Tipps für Mieter

Wegen Corona zu Hause – und wegen des Baugerüsts kein Licht

| Lesedauer: 4 Minuten
Daniel Herder
Eine Gebäudesanierung führt häufig zu höheren Mieten (Symbolbild).

Eine Gebäudesanierung führt häufig zu höheren Mieten (Symbolbild).

Foto: imago stock&people

Unter anderem an der Wrangelstraße haben jetzt Fassadenbauarbeiten begonnen, die die Bewohner zusätzlich belasten.

Hamburg. Schon die Vorstellung, wie es die nächsten Monate weiterlaufen könnte, lasse ihm einen Schauer über den Rücken laufen, sagt Tim D. (Name geändert). Der 39 Jahre alte Musikmanager ist wie Tausende anderer Hamburger auch durch die Coronakrise zur Arbeit im Homeoffice genötigt. Ausgerechnet jetzt ist sein Wohnhaus an der Wrangelstraße eingerüstet worden – und das auch noch ein paar Tage früher als zunächst angekündigt.

20 Wochen sollen die Sanierungsarbeiten an der Fassade des Altbaus dauern, rund 25 Haushalte seien davon betroffen. „In meine Wohnung kommt kaum noch Tageslicht rein, das grenzt an psychischer Folter“, sagt Tim D. Er halte sich an die drastischen Einschränkungen des Alltags in Zeiten der Krise. Rund sieben bis acht Stunden sitze er an seinem Schreibtisch, eine Stunde nutze er zum Spazierengehen.

Angst, auf unbegrenzte Zeit in Wohnung gefangen zu sein

Wann die Extremsituation endet, weiß zurzeit niemand. „Ich habe Angst, auf unbegrenzte Zeit in meiner Wohnung gefangen zu sein“, sagt Tim D. Er verstehe daher nicht, warum die Hausverwaltung den Bautermin nicht kurzfristig verschoben habe, „der besonderen Umstände wegen“.

Doch weder die Immobilienfirma noch das Bezirksamt oder seine Ansprechpartner in der Eimsbütteler Bezirkspolitik konnten Tim D. bisher helfen. „Von der Hausverwaltung hieß es nur, ich solle froh sein, dass die Bauarbeiter einen Job haben“, sagt er. Auf Abendblatt-Anfrage äußerte sich die Verwaltung nicht.

Bezirksamt kann Bauarbeiten nicht untersagen

In unmittelbarer Nachbarschaft seiner Zweizimmerwohnung sind weitere Häuser eingerüstet worden. Mit seinem Problem der unfreiwilligen Tageslichtdimmung dürften der 39-Jährige und seine Hausgemeinschaft kaum allein dastehen. Die Bauarbeiten untersagen – das kann aber auch das Bezirksamt Eimsbüttel nicht. „Eine solche Handhabe seitens des Bezirks gibt es nicht. Auch bietet die Allgemeinverfügung keine rechtliche Grundlage für die Untersagung von Bautätigkeiten“, sagt Bezirkssprecher Kay Becker.

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Noch etwas anderes treibt Tim D. um: dass er beim Lüften den erforderlichen Mindestabstand von 1,5 Metern zu den Bauarbeitern nicht einhalten kann und sich womöglich ansteckt. Becker: „Das Bezirksamt hat keinen Einfluss auf das Lüftungsverhalten von Bürgern, auch nicht in der Coronasituation. Inwiefern eine Lüftung über andere Räume möglich ist oder ob eine Spaltlüftung machbar ist und dabei auch raumseitig ein erforderlicher Abstand zum Fenster eingehalten werden kann, ist von jedem einzelnen Nutzer zu entscheiden.“

Beeinträchtigungen in einem Protokoll festhalten

Die gängigen Regelungen des Mietrechts gelten natürlich fort. „Abhängig vom Grad der Beeinträchtigung kann die Brutto-Warmmiete um fünf bis 20 Prozent gekürzt werden“, sagt Siegmund Chychla, Geschäftsführer des Mietervereins zu Hamburg. Jeweils zu fünf Prozent könnten beispielsweise eine unzumutbare Lärmbelästigung und die Einrüstung in Rechnung gestellt werden. „Die Miete sollte jetzt unter dem Vorbehalt der Minderung gezahlt werden“, sagt Chychla.

Er empfiehlt, die Beeinträchtigungen Monat für Monat in einem Protokoll festzuhalten. Mustertexte dafür und weitere Tipps und Ratschläge für Mieter seien auf der Homepage des Mietervereins zu finden – unter www.mieterverein-hamburg.de.

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