Hamburg

Coronavirus: Zahnarzt bleibt auf Quarantäne-Kosten sitzen

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Friederike Ulrich
Coronavirus in Hamburg: Zahnarzt Andreas Zander hat sich nach seinem Urlaub in einem Risikogebiet in häusliche Quarantäne begeben. Er dachte, er sei gegen einen solchen Verdienstausfall versichert (Symbolbild).

Coronavirus in Hamburg: Zahnarzt Andreas Zander hat sich nach seinem Urlaub in einem Risikogebiet in häusliche Quarantäne begeben. Er dachte, er sei gegen einen solchen Verdienstausfall versichert (Symbolbild).

Foto: picture alliance / dpa Themendienst / Christin Klose

Die Gesundheitsbehörde verweigert ihm ein Schreiben, das er für seine Versicherung benötigt – und verweist auf die Freiwilligkeit.

Hamburg. Andreas Zander hat sich vorschriftsmäßig verhalten. Nach der Rückkehr vom Skifahren in Tirol, das während seines Urlaubs zum Risikogebiet erklärt worden war, begab sich der Hamburger Zahnarzt sofort in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne. Erst, als nach zwei Wochen keine Coronasymptome aufgetreten waren, nahm der 60-Jährige die Tätigkeit in seiner Blankeneser Praxis wieder auf. Dass der Mediziner die Isolierung recht gelassen überstand, lag unter anderem daran, dass er gegen einen solchen Verdienstausfall versichert ist. Dachte er.

Denn für seine Praxisunterbrechungsversicherung benötigt er einen behördlichen Nachweis, dass die Quarantäne angeordnet wurde. Und diese Bescheinigung will das Gesundheitsamt Eimsbüttel dem Zahnarzt nicht geben. Es habe sich, so erfuhr Zander, ja um eine freiwillige Quarantäne gehandelt. Mittlerweile hat sich seine Gelassenheit in Zorn verwandelt, denn auch das Rechtsamt, an das die Sachbearbeiterin seinen Fall weitergeleitet hatte, lehnt sein Ersuchen ab.

RKI spricht von „angeordneter Quarantäne“

„Für Personen mit engstem Patientenkontakt wie bei uns Zahnärzten ist die Quarantäne-Aufforderung eine durchaus wichtige Anordnung, die man nicht leichtfertig in Freiwilligkeit uminterpretieren sollte“, so Zander. Schließlich wäre das Risiko mehrfacher Neuinfektionen deutlich erhöht, wenn er sich entschlossen hätte, nicht zu Hause zu bleiben. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Krankheit bei mir unbemerkt ausgebrochen wäre und ich Patienten angesteckt hätte.“

Tatsächlich schreibt das Robert Koch-Institut in einem Informationsblatt für Rückkehrer aus Risikogebieten auch ausdrücklich von „angeordneter Quarantäne“. Zander und seine Kollegen verstehen nicht, warum sich das Eimsbütteler Gesundheitsamt nicht daran gebunden fühlt. „Das kommt einer fahrlässigen Ignoranz wichtiger Regelungen zum Gesundheitsschutz gleich“, so der Zahnarzt. Zumal in Schleswig-Holstein ganz anders gehandelt wurde: Der Kreis Steinburg etwa hatte einer Kollegin von Zander, die symptomfrei aus demselben Risikogebiet zurückgekehrt war, das Ausüben ihrer Tätigkeit nach Paragraf 31 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) ausdrücklich untersagt.

Genau auf diesen Paragrafen bezieht sich auch das Eimsbütteler Rechtsamt, das die Korrespondenz mit Zander mittlerweile übernommen hat. Da in seinem Fall weder ein Berufsverbot nach Paragraf 31 IfSG noch ein Berufsverbot nach Paragraf 30 IfSG ausgesprochen worden sei, habe er keinen Anspruch auf Entschädigung gemäß Paragraf 56 IfSG. Dieser Paragraf, so Zander, regele aber den staatlichen Entschädigungsanspruch und habe nichts mit der Praxisunterbrechungsversicherung zu tun.

Gesundheitsbehörde: Keine Anordnung für Mediziner

Die Zahnärztekammer, an die sich Zander gewendet hat, teilt auf Abendblatt-Nachfrage mit, sie „bedauere“, wenn sich Zahnärzten durch ihre „verantwortungsvolle Entscheidung“ Nachteile ergäben. Die Entscheidung des Gesundheitsamtes wolle man jedoch nicht kommentieren. Auch die Frage, ob sich weitere Zahnärzte gemeldet hätten, die in derselben Lage wie Zander sind, wollte die Kammer nicht beantworten.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel können helfen – aber umgekehrt auch zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Die Gesundheitsbehörde verweist darauf, dass „unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts vom 11. März in Hamburg keine generelle Anordnung der Quarantäne für Personen getroffen wurde, die sich in Risikogebieten aufgehalten hatten“ – diese wäre „insbesondere in Bezug auf Ärzte, medizinisches und pflegerisches Personal ohne Vorliegen einer entsprechenden Erkrankung, eines Krankheits- oder eines Ansteckungsverdachtes nicht zielführend, da die medizinische und pflegerische Versorgung – insbesondere in der gegenwärtigen Situation – aufrechtzuerhalten“ sei. Auch gemäß der Allgemeinverfügung vom 11. März sei für diesen Personenkreis keine Quarantäne angeordnet worden, es sei denn, es habe der Verdacht einer Krankheit oder Ansteckung gegeben.

Nur, wenn Zanders Quarantäne landes- oder bundesrechtlich angeordnet gewesen wäre, würde die Gesundheitsämter eine entsprechende Bescheinigung ausstellen. Der Zahnarzt will sich jetzt auf die Richtlinien des Robert Koch-Instituts berufen. Und gegebenenfalls vor Gericht ziehen.

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