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Coronavirus: Zwei Todesfälle in Hamburg an einem Tag

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Grote droht, Infizierte in Gewahrsam zu nehmen. 17 UKE-Mitarbeiter infiziert. Stadt nimmt Patienten aus dem Ausland auf.

Hamburg. Die Ausbreitung des Coronavirus in Norddeutschland geht weiter: Aktuell sind allein in Hamburg 1759 an Covid-19 erkrankte Menschen bekannt, weitere 821 Fälle gibt es in Schleswig-Holstein. Die Hansestadt beklagt zudem drei Tote, zwei von ihnen sind am heutigen Freitag verstorben.

Die Entwicklung eines Impfstoffes gehe zwar mit "noch nie da gewesener Geschwindigkeit" voran, erklärte die Leiterin der Infektiologie am UKE, Prof. Dr. Marylyn Addo, am Nachmittag. Für die aktuelle Erkrankungswelle sei dennoch nicht mit einem Impfstoff zu rechnen. Um gesunde Hamburger nicht unnötig zu gefährden, droht Innensenator Andy Grote (SPD) Infizierten mit drastischen Maßnahmen.

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Alle aktuellen Entwicklungen im Newsblog:

Acht weitere Tote in Wolfsburg nach Coronavirus-Infektion

In Wolfsburg sind acht weitere Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Das teilte der Sprecher der Stadt am Freitagabend mit. Demnach handelt es sich um sechs Frauen und zwei Männer zwischen 76 und 100 Jahren. Weitere Angaben machte die Stadt unter Verweis auf den Datenschutz nicht.Insgesamt gab es in Wolfsburg bisher zehn Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Das Gesundheitsamt Wolfsburg zählte am Freitag 98 Menschen, die mit Sars-CoV-2 infiziert sind.In ganz Niedersachsen lag die Zahl nachgewiesener Infektionen am Freitag bei 3175, 449 mehr als am Vortag. Die Zahl der Toten stieg auf zwölf. Unklar war, ob die acht Todesfälle in Wolfsburg schon in diese Zahl mit eingerechnet waren.

Coronavirus: Zwei Tote in Hamburg

Hamburg hat zwei weitere Todesfälle im Zusammenhang mit der Coronakrise zu beklagen. Wie Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Freitagnachmittag mitteilte, ist ein 71 Jahre alter Patient im UKE gestorben. Im Bethesda-Krankenhaus in Bergedorf starb ein Patient im Alter von mehr als 80 Jahren, der mehrere Tage lang auf der Corona-Isolierstation gelegen haben soll. Er soll unter Vorerkrankungen gelitten und verfügt haben, in seinem Fall keine lebenserhaltenden Maßnahmen einzuleiten, auch nicht beatmet zu werden. Ob sein Tod auf das Virus oder andere Erkrankungen zurückzuführen ist, ist noch unklar.

Zuvor war in der Hansestadt ein 52 Jahre alter Mann an dem Virus gestorben. Bei den beiden Todesfällen im Pflegeheim in Ohlsdorf, ein 76 Jahre alter Rentner sowie eine 65 Jahre alte Frau, muss noch geklärt werden, inwiefern die Erkrankung Covid-19 für ihren Tod ausschlaggebend war.

Hamburg nimmt Patienten aus dem Ausland auf

Die Hansestadt zeigt sich in der Krise solidarisch mit den EU-Partnern und nimmt Patienten aus dem Ausland auf. Laut Prüfer-Storcks werden bis zu zehn Covid-19-Infizierte aus Italien im AK Harburg sowie zwei Patienten aus Frankreich im UKE behandelt. „Es steht noch nicht fest, wann sie kommen", sagte die Gesundheitssenatorin. „Aktuell haben wir dafür die Kapazitäten.“ Das könne sich aber im Laufe der Pandemie ändern.

Grote droht, Infizierte in Gewahrsam zu nehmen

Innensenator Andy Grote (SPD) hat drastische Maßnahmen gegen Infizierte, die ihre Quarantänepflicht verletzen, angekündigt. So soll es "im äußersten Fall" auch zu Ingewahrsamnahmen sowie zügigen Strafverfahren kommen. "Wenn wir eine infizierte Person antreffen, die sich draußen frei bewegt, aber eigentlich in Quarantäne sein müsste, werden wir diese in Gewahrsam nehmen", sagte Grote, der ein konsequentes Vorgehen bei allgemeinen Verstößen gegen die Corona-Regeln am Wochenende ankündigte.

