Wegen Coronakrise

Verschoben: Abitur in Hamburg startet am 21.  April

| Lesedauer: 5 Minuten
Insa Gall und Peter Ulrich Meyer

Abi-Prüfungen in Hamburg werden verschoben

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Schüler erhalten längere Vorbereitungszeit für Prüfungen und weitere Nachschreibetermine – keine Zweitkorrekturen.

Hamburg.  Der Start des schriftlichen Abiturs soll in Hamburg wegen der besonderen Lage durch die Coronapandemie um fünf Tage verschoben werden. Das hat Schulsenator Ties Rabe (SPD) in der Landespressekonferenz angekündigt. Die regulären Abi-Klausuren werden demnach wie in Schleswig-Holstein in der Zeit vom 21. April bis zum 6. Mai geschrieben. Ursprünglich war der Start am 16. April vorgesehen. Wegen der Pandemie sind die Schulen nach jetzigem Stand bis zum 20. April geschlossen.

Um den rund 9000 Schülerinnen und Schülern mehr Zeit zur Vorbereitung auf die Abi-Prüfungen zu geben, beginnt zudem die unterrichtsfreie Zeit schon in dieser Woche und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, erst am 6. April. „Wir stellen den Schülern insgesamt mit knapp 20 Tagen fast doppelt so viel Zeit zur Vorbereitung zur Verfügung, als es normalerweise üblich ist“, sagte Rabe. Die Lehrer sollen bereits in der laufenden Woche „telefonisch oder auf anderem Wege“ Kontakt mit den Abiturienten aufnehmen und die Prüfungen besprechen.

Mit Blick auf Schülerinnen und Schüler, die krankheitsbedingt oder aufgrund besonderer Umstände nicht an den Hauptprüfungen teilnehmen können, sollen dreimal so viele Nachschreibetermine angeboten werden. Anstelle der bislang fünf wird es elf zusätzliche Termine im Mai und noch einmal fünf im Juni geben. „Damit können wir sicherstellen, dass alle Schüler auch unter den besonderen Rahmenbedingungen des diesjährigen Abiturs ihre Prüfungen ordentlich absolvieren können“, sagte der Schulsenator.

Für die Abiturprüfungen gelten aufwendige Schutzmaßnahmen

Die Lehrerinnen und Lehrer sollen dadurch deutlich entlastet werden, dass die Zweitkorrekturen der rund 27.000 Abi-Klausuren nur im Ausnahmefall stattfinden. „Die Korrektur einer Abiturklausur dauert im Durchschnitt zwei Stunden. Es geht hier also um 54.000 Arbeitsstunden. Das ist schon eine erhebliche Arbeitsentlastung und soll ein Ausgleich für die Mehrbelastung an anderer Stelle sein“, sagte Rabe. Um die vielen Prüfungen besser organisieren zu können, dürfen Schulen an bis zu drei Tagen den Unterricht für alle anderen Schüler ausfallen lassen.

Für die Prüfungen selbst gelten aufwendige Schutzmaßnahmen. So soll der Abstand zwischen den Arbeitsplätzen der Schüler zwei Meter betragen. Nicht mehr als zehn Schüler sollen in einem Klassenraum sitzen. Vor Beginn werden alle Räume einschließlich der WC-Anlagen intensiv gereinigt. Die Schulbehörde ordert bereits Desinfektionsmittel in größerem Umfang, die in den Klassen bereitgestellt werden sollen. Die Prüfungen eines Tages beginnen jeweils um 15 Minuten zeitlich versetzt, damit sich die Schüler beim Ankommen und Weggehen nicht begegnen.

Rabe ging auch auf die Kritik ein, dass Schüler in der Vorbereitung auf das Abitur benachteiligt sein könnten, die zu Hause schlechte Arbeitsbedingungen und wenig familiäre Unterstützung haben. „Wir prüfen zurzeit, ob wir einzelnen Schülern unter Einhaltung des Infektionsschutzes die Möglichkeit anbieten können, sich in einem Klassenraum der Schule vorzubereiten“, sagte Rabe. Er rechne aber nicht damit, dass „Hunderte von Schülern“ ein solches Angebot annehmen würden.

Absage der schriftlichen Abiturprüfungen kommt für den Senat nicht infrage

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ließ die Frage offen, ob die Schulen über den 20. April hinaus geschlossen bleiben. „Wir sollten uns bis Ostern Zeit nehmen, bevor wir darüber entscheiden, und die Entwicklung bis dahin weiter beobachten“, sagte Tschentscher.

Eine Absage der schriftlichen Abiturprüfungen kommt für den Senat nach derzeitigem Stand nicht infrage. „Wir sind der Auffassung, dass man das organisieren kann, auch wenn der reguläre Schulbetrieb zu dem Zeitpunkt noch nicht wiederaufgenommen sein sollte“, sagte Tschentscher. „Die Schüler sollen in diesen schwierigen Zeiten nicht noch ein zusätzliches Problem bekommen, weil ihr Abiturzeugnis ohne schriftliche Prüfungen unter Umständen in anderen Bundesländern oder im Ausland nicht anerkannt werden könnte. Ich bin überzeugt: Wir handeln sehr im Interesse der jungen Leute“, so der Erste Bürgermeister.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Das sei auch „eine Gerechtigkeitsfrage“, im Hinblick beispielsweise auf vorherige und spätere Schülerjahrgänge, sagte Rabe. „Das Ergebnis der schriftlichen Prüfungen macht ein Drittel der Gesamt-Abiturnote aus – es wäre also nicht unerheblich, wenn dieser bedeutende Teil fehlte“, so der Senator.

Rabe wies darauf hin, dass es bei den Prüfungen zum ersten und mittleren Schulabschluss (Haupt- und Realschulabschluss) sowie den Berufsschulprüfungen keine Veränderungen geben werde. „Über die Termine entscheiden die Schulen selbst. Hier gibt es keine zentralen Vorgaben wie beim Abitur“, sagte der Schulsenator.

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