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Coronavirus: Airbus fliegt Schutzmasken nach Hamburg

| Lesedauer: 25 Minuten
Airbus Hamburg auf Finkenwerder: Der Tower mit Blick auf das Rollfeld. Hier landete der A350-1000 mit den Schutzmasken gegen das Coronavirus aus China.

Airbus Hamburg auf Finkenwerder: Der Tower mit Blick auf das Rollfeld. Hier landete der A350-1000 mit den Schutzmasken gegen das Coronavirus aus China.

Foto: Michael Rauhe

Polizei-Reiterstaffel kontrolliert an der Alster. Neue Zahlen zu Infizierten in Hamburg. Top-Restaurants verkaufen Aktien.

Hamburg. Kontrollen an der Alster mit einer Reiterstaffel, AC/DC am Millerntor, ungewöhnliche Aktion von Hamburger Spitzen-Restaurants: An diesem Sonnabend zeigte sich die Corona-Krise in Norddeutschlands von einer, nun ja, beinahe sonnigen Seite – ohne die gesundheitlichen Gefahren und wirtschaftlichen Folgen kleinreden zu wollen.

Nach den neuesten Zahlen der Hamburger Gesundheitsbehörde ist bislang bei 2882 Menschen in der Stadt das Coronavirus nachgewiesen worden. Und es gibt gute Nachrichten: Binnen 24 Stunden ist kein Hamburger an einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Weiter gestiegen ist die Zahl der wieder gesunden Covid-19-Infizierten auf nunmehr etwa 1400, sodass die Gesundheitsbehörde von derzeit 1500 erkrankten Hamburgern ausgeht.

Wann eine Rückkehr zur Normalität wieder möglich ist, lässt sich noch nicht sagen. Innensenator Andy Grote (SPD) spricht jedoch darüber, wie die eine Rückkehr zum Alltag aussehen könnte. Unterdessen führte die Polizei in Hamburg und Schleswig-Holstein verstärkte Coronakontrollen durch.

Coronavirus: Der Newsblog des Hamburger Abendblattes

Airbus fliegt Masken aus China nach Hamburg

Über die „Airbus-Luftbrücke“ hat Airbus am Sonnabendabend Tausende von Schutzmasken aus China nach Hamburg geflogen. Wie der Flugzeugbauer mitteilte, sei der A350-1000, der am Freitag in Toulouse in Richtung Tianjin zum Testflug gestartet sei, am Sonnabendabend mit rund vier Millionen Gesichtsmasken an Bord in Hamburg gelandet. Ein Teil der Masken bleibe in Deutschland, der Rest werde nach Toulouse geflogen: zur weiteren Verteilung an Krankenhäuser und andere Einrichtungen im Gesundheitswesen in den Airbus-Heimatländern Spanien, Frankreich und Großbritannien.

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Jan Hofer zeigt sich mit Maske

Nun hat der Mundschutz auch die altehrwürdige Tagesschau erreicht: Chefsprecher Jan Hofer hat sich auf seinem Instagram-Account mit Maske gezeigt. "Es gibt viele Möglichkeiten, sich und andere zu schützen", schrieb der prominenteste Lokstedter auf Instagram. Wenn die Ohren so leicht abknicken, dann sei das irgendwie "Yodastyle", schrieb ein Kommentator dazu. Vielleicht ein Beitrag zu "Corona Wars".

Hamburger Restaurants legen "Aktie" auf

Mit einer spektakulären Idee haben erneut Hamburger Top-Gastronomen auf sich aufmerksam gemacht. Sie wollen eine „Gourmet-Aktie“ auflegen. Die Hanseatische Gourmetaktie wurde nach eigenen Angaben unter anderem von Sebastian Junge (Küchenchef und Inhaber von Wolfs Junge) und Maurizio Oster (Zeik) ins Leben gerufen. Zu beiden Restaurants kommen noch das Jellyfish und das Hobenköök hinzu.

