Coronakrise

Reemtsma spendet 300.000 Euro an Obdachlosenhilfe

Kai Greve (v.l., Alimaus), Michael Kaib (Reemtsma),  und Dirk Ahrens (Diakonie) wollen Obdachlosen helfen.

Kai Greve (v.l., Alimaus), Michael Kaib (Reemtsma), und Dirk Ahrens (Diakonie) wollen Obdachlosen helfen.

Foto: Elisabeth Jessen

Mit dem Geld sollen bis zu 250 wohnungslose Menschen in Hamburg für zunächst vier Wochen in Hotels untergebracht werden.

Hamburg. Obdachlose sind in der Coronakrise besonders schutzlos. Die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH unterstützt schon länger Einrichtungen der Hamburger Obdachlosenhilfe. Konkret stellt das Hamburger Traditionsunternehmen insgesamt 300.000 Euro zur Verfügung, um damit bis zu 250 wohnungslosen Menschen in Hamburg für zunächst rund vier Wochen eine sichere, hygienische und menschenwürdige Einzelunterbringung zu ermöglichen.

Das Geld geht zu gleichen Teilen an das integrative Obdachlosenhilfsprojekt Hinz&Kunzt sowie an die Alimaus, eine Tagesstätte für Obdachlose und bedürftige Menschen. Beide Einrichtungen organisieren gemeinsam mit ihrem Partner, der Diakonie Hamburg, die Unterbringung in mehreren Hotels, die bereits in der Vergangenheit mit der Hamburger Sozialbehörde kooperiert haben. Die ersten Obdachlosen haben bereits ihre Zimmer bezogen.

Die Hotels sind das Oase (St. Georg), der Bedpark (Stresemannstraße) und ab Donnerstag das Motel 21 (Hamm).

Das Engagement umfasst nach Angaben von Diakonie-Sprecher Steffen Becker auch die Möglichkeit, die Menschen regelmäßig mit Essen zu versorgen, Hygieneartikel und saubere Kleidung bereitzustellen sowie eine Betreuung durch Sozialarbeiter.

Reemtsma arbeitet mit Hinz&Kunzt und Alimaus zusammen

Laut der letzten Obdachlosenbefragung der Hamburger Sozialbehörde gelten rund 2000 Menschen in der Hansestadt als obdachlos, die Dunkelziffer ist unbekannt. Ihr ohnehin harter Alltag ist durch die Coronakrise und die notwendigen Schließungen oder Einschränkungen wichtiger Hilfsangebote im gesamten Stadtgebiet noch deutlich härter geworden.

„Soziale Distanz lautet das Gebot der Stunde. Wer kann, bleibt zuhause, um zu helfen. Doch nicht alle von uns können zuhause bleiben, weil sie ganz einfach kein Zuhause haben“, sagt Michael Kaib, Sprecher des Reemtsma-Vorstands. „Als Hamburger Traditionsunternehmen mit 110-jähriger Geschichte fühlen wir uns unserer Stadt zutiefst verbunden. Deshalb helfen wir gemeinsam mit Hinz&Kunzt und Alimaus jenen, die gerade jetzt ganz massiv betroffen sind und unsere volle Unterstützung brauchen.“

Obdachlose anfällig für Infektionen

Das Leben auf der Straße zehrt besonders in der kalten Jahreszeit am Gesundheitszustand vor allem älterer Obdachloser. Die Folge: Nicht wenige leiden bereits an Grunderkrankungen, die sie besonders anfällig machen für eine Infektion mit dem Coronavirus. Zudem sind unter den Obdachlosen überdurchschnittlich viele Raucher. Laut Robert-Koch-Institut gehören sie damit zur Risikogruppe für einen möglicherweise erschwerten Covid-19-Krankheitsverlauf.

Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter von Hinz&Kunzt sagt: „Dank der großen Spende haben wir endlich das Geld, das machen zu können, was wir von der Behörde gefordert haben: Menschen in Einzelzimmern in Hotels unterbringen. Denn die Obdachlosen brauchen dringend eine Unterbringung, bei der sie Abstand halten können. Im Winternotprogramm ist bisher die Einzelunterbringung kein Standard. Und die Menschen müssen jeden Tag für mehrere Stunden die Einrichtungen verlassen. Dabei besteht ebenfalls die Gefahr, dass sie sich anstecken und das Virus in die Sammelunterkünfte mitbringen. Wir befürchten, dass es sich dort wie in Altenheimen ungebremst verbreiten könnte.“

Weitere Initiativen und Hotels gesucht, die Obdachlosen helfen

Auch Kai Greve von der Alimaus ist dankbar für die Finanzhilfe von Reemtsma. Die Einrichtung gebe täglich zwischen 12 und 13.30 Uhr am Eingangsbereich Essen aus und versorge mit dem Kältebus Bedürftige mit kaltem und warmem Essen sowie Getränken in Altona, dem Schanzenviertel und St. Georg. „Daneben ist die nun mögliche Unterbringung das drängendste Versorgungsproblem für diejenigen, die keinen Rückzugsraum haben“, sagt Greve.

Dirk Ahrens, Landespastor und Leiter des Diakonischen Werks Hamburg, dankte Reemtsma, das das Kooperationsprojekt durch seine Unterstützung möglich macht. „Seit letztem Freitag koordinieren wir die Unterbringung und beinahe täglich gibt es neue Partner: Neben den Genannten sind jetzt auch die Caritas und die Hoffnungsorte Hamburg an Bord. Wir würden uns freuen, wenn weitere Organisationen und Initiativen hinzukommen würden“, sagte Ahrens. Besonders wichtig für den Erfolg seien natürlich alle Hotels, die mitmachen. „Sie alle gemeinsam schützen Menschen, die zu den verletzlichsten Gruppen unserer Gesellschaft gehören!“

Reemtsma engagiert sich nach eigenen Angaben schon lange für soziale Belange. In den 1920er-Jahren begann das mit der Fürsorge für die Reemtsma-Belegschaft und ihre Familien. Seit vielen Jahren unterstützt das Unternehmen regelmäßig gemeinnützig Einrichtungen in Hamburg. Reemtsma ist Teil der Imperial Brands PLC und zweitgrößtes Unternehmen im deutschen Tabakmarkt. Zum Markenportfolio gehören Marken wie JPS, Gauloises, Davidoff oder West.