Coronakrise in Hamburg

Kinderbetreuung: Tagesmütter nehmen Arbeit wieder auf

| Lesedauer: 5 Minuten
Claudia Eicke-Diekmann
In Hamburg nehmen Tagesmütter und -väter ihre Arbeit sukzessive wieder auf (Symbolfoto). Sie werden sich wohl zunächst mit den Kleinen nur draußen aufhalten.

In Hamburg nehmen Tagesmütter und -väter ihre Arbeit sukzessive wieder auf (Symbolfoto). Sie werden sich wohl zunächst mit den Kleinen nur draußen aufhalten.

Foto: imago images / JOKER

Die Kindertagespflege soll in Hamburg schrittweise wieder starten. Warum die Aufgabe für alle Beteiligten ein Balanceakt ist.

Hamburgs Tagesmütter und -väter nehmen ihre Arbeit wieder auf. Allerdings zunächst in reduzierter Form. „Aufgrund der geringen Anzahl der gleichzeitig zu betreuenden Kinder in Kindertagespflegestellen hat der Senat in Hamburg analog zu bestehenden Regelungen in anderen Bundesländern beschlossen, dass Kindertagespflegestellen in den kommenden Tagen sukzessive ihren Betrieb wieder aufnehmen können“, heißt es in einem Schreiben der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) von Montag an die Tagesmütter und -väter.

Begründet wird der Beschluss so: Die Kindertagespflege biete mit den kleinen Gruppen und der höchstpersönlichen Betreuung gute Voraussetzungen, um die zur Verringerung des Ansteckungsrisikos notwendigen Maßnahmen bestmöglich umzusetzen.

Der Neustart der Kindertagespflege in der Coronakrise unterliegt Regeln. „Wir gehen davon aus, dass die Tagesmütter und -väter die Betreuung schrittweise unter Beachtung dieser Regeln aufnehmen“, sagte Behördensprecher Martin Helfrich am Dienstag.

Corona: Vorgaben für Tagesmütter und -väter

  • Treffen Sie gegebenenfalls Absprachen mit den Eltern, um die Betreuungszeiten zu reduzieren bzw. um die Betreuung in aufeinander folgenden Schichten zu organisieren.
  • Es ist darauf zu achten, dass die Gruppenzusammensetzung konstant bleibt.
  • Es darf weder Spielzeug noch Essen von zu Hause mitgebracht werden. Das Essen darf unter den Kindern nicht geteilt werden.
  • Reinigen Sie vorhandenes Spielzeug möglichst täglich und bevor eine andere Gruppe das Spielzeug nutzt.
  • Verzichten Sie auf mitgebrachte Speisen, zum Beispiel an Geburtstagen.
  • Achten Sie bei den Mahlzeiten und bei anderen Tätigkeiten am Tisch auf ausreichend Platz für jeden.
  • Reichen Sie den Kindern fertige Portionen und vermeiden Sie gemeinsame Teller oder Schüsseln, zum Beispiel für Rohkost.
  • Die Eltern sollten morgens vor dem Besuch der Kindertagespflege bei ihren Kindern Fieber messen. Gibt es Anzeichen einer Erkrankung, sollen die Kinder nicht in die Kindertagespflege gebracht werden.
  • Kinder, die durch Vorerkrankungen (Leitsymptom: dauerhafte Medikation) zur Risikogruppe gehören, sollten das Angebot möglichst nicht nutzen.

Tagesmutter Katja Schultz betreute vor der Coronakrise montags bis donnerstags von 8 bis 14.30 Uhr in Ottensen fünf Krippenkinder. Die schrittweise Wiederaufnahme ihrer Arbeit hat sie so geplant: „In dieser Woche werde ich an einem Tag von 9 bis 12.30 Uhr drei der fünf Kinder betreuen“. Ihre private Wohnung werde sie mit den Kleinen nicht nutzen.

Kinder kommen nicht in die private Wohnung

„Ich treffe mich mit den Eltern vor der Tür, übernehme die Kinder und werde mit den Kindern in eine der Parkanlagen in der Umgebung gehen“. Mittagessen werde sie nicht anbieten. Auch könnten die Kinder nicht – wie sonst üblich – ihren Mittagsschlaf bei ihr halten. In der kommenden Woche wolle sie zwei Tage Betreuung anbieten. Die Eltern hätten bereits signalsiert, dass die Betreuung nicht zwingend notwenig sei, weil sie die Möglichkeit hätten, im Homeoffice zu arbeiten.

Katja Schultz hat bei alledem gemischte Gefühle: Sie und ihre Tochter hätten sich bisher freiwillig isoliert, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden. Nun sei es möglich, dass die Kinder das Virus aus den Familien mitbrächten. Ihr eigenes Ansteckungsrisiko sei also erhöht.

Coronakrise: Kindertagespflege als Balanceakt

„Das ist gerade ein Balanceakt“, sagt Helfrich. „Einerseits wollen wir die Betreuung der Kinder in der Tagespflege ermöglichen, andererseits wollen wir niemand einem Infektionsrisiko aussetzen“.

Sukzessive und mit viel Augenmaß müsse die Kindertagespflege neu starten, so Helfrich. So plant es auch Tagesmutter Gila Toure. Die 60-Jährige wird von Mittwoch an wieder täglich Kinder betreuen, allerdings vorerst nur von 9 Uhr bis 12.30 Uhr statt wie vor der Coronakrise von 8.30 bis 16 Uhr. Ihre eigene Wohnung bleibt für die Kinder ebenfalls geschlossen. „Ich werde mit den Kleinen zu Fuß Parks aufsuchen, versuchen, eine gesunde Distanz zu und zwischen den Kindern zu halten, und hoffe, dass der Senat bald wieder die Spielplätze öffnet.“ Regulär betreut Gila Toure fünf Krippenkinder. Für Mittwoch hätten zwei Eltern ihre Kinder angemeldet.

Die BASFI hat angekündigt, sich in den nächsten Tagen mit Tagespflegepersonen sowie dem Verein Hamburger Tagesmütter und -väter in Verbindung setzen, um erste Erfahrungen mit der schrittweisen Wiederaufnahme der Betriebe aufzunehmen.

Kita-Notbetreuung wird ausgeweitet

Insgesamt werden in Hamburg rund 90.000 Kinder in Krippe und Elementarbereich betreut. Von ihnen werden etwa 3250 in der Kindertagespflege von 814 Tagesmüttern und -vätern betreut.

Von Mittwoch an wird auch die Kita-Notbetreuung in Hamburg ausgeweitet auf Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden. Über die Änderung der Regelung waren die Kitas von der BASFI ebenfalls am Montag informiert worden.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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