Hier soll es möglich sein, bis zu einem Jahr nach Widdereröffnung durch die Aktie Rabatte und Specials zu erwerben. Diese Aktien kosten von 50 Euro (Gutschein plus ein Aperitif beim ersten Besuch nach Wiederbeginn) über 200, 300, 500, 2500 und 5000 Euro (30 Prozent Rabatt plus privater Grillabend). Mit diesen Anteilscheinen werden keine Beteiligungen an den Restaurants erworben. Allerdings sichern sich die Gastronomen so Einnahmen in der Schließungszeit.

Reiterstaffel kontrolliert an der Alster

In Hamburg kontrollierte am Sonnabend sogar eine Reiterstaffel der Polizei Spaziergänger und Jogger an der Alster. Wer auf einer Bank saß, wurde zum Weitergehen aufgefordert. Bis zum frühen Abend kam es offenbar zu keinen größeren Zwischenfällen. Es gab jedoch mehrere Verstöße gegen die Allgemeinverordnung, sagte ein Polizeisprecher am Abend. "Wir greifen jetzt rigoros durch. Es kann keiner mehr sagen, er hätte es nicht gewusst", so die Polizei.

Bei Kontrollen Hamburger Autos bei Tangstedt Richtung Schleswig-Holstein wurden nach Polizeiangaben 150 Wagen zurückgeschickt – Hamburger Ausflügler offenbar. Bei Wedel mussten 78 von 143 kontrollierten Autos umkehren. In Schleswig-Holstein sagte eine Polizeisprecherin zur Lage: „Die Menschen sind so etwas von entspannt.“ Schleswig-Holstein hatte ein Einreiseverbot für Touristen verhängt. An Nord- und Ostsee waren nur wenige Menschen unterwegs. „An den Küsten ist es sehr ruhig, vereinzelt gehen Menschen am Strand spazieren“, sagte die Sprecherin.

Polizei löst Demonstration auf

Die niedersächsische Polizei hat am Sonnabendmorgen in Lüchow, Hitzacker und Dannenberg vermeintlich dezentrale Demonstrationen für eine andere Flüchtlingspolitik ("Solidarität kennt keine Grenzen") aufgelöst. Dabei kam es nach Polizeiangaben vom Nachmittag in Lüchow zu 36 Ordnungswidrigkeits-Verfahren. Ein Demonstrant leistete Widerstand und muss sich nun in einem Strafverfahren verantworten. Die Allgemeinverfügung sei missachtet worden, so die Polizei. Auch die Versammlung von ein bis zwei Personen an unterschiedlichen Orten berge das Risiko, dass Bürger stehen bleiben und sich Gruppen bilden. Das widerspreche der Allgemeinverfügung.

Hells Bells am Millerntor

Der FC St. Pauli hätte an diesem Sonnabend gegen den 1. FC Heidenheim 1846 spielen sollen. Um die Fans bei Laune zu halten, hat der Verein trotzdem die Einlaufmusik „Hells Bells“ von AC/DC gespielt, mit einem virtuellen Rundgang durch das leere Stadion. „Eigentlich hätten wir jetzt gegen den @FCH1846 gespielt. Hells Bells gibt es heute trotzdem. Für Euch“, hieß es dazu auf dem Twitter-Account des Vereins.

Zahl der bestätigten Covid-19-Erkrankten steigt in Lüneburg auf 118

Der Landkreis Lüneburg hat am Sonnabend fünf weitere Coronavirus-Infektionen bestätigt. Damit steigt die zahl der Covid-19-Erkrankten in dem Landkreis auf 118. "Zwei erkrankte Menschen sind in stationärer Behandlung im Klinikum Lüneburg, davon muss keiner beatmet werden", sagt Urte Modlich, Sprecherin des Landkreises Lüneburg.

Ein Großteil der infizierten Menschen seien wieder gesund. Laut der Behörde sind 60 Menschen aus dem Landkreis Lüneburg, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, wieder geheilt.

