Abendblatt-Hilfsaktion

Fast 200.000 Euro für Corona-Opfer: Wie Hamburg hilft

Der Mitternachtsbus der Diakonie wird Lebensmittelgutscheine verteilen – das Hilfswerk alleine hat einen Bedarf von 1500 Gutscheinen gemeldet.

Der Mitternachtsbus der Diakonie wird Lebensmittelgutscheine verteilen – das Hilfswerk alleine hat einen Bedarf von 1500 Gutscheinen gemeldet.

Foto: Michael Rauhe

Die Resonanz auf die Abendblatt-Spendenaktion ist riesig – der Bedarf auch. "Einige haben tagelang nichts gegessen."

Hamburg. Gemeinsam gegen Corona! Der Spendenaufruf des Vereins „Hamburger Abendblatt hilft“ mit seiner Initiative „Von Mensch zu Mensch“ hat in der Hansestadt und der Metropolregion überwältigende Reaktionen ausgelöst. Privatleute, Stiftungen und Unternehmen spenden seit dem Wochenende kleine und große Summen, um den Opfern der Epidemie in Hamburg beizustehen. Insgesamt kamen so bereits fast 200.000 Euro zusammen.

Der Verein kauft derzeit von den Spendengeldern Lebensmittelgutscheine bei Handelsketten und gibt diese an gemeinnützige Institutionen weiter. Die Nachfrage ist riesig: Initiativen vom Frauenhaus über die Jugendhilfe bis zu Tafeln, Kirchengemeinden und Sozialkaufhäusern haben um Hilfe gebeten. Schon am ersten Tag wurden mehr als 4500 Gutscheine à 25 Euro angefragt.

Den Leserinnen und Lesern, die Geld auf das „Von Mensch zu Mensch“- Konto bei der Haspa einzahlen, ist die Hilfe ein Herzensanliegen. Nebahat Cakman aus Hohenfelde möchte von ihrer kleinen Rente sogar einen Dauerauftrag einrichten. Die 77 Jahre alte frühere Krankenschwester hätte auch gerne in einer Klinik geholfen, „wenn ich noch jünger wäre“. Auch Werner E. hat Geld überwiesen mit dem Zusatz: „Danke für die Initiative, die ich großartig finde.“

Unglaublich spontan und großzügig stellte die Dorit & Alexander Otto Stiftung 100.000 Euro für die Aktion bereit. Die Reimund C. Reich Stiftung hat eine 50.000-Euro-Hilfe angekündigt, die Has­pa 10.000 Euro. Rewe gibt ebenso wie Edeka, Marktkauf und Netto Marken-Discount einen Rabatt auf die Gutscheine. Edeka und Netto spenden zusätzlich Gutscheine für insgesamt 30.000 Euro.

Corona-Hilfe: Rund 50 Initiativen und Kirchengemeinden haben sich beim Abendblatt-Verein gemeldet

Am Sonnabendmorgen um 8 Uhr kam die erste E-Mail beim Verein „Hamburger Abendblatt hilft“ an. Sie stammte von der Kirchengemeinde Hamburg-Dulsberg mit der Bitte um 50 Lebensmittelgutscheine für die Menschen, „die keine Kunden unserer noch laufenden Lebensmittelausgabe sind, aber aktuell nicht weiterwissen. An sie werden wir die Gutscheine weitergeben“, schrieb Pastorin Maren Wichern.

„Hamburg, gemeinsam gegen Corona!“ – die Hilfsaktion des Abendblatt-Vereins mit seiner Initiative „Von Mensch zu Mensch“, die am Wochenende gestartet wurde, traf in der Metropolregion auf große Resonanz. Der Verein kauft derzeit von Spendengeldern Lebensmittelgutscheine für 200.000 Euro und gibt diese an gemeinnützige Institutionen weiter. Der Bedarf ist riesig.