Insgesamt sei in Hamburg mit etwas mehr als 1000 Strafanzeigen eine geringe Zahl an Verstößen gegen die Allgemeinverfügungen festgestellt worden. Grote sieht aber ein psychologisches Problem auf die Stadt zukommen. Er habe festgestellt, dass einige Menschen glauben, die Maßnahmen könnten zeitnah gelockert werden. „Das ist ein Problem, das wir mit Sorge beobachten“, sagte Grote. Hamburg brauche weiterhin eine hohe Akzeptanz in der Notwendigkeit dieser Maßnahmen. „Wir wissen, dass wir auf absehbare Zeit noch darauf angewiesen werden, dass sich die Hamburger an die Regeln halten.“ Von Lockerung könne keine Rede sein.“

Grote droht, Coronainfizierte in Gewahrsam zu nehmen

Wann werden die Maßnahmen gelockert?

Laut Tschentscher werde die Politik nach Ostern die dann geltende Lage bewerten, um über eine Lockerung der Maßnahmen zu entscheiden. Kritik, dass kein Datum für eine Lockerung der Allgemeinverfügungen anvisiert werde, wollte Tschentscher nicht gelten lassen. „Wir haben von Tag zu Tag neue Erkenntnisse, deshalb bitte ich alle, diese Unsicherheit zu ertragen.“

Wie Gruppen an der Alster kontrolliert werden

Beamte der Wasserschutzpolizei haben am Freitagnachmittag Spaziergänger an der Alster aufgefordert, den in Corona-Zeiten notwendigen Abstand zu halten. Vom Boot aus appellierten die Wasserschutzpolizisten über Lautsprecher an die Passanten, nicht in Gruppen zusammenzustehen. Angesichts des schönen Frühlingswetters waren am Nachmittag besonders viele Spaziergänger an der Außenalster unterwegs, viele standen in Gruppen zusammen.

Grote: Vereinen trotz Corona die Treue halten

In seiner Funktion als Sportsenator hat Andy Grote die Hamburger aufgefordert, den geschlossenen Sportvereinen die Stange zu halten. „Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, seine Vereinsmitgliedschaft zu kündigen, weil man vielleicht gerade die Angebote nicht wahrnehmen kann“, sagte der SPD-Politiker. Jetzt sei vielmehr der Zeitpunkt, neu in Sportvereine einzutreten. „Es ist jetzt wichtig, dass nicht nur die staatlichen Maßnahmen funktionieren, sondern dass auch alle Hamburgerinnen und Hamburger ein bisschen daran mitwirken, dass die Beteiligten gut durch die Krise kommen“, sagte Grote.

Coronavirus: Anträge auf Soforthilfe für Firmen

Hamburg will für die von der Coronapandemie betroffenen Selbständigen, Klein- und Kleinstunternehmen über Kredite bis zu 1,5 Milliarden Euro als Soforthilfe zur Verfügung stellen. Der Senat habe am Freitag einen dringlichen Senatsantrag für die Bürgerschaftssitzung am Mittwoch beschlossen, um die entsprechende Kreditermächtigung zu erhalten, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Um eine Kreditaufnahme von bis zu 1,5 Milliarden Euro für 2020 und 2021 zu ermöglichen, soll die Hamburger Schuldenbremse wegen einer „außergewöhnlichen Notsituation“ vom Parlament vorübergehend aufgehoben werden.

Finanzsenator: So funktioniert der Hamburger Schutzschirm

Vernichtende Kritik von Kliniken am Senat

Laut einem internen Papier des Bundesinnenministeriums ist bundesweit eine Großoffensive bei der Testung der Bevölkerung auf das Coronavirus geplant – die Gesundheitsbehörde bestätigte auf Anfrage, dass das Vorhaben auch in Hamburg bekannt sei. "Wir befinden uns in einer gemeinsamen Abstimmung, in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt die Testbemühungen weiter intensiviert werden", sagte der Behördensprecher Daniel Posselt.

Die bereits seit Beginn der vergangenen Woche geplante Einrichtung von sogenannten Testzentren in Hamburg kommt aber weiter kaum voran. Nach Abendblatt-Informationen haben weder die Gesundheitsämter noch die Krankenhäuser derzeit genug Personal, um die geplanten Zentren zu betreiben. Der Behördensprecher Posselt wollte den Stand der Gespräche nicht kommentieren. "Wir befinden uns weiter in der Vorbereitung".