Bislang wenige Verstöße gegen Corona-Auflagen in Hamburg

Nach der Einführung von Bußgeldern hat die Polizei in Hamburg bisher nur wenige Verstöße gegen die Corona-Auflagen festgestellt. „Noch ist es sehr ruhig“, sagt ein Polizeisprecher am Sonnabend. Auch am Freitagabend habe es nur vereinzelte Verstöße gegeben, weil sich Menschen in kleinen Grüppchen in Grünanlagen aufhielten oder Kinder trotz Verbots auf Spielplätzen spielten. „Zum Glück waren das nur einige wenige Vorfälle“, sagt der Sprecher. Ob auch Bußgelder verhängt wurden, wollte die Polizei am Sonnabend noch nicht mitteilen.

In Schleswig-Holstein spricht die Polizei ebenfalls von sehr wenigen Verstößen. „Die Lage ist ruhig. Die Bürger sind sehr besonnen und halten sich an die Hinweise“, sagt eine Polizeisprecherin. Die meisten Menschen befolgten die Regeln und blieben zuhause.

Einreiseverbot: Polizei achtet auf Autokennzeichen

Zur Überwachung der von Land und Kreis angeordneten Corona-Schutzmaßnahmen sind am Sonnabend in Nordfriesland die Zufahrtsstraßen nach St. Peter-Ording kontrolliert worden. Dabei ging es um das Einreiseverbot für Touristen, wie das Amt Eiderstedt mitteilte. Die gezielten Kontrollen an der Bundesstraße 202 und der Landesstraße 33 richteten sich insbesondere gegen Fahrzeuge mit Autokennzeichen von außerhalb Nordfrieslands. „Unsere eigenen Feststellungen und die Meldungen aus der Bevölkerung zeigen, dass trotz der momentan geltenden Beschränkungen St. Peter-Ording nach wie vor ein beliebtes Reiseziel für Gäste und Zweitwohnungsbesitzer darstellt“, sagte Amtssprecher Sven Jacobsen.

Die Beschränkungen gelten zum Schutz gegen Ansteckung und verbieten Reisen aus touristischem Zweck ebenso wie die Anreise zur Nutzung einer Zweitwohnung ohne Vorliegen eines Ausnahmetatbestandes.

In Nordfriesland ist inzwischen ein Mensch an den Corona-Folgen gestorben. Am Freitag zählte der Kreis 37 aktuell mit dem Coronavirus infizierte Menschen, davon 24 auf dem Festland und 13 auf den Inseln. Fünf der Infizierten wurden stationär in einer Klinik aufgenommen, hieß es.

2882 Corona-Fälle bislang in Hamburg nachgewiesen

204 Hamburger werden derzeit wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in einem Krankenhaus behandelt. 52 von ihnen sind besonders schwer erkrankt, sodass sie auf der Intensivstation liegen. Damit ist die Zahl der infizierten Hamburger, die im Krankhaus versorgt werden, innerhalb der vergangen 24 Stunden um neun Patienten gestiegen.

Am Freitagnachmittag meldete die Gesundheitsbehörde, dass 195 Hamburger in einer Klinik wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt werden müssen. 55 von ihnen wurden auf der Intensivstation versorgt.

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden ist kein Hamburger mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt die Zahl der Corona-Toten in der Stadt am Sonnabend weiterhin mit 16 an – das Hamburger Institut für Rechtsmedizin sieht aber bei nunmehr 14 Toten die Covid-19-Infektion als todesursächlich an – einem mehr als am Vortag.

Die unterschiedliche Zählweise erklärt Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks im Gespräch mit dem Abendblatt: "Wir haben die exakteren Zahlen. Wir lassen alle Verdachtsfälle in der Rechtsmedizin untersuchen und zählen nur die Menschen zu Coronaopfern, die nachweislich an der Virusinfektion gestorben sind."

Allgemein ist die Zahl der Hamburger, bei denen eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen werden konnte binnen 24 Stunden um 143 Fälle auf 2882 Erkrankte gestiegen. Am Freitag meldetet die Behörde einen Anstieg von 182 nachgewiesenen Neuinfektionen.

