Pandemie

Zahl der Coronatoten steigt in Hamburg auf sechs

Altenpflegerin Joy Glandt beim Besuch einer Patientin.

Altenpflegerin Joy Glandt beim Besuch einer Patientin.

Foto: Christian Charisius / dpa

Stadt meldet zwei weitere Opfer des Virus, Polizei geht gegen Jugendliche vor. Weniger neue Infektionen – ist die Trendwende geschafft?

Hamburg. Die Zahl der bekannten Coronainfektionen ist in Hamburg auch am Montag deutlich angestiegen. Die Gesundheitsbehörde meldete 136 neue Fälle. Insgesamt sind jetzt 2214 Hamburgerinnen und Hamburger positiv auf das neue Coronavirus getestet worden. Der Anstieg der Gesamtzahl der Infizierten im Vergleich zum Vortag lag am Montag mit 6,5 Prozent allerdings auf dem bisher niedrigsten Stand. Am Sonntag war die Zahl um 7,4 Prozent gewachsen, am Sonnabend um zehn, am Freitag um neun Prozent.

In den Wochen zuvor hatte der Anstieg stets im zweistelligen Bereich gelegen, Mitte März zum Teil bei mehr als 50 Prozent – allerdings bei deutlich niedrigeren absoluten Zahlen. Ob sich nun eine echte Trendwende andeutet, müssen die kommenden Tage zeigen. Zuletzt hatte es häufiger verspätete Meldungen gegeben, sodass zunächst positiv erscheinende Zahlen nachträglich korrigiert werden mussten.

Leider gab es am Montag aber auch schlechte Nachrichten aus der Gesundheitsbehörde: Zwei Männer im Alter von 63 und 66 Jahren sind an der durch das neue Coronavirus ausgelösten Erkrankung Covid-19 in Hamburg verstorben. Damit sind in der Hansestadt nun bereits sechs Menschen an der neuartigen Virusinfektion gestorben. Über die Hintergründe der beiden neuen Todesfälle machte die Behörde keine Angaben.

Coronavirus: Die meisten Hamburger Fälle gibt es in Wandsbek

Nach wie vor gibt es in Hamburg weder eine Gesamtzahl der bisher in der Stadt durchgeführten Coronatestungen noch der bereits wieder gesundeten Infizierten. „Zahlen zu wieder genesenen Covid-19-Patienten werden statistisch nicht erfasst“, sagte Gesundheitsbehördensprecher Dennis Krämer. „Grund dafür ist, dass es nach dem Infektionsschutzgesetz keine Meldepflicht zur Genesung Erkrankter von ansonsten meldepflichtigen Erkrankungen gibt.“ Dennoch werde Hamburg durch „Modulation von gesetzlichen Daten und Ergebnissen von Erhebungen ein Mengenbild generieren“. Dieses solle „zeitnah“ erstellt und veröffentlicht werden.

Im Bundesländervergleich wies Hamburg auch nach Zahlen des vergangenen Wochenendes weiterhin die höchste Zahl der Infektionen je 100.000 Einwohner auf, nämlich 112. Es folgen Bayern mit 107 und Baden-Württemberg mit 99 Fällen pro 100.000 Einwohner. So führt es das 14-seitige „Lagebild Corona“ vom Montag auf, das der Krisenstab der Innenbehörde erstellt und das dem Abendblatt vorliegt. Im Vergleich der Großstädte ist München mit 155 Infizierten pro 100.000 Einwohnern am stärksten belastet. Hamburg liegt auf Platz zwei, es folgen Stuttgart (108) und Köln (70 Infizierte pro 100.000 Einwohner).

Coronavirus – Die Fotos zur Krise:

Die meisten Hamburger Fälle gab es mit Stand vom Wochenende weiter im Bezirk Wandsbek mit 402 Fällen, gefolgt von Nord (367), Eimsbüttel (340) und Altona (328). In diesem Zusammenhang forderte der Sozialverband Deutschland SoVD mehr Transparenz. „Dort, wo sich viele Menschen angesteckt haben, sei es durch Skiurlaub oder über andere Wege, würde ich mir besondere Schutzmaßnahmen wünschen“, sagte SoVD-Sprecherin Susanne Rahlf. „Ich denke beispielsweise an die Wochenmärkte. Hier kommen viele Menschen zusammen, hier ist das Ansteckungspotenzial besonders hoch. Hierfür müssten stärkere Schutzmaßnahmen getroffen werden.“ Sie wünsche sich „mehr konkrete Informationen durch die Bezirksämter, wie die Lage aktuell bei mir vor der Tür, in der direkten Nachbarschaft, aber auch im Stadtteil ist und was im Einzelnen unternommen wird“, so die SoVD-Sprecherin.