Aus Hamburger Kliniken ist teils vernichtende Kritik an dem Krisenmanagement der Stadt zu hören. "Leider haben wir im Moment keinen Helmut Schmidt, der die nötigen Maßnahmen auch zeitnah trifft", heißt es. Die eingerichtete "Task Force" der Stadt ginge unter Leitung von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) nicht entschieden und organisiert genug vor. Beispielsweise seien die Notfallpraxen zu wenig eingebunden und Flüge aus Risikogebieten wie dem Iran nicht frühzeitig besser kontrolliert worden. Auch wenn die Versorgung in Hamburg absehbar sichergestellt sei, könne sich dies rächen.

Abi in Schleswig-Holstein: Prien entschuldigt sich

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat sich bei allen Schülern Schleswig-Holsteins für das Durcheinander rund um die Abschlussprüfungen wegen Corona entschuldigt. In einem am Freitag veröffentlichten Brief heißt es: „Diejenigen von Ihnen, die in diesem Sommer ihren Abschluss machen, das Abitur, die beruflichen Abschlüsse, den Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss oder den Mittleren Schulabschluss, haben in den vergangenen Tagen ein Wechselbad der Gefühle erlebt.“

Die Ungewissheit hätte viele Familien bewegt. „Soweit ich mit meinem Vorschlag dazu beigetragen habe, bitte ich um Entschuldigung“, schrieb Prien. „Mein Ziel ist es, in dieser schwierigen Zeit das Beste für die Schülerinnen und Schüler aller Schulen im echten Norden zu erreichen.“ Prien hatte am Dienstag angekündigt, sie plane den Verzicht auf Schulabschlussprüfungen in Schleswig-Holstein.

Am Tag darauf revidierte sie diese Ankündigung nach einer Schaltkonferenz der Kultusministerkonferenz. Alle Länder einigten sich auf Abiturprüfungen. Prien: „Gleichzeitig ist es aber unverzichtbar, dass alle Bundesländer gemeinsam einen abgestimmten Weg gehen. Nur so können wir sicher sein, dass die Abiturzeugnisse in ganz Deutschland gegenseitig anerkannt werden.“

Hier wird Verstoß gegen Kontaktverbot geduldet

Vor der Drogenhilfeeinrichtung Drob Inn am Besenbinderhof in St. Georg scheint die Coronakrise kein Thema zu sein. Rund 150 Süchtige, so die Beobachtungen der Polizei, tummelten sich am Nachmittag vor dem Eingang. Die Ansammlung von Personen wird geduldet. Grundlage dafür ist der Punkt 4 in der Allgemeinverfügung, in der Ausnahmen für das Ansammlungsverbot auch sozialen Hilfs- und Beratungseinrichtungen zugestanden wird, zu denen das Drob Inn zählt.

Zwar wäre der Ansammlung vor dem Drob Inn nicht unbedingt zu dulden, dort werde laut der Polizei aber bewusst ein „Auge zugedrückt“. „Wir haben hier eine Personengruppe, bei der es besser ist, dass sie an einem Punkt konzentriert ist, als das sie sich in kleine Gruppen verteilt“, sagte ein Beamter. Solange sich die Ansammlung im unmittelbaren Bereich der Einrichtung aufhält, werde sie toleriert. Darin sei man sich behördenübergreifend einig. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts sollen in Kürze weitere Abgabestationen für Süchtige eingerichtet werden. Behörden und Ärzte haben sich darauf bereits verständigt.

Niedersachsen verschiebt Abiturprüfungen

Das Bundesland Niedersachsen hat einen neuen Fahrplan für die Abiturprüfungen 2020 festgelegt. Demnach werden die Abiturprüfungen rund drei Wochen nach hinten verschoben, wie das Niedersächsische Kultusministerium am Freitag mitteilte. "Mit dem neuen Fahrplan reagieren wir auf die Unsicherheit durch die weitere Entwicklung beim Coronavirus einerseits und geben den Schulen, Lehrkräften und den Schülerinnen und Schülern andererseits Planungssicherheit", sagte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

Sollte auch der neue Fahrplan nicht eingehalten werden können, werden die Prüfungen ersatzlos abgesagt, sagte Tonne weiter. Das Abitur würde dann auf Basis der Noten in den vier zurückliegenden Schulhalbjahren erteilt. "Auch die Sek I-Abschlüsse würden ohne Abschlussprüfungen auf Grundlage der vorliegenden Leistungen vergeben. Weitere Verschiebungen sind für mich kein gangbarer Weg."