In einer früheren Versionen dieses Blogeintrags hieß es, dass die Zahl der infizierten Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, deutlich gesunken sei. Die Gesundheitsbehörde hatte einen Rechenfehler gemacht und die Zahlen in einer weiteren Mitteilung korrigiert.

Coronavirus: Interaktive Karte

Nachbarschaftshilfe – Hanseatic Help vernetzt Hamburger

Einkaufen oder mit dem Hund Gassi gehen – für viele Hamburg, für die eine Infektion mit dem Coronavirus lebensgefährlich werden könnte, wird der Weg vor die Haustür dieser Tage zum Risiko. Um diesen Menschen zu helfen, hat der Hamburger Verein Hanseatic Help nun eine Plattform im Internet geschaffen. Hilfesuchende und Helfer aus der Nachbarschaft werden auf der Seite www.gemeinsamesache.org zusammengebracht.

Die Idee der Initiatoren: Nachbarn übernehmen Besorgungen wie Einkäufe oder Botengänge für die, die gerade besser zuhause bleiben. Sowohl Freiwillige, wie Hilfesuchende können sich auf der Webseite registrieren und angeben, wobei sie Unterstützung benötigen beziehungsweise welche Hilfe sie anbieten können. Weil nicht jeder einen Internetzugang hat, will Hanseatic Help ab der kommenden Woche auch Flyer verteilen, auf denen eine Telefonnummer steht. Unter der Rufnummer 210/91 90 75 (montags bis freitags, 8 bis 18 Uhr) können sich Hilfesuchende melden.

Polizei beendet Coronaparty in Bremen

Zehn Frauen und Männer haben in einer Gaststätte im Bremer Stadtteil Blumenthal am Freitagabend gefeiert und damit gegen die Allgemeinverfügung verstoßen. Polizisten wurde auf die Feier, die hinter verschlossenen Türen stattfand, aufmerksam und klopften an der Tür zu der Kneipe. Doch statt die Tür zu öffnen, wurden umgehend die Musik und das Licht ausgeschasltet. Doch der Versuch, so einer Strafe zu entgehen, blieb ohne Erfolg.

Die Polizisten besorgten sich über die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeeschluss und drangen in die Kneipe ein. Dort trafen sie auf zehn Gäste, die offenbar gemeinsam Alkohol tranken. Alle Personen im Alter zwischen 26 und 53 Jahren erhielten Platzverweise und Strafanzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz. Ein Gast beleidigte einen Polizisten und muss zudem mit einem Strafverfahren wegen Beleidigung rechnen.

Im Karolinenviertel kommt das Essen per Abhol-Rutsche zum Kunden

In der Corona-Krise müssen gerade Gastronomiebetriebe kreativ werden, um unter Einhaltung der Abstandsregeln zumindest Abhol- und Lieferdienste anbieten zu können. Unerwartete Hilfe aus der Nachbarschaft hat dabei ein Ramen-Restaurant, also eines in dem es um japanische Nudeln geht, im Hamburger Karolinenviertel erhalten. Eine Nachbarin hat für das Lokal eine Rutsche gebaut.

„Wir haben nach Beginn der Maßnahmen direkt auf Abhol- und Liefergeschäft umgestellt“, sagt Inhaber Florian Ridder. „Doch besonders im Eingangsbereich war es für wartende und neue Kunden schwer, genügend Abstand zu halten.“ Eine befreundete Nachbarin sei dann auf die Idee gekommen eine Ramen-Rutsche zu bauen, die man an der Treppe zur kleinen Terrasse vor dem Restaurant anbringen kann.

„Seit Donnerstag können die Kunden dank der Rutsche nun vor dem Laden auf dem Gehweg warten und bei der Übergabe der fertigen Gerichte fällt direkter Kontakt nun ganz weg“, sagt Florian Ridder. Für ihn ist die Rutsche vor allem ein Zeichen dafür, dass es mit etwas Kreativität und Einfallsreichtum auch in der aktuellen Situation weitergehen kann.

