Pandemie-Folgen für Familien

Grünen-Chefin schlägt „Corona-Elterngeld“ vor

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Andreas Dey
Anna Gallina, Landesvorsitzende der Grünen.

Anna Gallina, Landesvorsitzende der Grünen.

Foto: Roland Magunia

Anna Gallina will vor allem Alleinerziehenden und Eltern mit mehreren Kindern helfen – auch die Wirtschaft soll profitieren.

Hamburg. Die Coronapandemie stellt gerade Familien mit Kindern vor besondere Herausforderungen. In der Krise arbeitslos oder in Kurzarbeit geschickt zu werden oder aus dem Homeoffice arbeiten zu müssen, kann für sich genommen schon belastend sein. Wenn dann aber auch noch ein, zwei oder drei kleine Kinder im Haushalt herumspringen, die gerade weder in die Kita noch in die Schule noch auf den Spielplatz noch zum Sport gehen dürfen und daher unausgelastet und quengelig sind, dann sind Familien und erst recht Alleinerziehende schnell überfordert.

Um ihnen zu helfen, schlägt Anna Gallina, Landesvorsitzende der Grünen und als Bürgerschaftsabgeordnete Sprecherin für Jugend und Familien, die Einführung eines „Corona-Elterngeldes“ vor, das es ermöglicht, eine krisenbedingte Auszeit zu nehmen. Die Idee hat sie mit dem Grünen-Wirtschaftspolitiker Dominik Lorenzen entwickelt.

Zerrissenheit zwischen Job und Familie sei groß

„Unsere Familien werden durch die Coronapandemie und den weitgehenden Lockdown in eine ähnliche Situation versetzt wie bei der Geburt eines Kindes“, sagt Gallina. „Eltern müssten jetzt verstärkt für ihre Kinder da sein, sie betreuen und beschulen. Trotzdem ,nebenbei‘ zu arbeiten, ist in vielen Fällen schlicht nicht möglich. Die Zerrissenheit zwischen Job und Familie ist groß.“

Das Corona-Elterngeld soll von denen beantragt werden können, die nicht in einem „systemrelevanten“ Bereich, also etwa im Gesundheitswesen, tätig sind, und in deren Haushalt Kinder leben, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Wer zugunsten der Familie ganz oder teilweise auf Arbeitszeit verzichtet, soll 67 Prozent des entfallenden Nettoeinkommens erhalten – maximal 1800 Euro für bis zu drei Monate.

Auch Eltern ohne Einkommen sollen das Elterngeld beantragen können

Wenn beide Eltern die Arbeitszeit reduzieren, um sich die Corona-Elternzeit zu teilen, soll es sich auf 75 Prozent des Einkommens erhöhen. Alleinerziehende sollen ebenfalls 75 Prozent erhalten. Auch Eltern ohne Einkommen sollen das Elterngeld beantragen können, da die Arbeitssuche oder -aufnahme derzeitig nahezu unmöglich ist. Auch einen „Geschwisterbonus“ schlagen Gallina und Lorenzen vor: Leben mehrere Kinder im Haushalt, soll das Elterngeld um zehn Prozent pro Kind (ab dem zweiten Kind) steigen, jedoch um mindestens 75 Euro pro Monat. Dabei soll die Leistung insgesamt auf 100 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens und maximal 2300 Euro begrenzt sein.

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Ihr sei bewusst, dass es bereits einige Leistungen für krisengebeutelte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gebe, sagt Gallina. Aber mit diesem Vorschlag trage man der besonderen Situation von Familien, Alleinerziehenden und Eltern mit mehreren Kindern Rechnung: „Denn je mehr Kinder ein Elternteil zu betreuen hat, umso geringer sind die Chancen, parallel zu Beschulung und Betreuung der Kinder aus dem Homeoffice zu arbeiten, was sich wiederum negativ auf die Bildungsgerechtigkeit in Deutschland auswirkt. Außerdem setzen wir mit dem Vorschlag auch in der Krise einen Anreiz, sich die Betreuung und Beschulung der Kinder partnerschaftlich zu teilen.“

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Der Vorschlag habe zudem den großen Vorteil, dass ein bewährtes Instrument genutzt werde und die entsprechende Infrastruktur zur Beantragung und Gewährung bereits vorhanden sei. Lorenzen betont, dass das Corona-Elterngeld auch Firmen entlasten könne und trotzdem den Zugriff auf qualifizierte Mitarbeiterinnen ermögliche. „Wenn einige Mitarbeiter in Elternzeit gingen, ließe sich die verbliebene Arbeit besser verteilen, und die Unternehmen müssten weniger Kurzarbeit beantragen“, sagt der Bürgerschaftsabgeordnete. „So schaffen wir einen solidarischen Ausgleich, der allen hilft: Eltern, Kindern, Mitarbeitern und Unternehmen.“

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