Kein Engpass bei Schön Klinik nach Schutzmasken-Diebstahl

Der Diebstahl von rund 1500 Atemschutzmasken aus einem Depot in der Schön Klinik Eilbek führt zu keinen Einschränkungen im Betrieb. Wie die Schön Kliniken auf Abendblatt-Anfrage mitteilten, sei "der Bestand an Schutzausrüstung nach wie vor gesichert". Nachschub sei bereits auf dem Weg. Als Konsequenz aus dem Diebstahl werde man aber "die Sicherheitsvorkehrungen bei der Lagerung von Schutzausrüstung jetzt noch weiter verstärken".

Zur Vorbereitung auf die erwartbar stark steigende Patientenzahl habe die Klinik bereits 200 Pflegekräfte für die intensivmedizinische Betreuung geschult und die "Zahl der interdisziplinären Intensivbetten für die Corona-Patienten vervierfacht von acht auf 32". 100 Ärzte stehen laut Auskunft der Schön Kliniken zur intensivmedizinischen Betreuung bereit.

Bis zu 98 Prozent weniger Passagiere am Hamburg Airport

Reiseveranstalter, Airlines und Flughäfen sind massiv von der Coronakrise betroffen. Der reguläre Flugbetrieb komme nach und nach zum Erliegen, sagte Hamburgs Airport-Chef Michael Eggenschwiler auf Abendblatt-Anfrage: „In dieser Woche hatten wir Rückgänge bei den Passagierzahlen um bis zu 98 Prozent pro Tag im Vergleich zum Vorjahr. Wir gehen davon aus, dass sich dieses in den nächsten Wochen nicht ändern wird.“ Normal seien rund 40.000 Passagiere pro Tag. Demnach dürften es derzeit nur rund 800 Fluggäste sein.

Einige Airlines stellten den Flugbetrieb wegen der fast überall verhängten Reiserestriktionen ein, andere fliegen ein Rumpfprogramm. Bei der Lufthansa sind es etwa fünf Prozent des geplanten Angebots. Am Freitag gab es in Fuhlsbüttel nur je 14 Abflüge und Ankünfte. An normalen Tagen seien es jeweils 200 Starts und Landungen.

Weil der Airport einen öffentlichen Auftrag habe und für medizinische und Rückführungsflüge, Sicherheits- und Notlandungen sowie Frachtflüge offen bleiben müsse, werde der Betrieb aufrechterhalten, so Eggenschwiler: „Auch wenn dies in der jetzigen Situation ein wirtschaftlicher Kraftakt ist.“ Der Umsatzrückgang für den Flughafen liege im zweistelligen Millionenbereich. Der Flughafen nahm ganze Areale außer Betrieb und wickelt den Flugverkehr nur noch über Terminal 1 ab. Zudem greift er auf ein staatliches Kriseninstrument zurück. „Die gesamte Hamburg Airport Gruppe mit seinen mehr als 2000 Beschäftigten ist in dieser Woche in Kurzarbeit gegangen“, so Eggenschwiler. Das Ziel: Alle Arbeitsplätze zu sichern.

17 UKE-Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt – 20 in Quarantäne

Nach Abendblatt-Information breitet sich das Coronavirus auch in dem sensiblen Bereich der Gesundheitsversorgung weiter aus. Das UKE bestätigte auf Anfrage, dass aktuell 17 Mitarbeiter mit dem Erreger infiziert seien. Weitere 20 Menschen aus der Belegschaft befinden sich wegen einer möglichen Ansteckung in Quarantäne. Dabei war es auch zu Ansteckungen innerhalb des Universitätsklinikums gekommen. Überwiegend hätten sich die Betroffenen jedoch wohl über Kontakte im privaten Umfeld infiziert, sagte die UKE-Sprecherin Saskia Lemm. Zwei der vier ersten Coronapatienten in Hamburg waren ein Arzt und ein Labormitarbeiter des UKE gewesen.

Beim Klinik-Konzern Asklepios gibt es keine zentrale Statistik über die Infizierten. "Angesichts von 14.000 Mitarbeitern kann man sich statistisch ableiten, dass auch wir bereits direkt betroffen sind - in Form von Infizierten und Mitarbeitern in vorsorglicher Quarantäne", sagte ein Sprecher. Die Leistungsfähigkeit der Kliniken sei aber in keiner Weise eingeschränkt. Es würden neben Schutzausrüstung auch verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung des Erregers innerhalb der Kliniken einzudämmen. Dazu gehört, dass die Teams von Ärzten und Pflegern nicht mehr regelmäßig durchmischt werden, sondern so weit wie möglich in festen gemeinsamen Schichten arbeiten.