Umziehen ist out – Maklern droht Kurzarbeit

Die Coronakrise hinterlässt auch in der Immobilienbranche ihre Spuren. Es werden deutlich weniger Abschlüsse gemacht, das wirkt sich negativ auf das Geschäft der Makler aus. Auch bei einem der größten Immobiliendienstleister in Hamburg: In den nächsten zwei Wochen soll entschieden werden, ob Grossmann & Berger für einen großen Teil der rund 190 Angestellten Kurzarbeit anmeldet. „Wir prüfen derzeit alle Möglichkeiten zur Stützung des Unternehmens“, bestätigte Lars Seidel, kaufmännischer Geschäftsführer und zuständig für Wohnimmobilien, im Abendblatt-Gespräch.

Fakt ist: Die 13 eigenen Immobilienshops in Hamburg, dem Umland und auf der Insel Sylt wurden im Zuge der Coronakrise geschlossen. Die aktuelle Nachfrage nach Miet- und Eigentumswohnungen sowie Einfamilienhäusern sei in den vergangenen Wochen um die Hälfte zurückgegangen. „Es ist nicht die Zeit, in der die Menschen nach einer neuen Wohnung suchen. Denn für viele stellt sich natürlich die Frage, wie es nun finanziell weitergeht. Und da wird dann der Wohnungskauf oder Umzug zunächst einmal auf Eis gelegt“, so Seidel.

Hamburger Fahrschulen bis zum 30. April geschlossen

Die Situation der Fahrschulen in Hamburg ist in der Coronakrise eine besonders brisante. Seit dem 25. März sind alle 170 Betriebe mit geschätzt rund 400 Fahrlehrern geschlossen. Es finden weder praktische Fahrstunden noch Theorieunterricht statt. Ein Betriebsverbot wurde ausgesprochen. Bis mindestens 30. April sind die Fahrschulen dicht.

Ein Problem, das Fahrten in der Praxis unmöglich macht: In einem Auto kann es keinen Abstand von zwei Metern zwischen Schüler und Lehrer geben. „Der Fahrlehrer muss ja im Notfall ins Lenkrad greifen“, sagt die Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Hamburg, Sabine Darjus, dem Abendblatt. Deshalb wäre auch eine Plexiglasscheibe zwischen Fahrer- und Beifahrersitz, wie sie an den Kassen im Einzelhandel zum Einsatz kommt, keine Lösung.

Sabine Darjus spricht von einer „sehr, sehr schwierigen Situation“ für die Unternehmen. Viele Beschäftigte seien nun in Kurzarbeit, die meisten selbstständigen Fahrlehrer könnten von diesem Instrument in der Krise allerdings keinen Gebrauch machen, müssten selbst sehen, wie sie finanziell über die Runden kommen.

In Hamburg haben viele Fahrschulen Soforthilfen von Bund und Stadt beantragt. „Ich habe aber noch von keiner Fahrschule gehört, die das Geld bereits auf dem Konto hat“, sagt Sabine Darjus. Dabei würden liquide Mittel in vielen Fällen dringend benötigt, um Kosten wie die Ladenmiete weiter bezahlen zu können.

1568 Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein - 17 Tote

Die Zahl der in Schleswig-Holstein bestätigten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist auf 1568 gestiegen. Damit wurden bis Freitagabend 120 Fälle mehr erfasst als am Vortag, teilte die Landesregierung am Sonnabend mit. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich von 15 auf 17.

218 Menschen sind oder waren demnach seit Beginn der Epidemie in klinischer Behandlung und damit 18 mehr im Vergleich zum Vortag. Aktuell werden 153 Corona-Patienten in Kliniken behandelt, das sind acht mehr als am Vortag.

Innensenator Grote bei "Dulsberg Late Night" über Rückkehr zum Alltag

Weil seine Schüler nicht zu ihm in die Schule kommen können, kommt der Leiter der Stadtteilschule Alter Teichweg in Dulsberg, Björn Lengwenus, eben via Internet zu ihnen nach Hause. Jeden Tag zeichnet Lengwenus eine Late-Night-Show für seine Schüler in der zum Fernsehstudio umgebauten Aula auf. Sein erster Studiogast (natürlich mit ausreichend Abstand) war am Freitag Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD).

