Corona-Krise

Briefe an geliebte Menschen in Seniorenheimen

| Lesedauer: 10 Minuten
Gerade in dieser belastenden Zeit ist es wichtig, mit den Menschen, die einem am Herzen liegen, in Kontakt zu bleiben (Symbolbild).

Gerade in dieser belastenden Zeit ist es wichtig, mit den Menschen, die einem am Herzen liegen, in Kontakt zu bleiben (Symbolbild).

Foto: picture alliance

Viele Senioren in Pflegeheimen leiden besonders unter dem Virus – denn niemand darf sie besuchen. Leser haben ihnen geschrieben.

Hamburg.  Gerade in einer unsicheren Zeit wie dieser möchte man seine Familie und Freunde sehen, mit ihnen sprechen und sie umarmen können. Doch man muss darauf verzichten, um sich gegenseitig zu schützen.

Das gilt ganz besonders für ältere Angehörige, die in Pflegeheimen leben und keinen Besuch bekommen dürfen. Umso wichtiger ist es, ihnen zu zeigen, dass man trotzdem für sie da ist und an sie denkt – durch einen Anruf oder einen Brief.

Viele Leser sind deshalb dem Aufruf des Abendblatts gefolgt und haben uns einen Brief an ihren geliebten Menschen im Seniorenheim geschickt, von denen wir hier eine erste Auswahl abdrucken. Zeilen, die berühren – und die Mut machen, dass wir diese schwierige Situation gemeinsam durchstehen.


An Ilse Schomburg
im Pflegeheim der Georg-Behrmann-Stiftung in Bergedorf:

Liebe Ilse! Nun können wir uns leider schon einige Wochen nicht mehr zum Kartenspielen oder für Theaterbesuche treffen. Wir wissen aber, dass Du im Pflegeheim gut betreut bist. Nach Deinem Einzug dort hast Du schnell Kontakte zu den anderen Bewohnern geknüpft. Ilse, Du bist jetzt 91 Jahre alt und strahlst so viel Lebensfreude aus, bist sehr kontaktfreudig und eine gute Gesprächspartnerin. Ein Zusammentreffen mit Dir erfüllt uns immer mit Freude. Und nun hast Du etwas Tolles für Deine Mitbewohner im Haus gemacht. Ihr sollt ja nach Möglichkeit Eure Zimmer nicht verlassen, da kann man sich schon einsam fühlen. Du hast Dich im leeren Speiseraum vor ein bereitgestelltes Mikrofon gesetzt und hast plattdeutsche Geschichten vorgelesen, und alle konnten Dich über Lautsprecher in ihren Zimmern hören. Bravo, Ilse, Du bist eine tolle Frau. Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen mit Dir. Liebe Grüße von Ingeborg und Günther


An Diana Rodmann
in der Alten- und Pflegepension Meyer in Henstedt-Ulzburg:

Liebe Oma TicTac, nun konnten wir uns schon so lange nicht sehen ... Wir hoffen, Dir geht es gut! Genießt Du auch das schöne Wetter? Hoffentlich können wir bald wieder zusammen spazieren gehen, Skippo oder Rommé spielen und zusammen Kaffee trinken. Bis dahin bleib gesund!!! Wir haben Dich lieb️. Anton, Paula, Moni, Gunnar, Jens, Magrit, Klaus Jürgen, Emi, Moritz, Michael und Ina


An Peter Holtmann
in der Seniorenresidenz Brügge und Schmidt in Rellingen:

Mein lieber großer Bruder. Es ist gerade die schwerste Zeit für uns alle. Kontaktverbot, was heißt das vor allem für Dich? Aus deiner großen Wohnung mit Garten bist Du nun für vier Wochen im Seniorenheim. Für Dich gefühlt wie ein Gefängnis. Vier Wände, ein Fenster und ein Balkon, den Du nicht benutzen darfst. Das Pflegepersonal ist Dir fremd, und es sind die einzigen Menschen, mit denen Du Kontakt hast. Wir alle wissen, für Dich ist es zurzeit die beste Lösung. Die Einsamkeit macht nicht nur mich traurig. Dein Handy ist die Verbindung zur Außenwelt. Durch Dein schlechtes Sehen findest du nicht immer den Knopf zum Kontakt.

Du bist vom ersten Tag meines Lebens an meiner Seite gewesen, hast mich beschützt und mir geholfen, wenn es nötig war. Könnte ich Dir heute doch aus Deiner Einsamkeit helfen. Ich selber bin alleine, aber nicht einsam. Du hast zwei tolle Söhne, die für Dich alles tun. Deine vier Schwestern können nur mit Dir telefonieren. Wir haben den Krieg überlebt und werden auch diese Zeit überstehen. In diesem Sinne: denke positiv. Deine große Schwester Ulle.