Coronavirus in Hamburg: Frage nach Einrichtung von Testzentren ist völlig offen

Die Polizei musste laut „Lagebild“ von Sonnabendfrüh bis Sonntagfrüh „an 76 Örtlichkeiten in Verbindung mit Verstößen“ gegen die Allgemeinverfügung einschreiten. Dabei wurden „Verstöße durch 73 Personen festgestellt, 276 Personen angetroffen, 257 Identitäten festgestellt, 180 Strafanzeigen nach Infektionsschutzgesetz und fünf sonstige Strafanzeigen gefertigt sowie 114 Platzverweise erteilt“. In 14 Fällen sei man „gegen Gruppen junger Menschen (drei bis elf Personen)“ eingeschritten.

Die Frage nach der Einrichtung von sogenannten Testzentren ist derweil auch fast zwei Wochen nach der ersten Ankündigung des Senats wieder völlig offen. Gesundheitsbehördensprecher Krämer wollte sich zum Stand der Überlegungen am Montag nicht äußern. In der vergangenen Woche hatte es auch bei Krankenhäusern teils Verwirrung um die Pläne von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) gegeben. Diese hatte sich ursprünglich möglichst ein Zentrum pro Bezirk vorgestellt und gesagt, man stehe mit den Krankenhäusern dazu „in Verhandlungen“.

Aus der Gesundheitsbehörde heißt es, man richte sich in der Frage nach den Testzentren nach der aktuellen und sich dynamisch entwickelnden Lage. Die widersprüchlichen Aussagen werden auch damit erklärt, dass es zwischenzeitlich gelungen sei, den Arztruf 116117 deutlich zu entlasten und damit auch ohne Zentren genügend Testkapazitäten vorzuhalten.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Linken-Gesundheitspolitiker Deniz Celik betonte am Montag, dass aus seiner Sicht „Drive-in-Zentren eine sinnvolle und wichtige Ergänzung zu den bestehenden mobilen Einheiten des Arztrufs“ wären. „Das Beispiel Südkorea zeigt, welch wichtige Rolle die massive Ausweitung der Tests bei der Eindämmung des Virus hat.“

UKE verfügt über genug Kapazitäten, um auch auswärtige Coronakranke behandeln zu können

Bereits am Sonnabend sind zwei schwer erkrankte Französinnen per Flugzeug nach Hamburg gebracht worden und werden nun im UKE behandelt. Es handelt sich um zwei ältere Damen, die beatmet werden müssen. Nach Angaben von Prof. Marylyn Addo, der Leiterin der dortigen Infektiologie, verfügt das UKE derzeit noch über mehr als genug Kapazitäten, um auch auswärtige Coronakranke behandeln zu können. Der geplante Transport von zehn italienischen Patienten (das Abendblatt berichtete exklusiv) befindet sich weiterhin in der Abstimmung. Bereits am Sonntagabend war eine Maschine der Bundeswehr am Flughafen mit sechs Patienten aus dem italienischen Bergamo in Fuhlsbüttel gelandet. Zwei von ihnen werden im Hamburger Bundeswehrkrankenhaus behandelt.

Coronavirus: UKE-Pressekonferenz mit Prof. Dr. Marylyn Addo
Coronavirus: UKE-Pressekonferenz mit Prof. Dr. Marylyn Addo

Mit Großbestellungen versuchen der Senat und das Bundesgesundheitsministerium derweil, die Knappheit an Schutzausrüstung zu mildern – diese werden laut Gesundheitsbehörde nach dem Eintreffen in Hamburg „priorisiert“ auf die verschiedenen Einrichtungen verteilt, zuletzt bevorzugt für den Arztruf 116117. Ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Hamburg (KVHH) bestätigte auf Anfrage, dass zuletzt eine „kleinere Lieferung“ eingegangen sei – sie bestand demnach aus etwa 16.000 FFP-2-Schutzmasken, 3000 Kitteln und 3000 Handschuhen. Damit seien auch Arztpraxen versorgt worden. „Sobald weitere Ware eintrifft, wird sie in gleicher Weise auch an die anderen Praxen verteilt“, sagte der KVHH-Sprecher Jochen Kriens.

Die Gesundheitsbehörde hatte am Sonntag betont, dass jeder Arzt in Hamburg noch über Schutzausrüstung verfüge – einzelne Mediziner widersprechen dem jedoch. Der Markt sei „leer gefegt“ und ebenso die eigenen Bestände. In internen Papieren der Stadt war vor der jüngsten Lieferung erneut auch von einem „Notstand“ bei der Schutzausrüstung in einzelnen Bereichen die Rede. Nach Angaben der KVHH ist es bislang aber nicht zu Schließungen von Praxen wegen fehlender Ausrüstung gekommen.