Grote bei Dulsberg Late Night

"Jetzt werden auch Verhaltensweisen bestraft, die eigentlich völlig normal sind", sagte Grote in der Sendung mit dem Thema "Ausnahmezustand" und spricht dabei unter anderem von der Schließung der Spielspielplätze. "Das ist natürlich ein trauriges Bild", so der Innensenator, betont an dieser Stelle aber auch, dass mich dieser sowie anderen Maßnahmen eine Ausgangssperre verhindert werden konnte. "Wir können noch mit unseren Kindern raus und spazieren."

Damit sich daran auch nichts ändere, müssten sich die Hamburger weiter zusammenreißen, auch wenn das Wetter jetzt besser wird. "Ich weiß, wie verdammt anstrengend das ist", sagt Grote. Doch ab wann und wie könnten die Einschränkungen in der Stadt wieder gelockert werden, will Moderator und Schulleiter Björn Lengwenus wissen. Auf das Wann kann Andy Grote noch keine keine Antwort geben – allerdings gibt es bereits Pläne, wie eine Rückkehr zum Alltag aussehen könnte.

Diese könnte stufenweise erfolgen. "Wir müssen gucken, wo drückt es am meisten", so Grote und spricht davon, dass wohl Schulen und Kitas zuerst wieder öffnen werden. Und was möchte Andy Grote als erstes machen, sobald die Krise überwunden ist? "Ich will mit meiner Familie nach Kolumbien fliegen, wo die Familie meiner Frau lebt."

Bestatter fordern Schutzkleidung und Systemrelevanz

Hamburger Bestatter fürchten, im Falle einer Verschärfung der Corona-Pandemie nicht ausreichend mit Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln versorgt zu sein. „Wir haben jetzt vermehrt Klagen gehört, dass es zeitlich knapp ist, dass die Bestände immer kleiner werden und es einfach derzeit nicht ausreichend auf dem Markt gibt“, sagte Uwe Kaltenbach, Geschäftsführer der Bestatter-Innung Hamburg. „Wir wollen jetzt auch keine Panik machen, denn die Bemühungen sind ja da. Aber der Markt ist derzeit eben leer und die Lage verschärft sich allmählich.“ Kaltenbach forderte deshalb, dass die Bestatter – natürlich neben den Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen – bevorzugt ausgestattet werden müssten.

Die Bestatter würden zudem derzeit mit den Hamburger Behörden im Gespräch sein, damit ihre Branche als systemrelevant eingestuft wird. Das sei wichtig, damit beispielsweise die Kinderbetreuung für Mitarbeiter im Bestattungswesen sichergestellt werden kann. „Die Bestatter müssen zudem in der Lage sein, die Toten mit ihren Autos zeitnah aus der Wohnung oder dem Heim abholen zu können. Die Bewegungsfreiheit muss gewährt sein, wenn die Ausgangsregeln noch weiter verschärft werden.“ Gerade bei Erdbestattungen müssten die Toten zeitnah beigesetzt werden.

Polizei im Norden kündigt fürs Wochenende verstärkt Coronakontrollen an

Nach der Einführung von Bußgeldkatalogen für Verstöße gegen Corona-Auflagen in Schleswig-Holstein und Hamburg will die Polizei am Wochenende landesweit verstärkt kontrollieren. An den Übergängen zu den Inseln und in Naherholungsgebieten wie der Elbmarsch am Hamburger Rand oder an den Stränden von Nord- und Ostsee müssten Bürger mit Kontrollen rechnen, kündigte eine Polizeisprecherin an. Es werde mehr Streifen geben.

