Coronazeiten

Ab ins Grüne – und dabei Hamburgs Pflanzenwelt erkunden

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Friederike Ulrich
Frühling. Sonniges Wetter, Planten und Blomen. Ostern 2020. Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Frühling. Sonniges Wetter, Planten und Blomen. Ostern 2020. Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Der Parkführer „Was grünt und blüht in Hamburg?“ bietet Touren und Geschichten zu seltenen Pflanzen.

Hamburg. Sonne, blauer Himmel, Vogelgezwitscher und eine Natur, die von Tag zu Tag mehr aus ihrem Winterschlaf erwacht – gerade zu Zeiten häuslicher Isolation und Langeweile zieht es viele Menschen ins Grüne. Ein guter Begleiter ist dabei das gerade erschienene Buch „Was grünt und blüht in Hamburg?“.

Verfasst hat es der Hamburger Naturschützer Thomas Schmidt, 73, der eigentlich studierter Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie ist, seinen Lebensunterhalt aber als Buchautor verdient. Der 154 Seiten starke und im Junius Verlag erschienene pflanzenkundliche Stadtführer ist sein 21. Werk und der Nachfolger von „Was piept und fliegt in Hamburg?“ und „Was kreucht und fleucht in Hamburg?“

Bislang wurden in der Elbmetropole mehr als 1500 Pflanzenarten gezählt. Dazu gehören auch welche aus fernen Ländern, die versehentlich eingeschleppt oder bewusst als Exoten angepflanzt wurde, etwa der aus China stammende Taschentuchbaum in Planten un Blomen, oder die Kanadische Goldrute im Stadtpark.

Zehn Touren durch Hamburgs Grünanlagen

Der unterhaltsam geschriebene Botanikführer beschreibt zehn Touren durch Parks und Naturschutzgebiete – darunter Planten un Blomen und der Volkspark, das Eppendorfer Moor, der Ohlsdorfer Friedhof und der Höltigbaum. Dem Leser werden interessante Blumen, Bäume und Sträucher vorgestellt, die am Wegesrand zu entdecken sind. Ergänzend dazu gibt es illustrierte Steckbriefe, die die Pflanzen näher beschreiben, Exkurse mit verschiedenen botanischen Themen, eine Orientierungskarte sowie Hinweise zur Erreichbarkeit der Orte.

Natürlich sieht man auf den Touren nicht jede beschriebe Pflanze, da nicht alle gleichzeitig blühen. Doch Schmidt empfiehlt bestimmte Jahreszeiten: Die Boberger Niederung und den Höltigbaum hat er im Hochsommer besucht, den Duvenstedter Brook und den Ohlsdorfer Friedhof im Frühsommer. „Jetzt, im April und Mai, bieten sich Erkundungen in Planten un Blomen und dem Stadtpark an“, sagt er. Das Buch, für das Buchhandlungen während der coronabedingten Schließung bereits unter dem Motto „Jetzt ins Grüne – was denn sonst?“ geworben haben, ist dort ab Montag erhältlich (und ab sofort auf abendblatt.de/shop). Für alle, die schon früher eine Botanik-Tour unternehmen möchten, hier zwei Vorschläge:

Mammutblatt und Taschentuchbaum

In Planten un Blomen haben Frühblüher wie Märzenbecher und Winterling die ersten Farbtupfer in den Park gebracht. Den Stephansplatz im Rücken, fällt der Blick als erstes auf eine prächtige Kastanie, deren Blütenstände bald zu voller Pracht erblühen werden. Entlang des Wallgrabens, an dessen Ufer das Mammutblatt aus Südamerika steht und eine alte Weide ihre Äste ins Wasser hängen lässt, geht es zu den Mittelmeerterrassen, deren sonnenerwärmten Mauern mit dem hellviolett blühenden Zimbelkraut geschmückt sind, dessen Blüten Wildbienen und andere Insekten anlocken.