Laut Daniel Posselt, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde, gebe es weiterhin Schwierigkeiten damit, dass Menschen mit verdächtigen Krankheitssymptomen direkt die Arztpraxen aufsuchten, anstatt sich telefonisch bei den Ärzten oder bei dem Arztruf 116117 zu melden.

Weitere Informationen aus der Pressekonferenz am UKE

  • Die Ergebnisse der PCR-Tests, mit denen eine akute Infektion nachgewiesen werden kann, seien aussagekräftig, böten bei negativen Ergebnissen aber keine dauerhafte Sicherheit, erklärt Prof. Marylyn Addo: Das Ergebnis sei eine Momentaufnahme und ein negatives Testergebnis könne sich noch ändern.
  • Wie sich die Fallzahlen weiter entwickeln werde, sei derzeit schwer zu prognostizieren, so Addo weiter. Derzeit sei die Zahl geringer, als aufgrund der vielen Rückkehrer aus Risikogebieten erwartet worden war. Der "relativ moderate Anstieg" der Klinikpatienten werde sich aber vermutlich in kommenden Wochen verschärfen, das ergäben die Modelle, die die Taskforce zur Vorausberechnung nutzt.
  • Zwei Patienten aus Frankreich könnten zur Behandlung nach Hamburg ans UKE verlegt werden. Eine entsprechende Anfrage sei dort eingegangen Bereits am Donnerstag wurde bekannt, dass zehn schwer erkrankte Corona-Patienten aus Italien in Hamburg aufgenommen werden sollen. Details zu den Patienten aus Frankreich seien aber noch nicht geklärt. Der Transport gilt in Verwaltungskreisen als sehr anspruchsvoll. Möglicherweise werden die auswärtigen Patienten mit einem Spezialflugzeug oder Hubschraubern eingeflogen.
  • Engpässe bei Schutzkleidung gebe es UKE derzeit nicht, gemeinsam mit der Krankenhaushygiene arbeite man daran, Teile der Schutzausrüstung wieder aufzuarbeiten.

Fegebank: Hamburg zu "Spitzenstellung in der Infektionsforschung" verhelfen

Die Leiterin der Infektiologie am UKE, Prof. Marylyn Addo und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) informieren am Freitag über den aktuellen Stand der Dinge in Hamburg. Der Fokus in dem Gespräch soll neben den aktuellen Zahlen auch auf der Infektionsforschung in Hamburg liegen.

Katharina Fegebank: "Insgesamt stellt das Coronavirus Stadt und Gesellschaft vor ganz außerordentliche Herausforderungen." Die Senatorin dankt allen Hamburgern, die gegen den Virus kämpfen, die weiter arbeiten und auch all denjenigen, die sich an die verschärften Regeln halten. Das Thema Infektionsforschung sei bereits "vor einiger Zeit" als weiterer Exzellenzcluster für den Hamburger Wissenschaftsbetrieb identifiziert worden. Es sei das Ziel, Hamburg "eine Spitzenstellung im Bereich der Infektionsforschung" zu verschaffen.

Coronavirus: UKE-Pressekonferenz mit Katharina Fegebank
Coronavirus: UKE-Pressekonferenz mit Katharina Fegebank

Addo über UKE-Situation: "kontrolliert und ruhig"

Marylyn Addo: "Es ist derzeit alles kontrolliert und ruhig." Man habe am UKE über Wochen hinweg Vorarbeit geleistet und sei auf den erwarteten Anstieg der Patientenzahlen vorbereitet. Verschiebbare Operationen seien "heruntergefahren" worden, deswegen stünden – auch im Intensivbereich – Stationen für Coronafälle zur Verfügung. Zwölf Patienten würden derzeit am UKE intensivmedizinisch betreut. Am Freitag habe es zwar drei neue Aufnahmen gegeben – aber auch vier entlassen, die entweder schon vollständig geheilt oder so weit genesen seien, dass sie in die häusliche Isolation entlassen werden konnten.