Wegen der Pandemie herrscht vorerst bis 19. April ein Einreiseverbot nach Schleswig-Holstein für Touristen, Tagesausflügler und Zweitwohnungsbesitzer. Dies gilt zudem für Einreisen zu Freizeit- oder Fortbildungszwecken oder aufschiebbare Maßnahmen der medizinischen Versorgung, Vorsorge oder Rehabilitation. Am Freitag beschloss das Landeskabinett in Kiel den Bußgeldkatalog. Einreise-Verstöße kann die Polizei mit 150 bis 500 Euro ahnden. Wer sich im öffentlichen Raum aufhält mit mehr als einer nicht im Haushalt lebenden Personen muss zum Beispiel 150 Euro bezahlen.

Coronavirus: Erste Hamburger wegen Verstößen festgesetzt

Ähnliche Regelungen gelten in Hamburg. Dort sieht der neue Bußgeldkatalog bei Verstößen Strafen von 150 bis zu 5000 Euro vor. Wiederholungsfälle können sogar mit bis zu 25.000 Euro geahndet werden. „Wir können zudem Platzverweise und Aufenthaltsverbote aussprechen oder Menschen im Sinne der Gefahrenabwehr sogar in Gewahrsam nehmen“, sagte Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer der Zeitung „Die Welt“.

Informationen zum Coronavirus:

Nord-SPD fordert mehr Geld für Pflegekräfte

Die Pflegekräfte müssen nach Auffassung der SPD im Kieler Landtag grundsätzlich besser bezahlt werden. Die angestrebten Bonuszahlungen reichten nicht aus, sagte Fraktionsvize Birte Pauls. Es sei notwendig, den Pflegemindestlohn anzuheben und tarifliche Lohnsteigerungen zu erreichen. Dafür müsse sich die Landesregierung stark machen. Die SPD hat dazu einen Antrag eingebracht, über den der Landtag in seiner Mai-Sitzung beraten soll. „Eine flächendeckende Tarifbindung und gute Tariflöhne sind der beste Weg, um das Lohnniveau dieser Berufsgruppe zu verbessern“, sagte Pauls, die gelernte Krankenschwester ist.

„Wenn uns die Corona-Pandemie schon heute etwas klar zeigt, dann dass die Pflege einer der am härtesten betroffene Bereich vom Ausbruch der Infektionskrankheit ist“, sagte Pauls. „Viel zu lange ist der Bereich personell ausgedünnt worden.“ Die Beschäftigten in der Pflege leisteten mit hohem persönlichem Einsatz Beachtliches­ und das nicht nur während der Corona-Krise.

Die SPD will bei der Bezahlung der Pflegekräfte nicht stehenbleiben. „Wir wollen eine Diskussion darüber, wie viel uns die Pflege aber auch die anderen Berufe, die gerade jetzt zeigen, dass wir ohne sie nicht können, wirklich wert sind“, sagte Pauls. Das sei eine Frage der Gerechtigkeit. Außerdem sei dringend eine Debatte darüber erforderlich, wie viel Ökonomisierung dem Gesundheitswesen noch gut tut. „Diese Zeit zeigt, dass man eben doch nicht alles dem freien Markt überlassen darf.“

Hotels rechneten zu Ostern mit rund zwei Millionen Übernachtungen

Das Verbot von Urlaubsreisen in der Corona-Krise trifft die Tourismuswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern besonders zu Ostern hart. „Die Ausgangslage war eigentlich gut. Über die Osterfeiertage wäre mindestens eine Viertelmillion Gäste gekommen“, sagte Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, der Deutschen Presse-Agentur. „Insgesamt hätten die Osterferien sicher zwei Millionen Übernachtungen gebracht.“ Die touristischen Unternehmen seien weiter dabei, einen Überlebensmodus zu finden. Dehoga-Präsident Lars Schwarz kennt eigenen Angaben zufolge kein Unternehmen in der Branche, dass Kurzarbeit für sich ausschließen könne.

Die Landesregierung hatte am Donnerstag die Reisebeschränkungen zu Ostern auch für Einheimische verschärft. Bei Verstößen gegen Reise-, Kontakt- und Öffnungsbeschränkungen drohen Bußgelder bis zu 5000 Euro.

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( dob/ryb/dpa )

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