Zu diesem, ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammenden „Neophyt“ erklärt Schmidt: „Während die Blühten zum Licht hin wachsen, verhält es sich mit den Früchten gerade umgekehrt: Nach der Bestäubung verlängert sich der Blütenstiel mit der reifenden Samenkapsel an der Spitze und wächst von Licht weg in die Mauerritze hinein. Dort finden die Samen optimale Keimbedingungen“.

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Da die Schaugewächshäuser derzeit geschlossen sind, fällt deren Besuch dieses Mal aus. Also geht es, vorbei an einer weiß blühenden Bitterorange - auch Pomeranze genannt – zum Japanischen Landschaftsgarten. Der sechs Meter hohe Taschentuchbaum wird bald mit seinen „Taschentüchern“ wedeln: sogenannten Hochblättern, die die kugeligen Blütenstände des Baums schützend umgeben und Insekten zur Bestäubung anlocken sollen. An der 1821 gepflanzten Lehmann-Platane und einem Schaukasten der gesamten Anlage vorbei erreicht man den Mittelpunkt des Gartens, das Teehaus.

Die Azaleen und die Glyzinie, auch Blauregen genannt, haben schon dicke Knospen. Früher, schreibt Schmidt, bauten die Japaner viele Flussbrücken aus zusammengeflochtenen Schlingtrieben der Glyzinie, auf die sie dann Holzbalken legten. Weiter geht es Richtung Rosengarten, an gepfropften Japanischen Kirschbäumen vorbei, mit Sicht auf eine mächtige Blutbuche, hinter der sich der Fernsehturm erhebt. Die Rosen, die hier im Sommer blühen, beschreibt Schmidt wie die Kräuter im Apothekergarten, die schon jetzt dort wachsen: Neben Rosmarin, Oregano und Salbei auch Liebstöckel, Johanniskraut und Melisse.

Gingko und Trompetenbaum im Stadtpark

Der Frühlingsspaziergang im Stadtpark beginnt am Modellboot-Teich nahe der U3-Station Saarlandstraße und führt entlang seiner Hauptachse von Ost nach West. Vor der Kulisse von Stadtparksee und Planetarium steht ein großer Gingko – eine aus Ostasien stammende Baumart, die seit 300 Millionen Jahren existiert. Auf dem Weg zu dem von Blutbuchen umstandenen Pinguinbrunnen zeigen sich die frischen grünen Blätter der Knoblauchrauke. Warum sie so heißt, weiß man, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt.

Weiter geht es Richtung Rosengarten, in dessen Nähe exotische Gehölze wie die Zaubernuss oder der Trompetenbaum wachsen, und dann den Rhododendronpfad entlang zu den naturnah gestalteten Ententeichen. Als einer der ersten Frühlingsblüher blüht hier die Kornelkirsche, die zwar einen Kern enthalten, aber sonst nichts mit einer Kirsche zu tun haben. Am Ufer zeigen sich die ersten Sumpfdotterblumen, später kommen die gelben Sumpf-Schwertlilien und die rosafarbenen Dolden des Wasserdosts hinzu. In westlicher Richtung, blüht auf einer feuchten Wiese unter Bäumen das Scharbockskraut. Scharbock bedeutet Skorbut, denn früher nahmen die Seefahrer die Pflanze oft mit auf ihre Fahrt, weil sie viel Vitamin C enthält (aber nur vor der Blüte gegessen werden darf). Auf dem Weg zum Sierichschen Gehölz blühen Buschwindröschen unter den Bäumen. Ein Baumlehrpfad Wissenswertes über die Baumarten. Thomas Schmidt liefert in seinem Buch die Geschichten dazu.

„Was grünt und blüht in Hamburg?“, „Was piept und fliegt in Hamburg?“ und „Was kreucht und fleucht in Hamburg?“ erhalten Sie zu je 16 Euro auf abendblatt.de/shop oder telefonisch unter der Nummer 040 / 333 66 999 (aktuell ab 25 Euro versandkostenfrei)

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