An Heiner Timmermann in der Seniorenresidenz Großenaspe:

Lieber Heiner, lieber Onkel Heiner! Jetzt hat Mutti extra die weite Reise angetreten, dass wir dich zusammen besuchen können in Großenaspe und Ostern feiern – das ging in der Form jetzt leider nicht. Aber wir konnten uns immer durch die Scheibe sehen und winken und hatten sehr leckere, schöne Sachen mitgebracht. Wir sehen uns ganz bald und drücken uns wieder fest – so richtig! Und bis dahin tun alle Engel um Dich herum das Beste für Dich. Du bist in so guten Händen! Danke dafür! Deine Schwester Christa und Nichte Anja


An die geliebte Mutter

Für meine Lieblingsheldin Mama. Am 6. Mai wirst Du 98 Jahre alt! Du hast schon so viel in Deinem langen schönen Leben erlebt, aber diese Situation ist sogar für Dich das erste Mal. Du erträgst alles mit Fassung und großer Geduld, weil Du daran glaubst, dass auch wieder bessere Zeiten kommen, wie Dir das Leben gezeigt hat. Wir haben uns drei Wochen nicht sehen können, aber in unseren Telefonaten, die wir zum Glück noch führen können, hilfst auch Du mir, mit Deiner Einstellung, Du hilfst mir, damit meine Sorgen um Dich kleiner werden. Deinen Geburtstag können wir hoffentlich zusammen feiern. Auf dem Weg zu Deinem Ziel, die 100 vollzumachen. Danke für Deine Stärke. Danke an das gesamte Pflegeheim, dem wir unser vollstes Vertrauen schenken, mit großem Respekt vor ihrer Arbeit. Distanz schafft auch Nähe. Deine Tochter C.


An Karl-Georg Seeger
im Margarethenhof in Bergstedt:

Lieber Schorsche, leider konnten wir nicht wie geplant Ostern gemeinsam feiern. Auch die üblichen Besuche fallen leider alle weg, doch bei unseren täglichen Telefonaten können wir uns austauschen. Wir denken immer an Dich und hoffen, dass wir uns bald wieder „live“ sehen können. Alles Liebe von Corinna und Ralf


An Bärbel Reher
im Seniorenheim Pflegen & Wohnen Farmsen:

Liebe Mutti, leider ist es Günter und mir (Mäuschen) wegen eines Virus, das weltweit ausgebrochen ist, nicht möglich, Dich zu besuchen. Das Heim ist verschlossen, und niemand der Angehörigen wird reingelassen, um alle Bewohner vor dem Virus zu schützen. Das öffentliche Leben für die Menschen ist überall auf der Erde extrem eingeschränkt, Flugzeuge stehen am Boden, kein Reiseverkehr, man kann nur etwas zu essen einkaufen, ansonsten bleiben alle zu Hause. Ob das Besuchsrecht zum 19. April wieder gelockert wird, ist noch fraglich, und eventuell könnte die Sperrung noch verlängert werden. Du sollst wissen, dass wir jeden Tag an Dich denken und mit dem Herzen immer ganz bei Dir sind. Günter vermisst Dich sehr. Ich habe Dich sehr lieb, und wir hoffen, dass sich die Situation ganz bald wieder normalisiert und wir Dich wieder besuchen können. Bis dahin bleib gesund, wir denken an Dich. Ich umarme Dich und Küsschen, Mäuschen

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An Klaus-Peter
im Haus Ilse in Norderstedt:

Mein lieber Klaus-Peter, seit 12. März darf ich Dich nicht besuchen – ich vermisse Dich und Deine lieben Pflegekräfte im Haus Ilse. Meinen 80. Geburtstag demnächst werde ich allein begehen müssen, spaziere dann auf den Hummelsbütteler Müllberg und schaue in Richtung Norderstedt – vielleicht spürst Du es. Küsschen von Deinen drei Kindern nebst Partnern und fünf Enkeln. Deine Heidi


An die Bewohner
der Pflegeeinrichtung Amarita in Hohenfelde:

Liebe Bewohner, erinnern Sie sich noch an Frau Schlenther, die das Haus vor einigen Monaten verlassen hat? Die in gesunden Zeiten die Andacht gemacht hat und mit Ihnen Bingo gespielt hat? Hier kommt sie noch einmal zu Ihnen. Obwohl ich schon lange woanders arbeite, liegt immer noch ein Stück meines Herzens in Ihrem Atrium vergraben, und so möchte ich in den schwierigen Zeiten einen Gruß an Sie schicken. Ich denke so oft an Sie alle und an meine Kollegen, die bei Ihnen sind. Halten Sie durch! Und dann feiern wir gemeinsam ein rauschendes Sommerfest. Ihre Eva Maria Schlenther

Informationen zum Coronavirus:


An Margot Hirsch
in der Seniorenresidenz Alsterpark in Alsterdorf:

Omi, wir vermissen Dich so sehr und denken ganz doll an Dich! Sobald es wieder möglich und erlaubt ist, kommen wir Dich wieder besuchen. Im Heim bist Du sicher, und alle passen auf Dich auf! Wir kommen da schon durch, und auch wir passen ganz doll auf uns auf! Ich bin in Gedanken immer bei Dir, vergiss das bitte nicht. In Liebe und bis bald, Deine Enkeltochter Alexandra (das Schweinerle) mit Jan und Deiner Tochter Brigitte

Möchten Sie ihre Angehörigen im Pflegeheim auch mit einem Brief im Abendblatt grüßen? Dann schreiben Sie an leserbriefe@abendblatt.de, Betreff „Brief an geliebte Menschen“.

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