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Inzwischen haben sich rund 50 Initiativen und Kirchengemeinden beim Abendblatt-Verein gemeldet, darunter Frauenhäuser, Familienhilfen, Tafeln, und soziale Kaufhäuser. Mehr als 4500 Gutscheine à 25 Euro wurden bisher angefordert. Gleichzeitig haben am Montag etliche Leser angerufen und geschrieben – sie möchten spenden für Menschen
in Not. Ganz vorneweg ist die Dorit & Alexander Otto Stiftung, die 100.000 Euro gibt. Vorstandsvorsitzende Dorit Otto: „Die Coronakrise hat unsere Gesellschaft tief getroffen. Viele Menschen haben von heute auf morgen existenzielle Sorgen. Wir möchten helfen, ihre Not zu lindern und unterstützen daher die Abendblatt-Aktion, um die Versorgung mit den dringlichsten Dingen sicherzustellen.“

Corona-Opfer in Hamburg: Auch viele Leser wollen mithelfen

Auch Reimund Reich fühlte sich angesprochen und überwies 50.000 Euro. „Die Reimund C. Reich Stiftung ist gegründet worden, um Hilfe für Menschen in Not zu leisten, wir haben jetzt eine Notsituation und es ist für die Ärmsten der Armen dringend notwendig, schnell Hilfe zu leisten“, sagt der 86-Jährige. Die Haspa gibt 10.000 Euro als Spende, „denn wir sind seit jeher ganz eng mit der Stadt und ihren Menschen verbunden. Deshalb nehmen wir unsere Verantwortung für das Gemeinwohl auch in schwierigen Zeiten wahr“, so Vorstandssprecher Harald Vogelsang.

Aber auch viele Leser wollen mithelfen, wie das Ehepaar T., das vor Kurzem goldene Hochzeit gefeiert und die Gäste gebeten hat, für „Von Mensch zu Mensch“ zu spenden. Nun wollen die Jubilare die Spendensumme noch aufstocken, um in der Coronakrise zu helfen.

Die Hilfe kommt Initiativen wie der Hamburger Kinder- und Jugendhilfe e. V., kurz Hakiju, zugute. Der Verein betreut mehrere Hundert bedürftige Familien im Rahmen der ambulanten Kinder-und Jugendhilfe hamburgweit. „Insbesondere durch die Einschränkung sonstiger Versorgungsstrukturen wie Arche, Tafel, Kita, Schule, ein volles Einkommen, geraten unsere Familien bereits jetzt in Not. Schnell und unbürokratisch bei Bedarf vor Ort durch Lebensmittelgutscheine Hilfe leisten zu können, wäre für uns eine große Erleichterung. Wir schätzen einen Bedarf von zunächst 500 Gutscheinen ein“, schrieb Petra Fischbach vom Vorstand der Hakiju.

"Einige Menschen haben tagelang nichts gegessen"

Die Mobile Bullysuppenküche versorgt Obdachlose vor allem in Hamburg-Mitte und Altona. „Wir fahren nun zusätzliche Runden“, sagt Vereinsvorsitzende Julia Radojkovi. „Einige Menschen berichten uns, dass sie tagelang nichts gegessen haben. Wir kennen die Schlafplätze der Obdachlosen und wissen, wer jetzt besondere Hilfe benötigt. Gerne würden wir Lebensmittelgutscheine verteilen, damit sie auch an den Tagen, an denen wir nicht mit heißem Essen unterwegs sind, versorgt sind.“

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Die Gutscheine kommen derzeit von Rewe, Edeka, Marktkauf und Netto Marken-Discount. Mit anderen Discountern versucht das Abendblatt-Organisations-Team ins Gespräch zu kommen. Edeka gibt einen Rabatt auf den Einkauf und spendet zudem Gutscheine im Wert von 20.000 Euro, Netto von 10.000 Euro. „Wir möchten den Menschen etwas zurückgeben, die von der Krise existenziell betroffen sind und gerade Not leiden“, sagt Rolf Lange, Leiter der Unternehmenskommunikation der Edeka-Zentrale in Hamburg.

„Gerade jetzt sind Zusammenhalt und Solidarität gefordert“, so Christina Stylianou, Pressesprecherin von Netto. Jochen Vogel, Vorsitzender der Geschäftsleitung Rewe Nord: „Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, den Menschen zu helfen, die aufgrund der Coronapandemie wirtschaftlich und sozial getroffen sind.“ Rewe unterstützt mit Einkaufsgutscheinen in Höhe von 10.000 Euro die Abendblatt-Hilfsaktion.

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