichtet, unter anderem ging es dabei um fehlenden Abstand an den Arbeitsplätzen in der Verwaltung und die Verlegung von Patienten, bevor Testergebnisse auf das Coronavirus vorlagen.

Die Klinik bestätigte die Einzelfälle auf Anfrage nicht. Man bedauere jedoch, wenn es zu "Informationslücken" gekommen sei. Laut der Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks ist das Gesundheitsamt fortlaufend im Klinikum aktiv und überprüft die Einhaltung der Standards.

Corona auf Krebsstationen: Staatsanwaltschaft prüft Anfangsverdacht

Auf Nachfrage mehrerer Journalisten in der Landespressekonferenz, ob die vermeintlichen Versäumnisse des UKE klar genug zum Ausdruck gebracht worden seien, sagte Prüfer-Storcks: "Sie können davon ausgehen, dass das UKE uns in dem Gespräch nicht als nachsichtig empfunden hat". Die genaue Infektionskette in der Onkologie ist noch nicht aufgeklärt.

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Unterdessen prüft die Hamburger Staatsanwaltschaft nach der Infektionswelle am UKE einen Anfangsverdacht auf eine Straftat. Zwei Strafanzeigen seien bei der Staatsanwaltschaft eingegangen, bestätigte Oberstaatsanwältin Nana Frombach, Leiterin der Pressestelle. Eine Anzeige richte sich gegen eine Reinigungskraft, die andere gegen Verantwortliche im UKE. „Die Anzeigen werden jetzt geprüft und bewertet“, sagt Frombach. Die Anzeigen stammten von Menschen, die nicht direkt betroffen seien, sondern von den Vorfällen aus den Medien gehört hätten.