Die Impfstoffentwicklung erscheine zwar allen "zu langsam", aber "es dauert seine Zeit", so Addo: "Wir müssen dafür sorgen, dass diese Produkte sicher sind." Die Entwicklung eines Impfstoffes gehe so schnell wie nie zuvor voran. Dass es nur wenige Wochen nach der ersten Infektion zum ersten Test an einer Versuchsperson kommt, sei "noch nie da gewesen". Am UKE rechnet man "frühestens in der zweiten Jahreshälfte" mit den ersten klinischen Tests des unter anderem in Hamburg entwickelten Stoffs. Addo weist darauf hin, dass es für die aktuelle Krankheitswelle definitiv noch keinen einsatzfähigen Impfstoff geben werde. Zur Behandlung werden aber derzeit bereits mehrere Medikamente getestet, auch das UKE wird an diesen klinischen Studien teilnehmen.

Coronavirus: UKE-Pressekonferenz mit Prof. Dr. Marylyn Addo
Coronavirus: UKE-Pressekonferenz mit Prof. Dr. Marylyn Addo

1100 neue Corona-Fälle in nur einer Woche

Seit Donnerstag sind in Hamburg 145 neue Infektionen mit Sars-CoV-2 bekannt geworden (Anstieg von neun Prozent im Vergleich zum Vortag). Damit liegt die Gesamtzahl der in der Stadt an Covid-19 erkrankten Menschen bei 1759. Von diesen müssen 104 im Krankenhaus behandelt werden, 31 Personen liegen auf der Intensivstation. „Es ist eine positive Entwicklung, da die Zahl nicht exponentiell ist", sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer Storcks (SPD).

Zwar steigt die Gesamtzahl der Patienten nicht mehr so stark wie zu Beginn der Woche, dennoch kann in allen Feldern, speziell bei der intensivmedizinischen Betreuung keine Entwarnung gegeben werden: Vor einer Woche, am 20. März, gab es in Hamburg 664 bekannte Corona-Fälle, von denen 26 im Krankenhaus behandelt wurden – sechs dieser Personen lagen auf der Intensivstation.

13 Coronafälle aus Umland in Hamburger Klinik

In seiner täglichen Mitteilung führt der Senat jeweils nur die Coronafälle auf, die in Hamburg wohnhaft sind - dies liegt laut Dennis Krämer von der Gesundheitsbehörde an den Zuständigkeiten der Gesundheitsämter. "Wie bei anderen Erkrankungen werden auch Coronapatienten aus dem Umland in Hamburg medizinisch versorgt", sagte Krämer. Am Freitagnachmittag befanden sich demnach 13 Infizierte aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen stationär in Hamburger Krankenhäusern. Wie viele Menschen aus dem Umland darüber hinaus von niedergelassenen Ärzten in der Hansestadt betreut werden, ist nicht näher bekannt.

Senat warnt vor gefälschter Schutzausrüstung

Sowohl in Kliniken als auch bei niedergelassenen Ärzten wird erneut die Schutzausrüstung knapp. Im Umfeld der Gesundheitsbehörde ist davon die Rede, dass Praxen von niedergelassenen Ärzten deshalb bereits teilweise schließen müssten, weil der Kontakt zu möglicherweise Infizierten nicht mehr verantwortbar sei. Die Gesundheitsbehörde kann dies nicht bestätigen. "Aktuell verfügt jeder Arzt noch über Ausrüstung, aber der Nachschub bleibt eine große Herausforderung", so der Sprecher Daniel Posselt.

Etwa bei der Beschaffung von Schutzmasken müsse man vorsichtig vorgehen und die Anbieter genau prüfen. Diverse Betriebe böten große Mengen an Schutzausrüstung zu vergleichsweise günstigen Preisen an – ob diese halten, was sie versprechen, sei jedoch oft unklar. "Da sind Anbieter dabei, die keinerlei Erfahrungen im Gesundheitswesen haben", so der Behördensprecher Posselt.

Nach Abendblatt-Informationen hat die Behörde bei bestimmten Anbietern bereits deutliche Hinweise auf gefälschte Zertifikate, die Qualitätsware vorgaukeln sollen. Zuletzt hatte Spanien etwa eine große Charge an zusätzlichen Schutzmasken geordert, die jedoch in der Praxis kaum brauchbar sind. Wie es in Senatskreisen heißt, wird für Hamburg derzeit an einer "größeren Lösung" gearbeitet – also offenbar einer Anschaffung einer großen Menge an Ausrüstung, um den erwarteten weiteren Anstieg der Fallzahlen in Hamburg bewältigen zu können.

Gesundheitsbehörde bittet um Hilfe: polnische Mediziner gesucht

Die Gesundheitsbehörde ruft nun nicht mehr nur Freiwillige aus deutschen Gesundheitsberufen zur Hilfe auf, sondern auch Absolventen polnischer Medizinstudiengänge, die hier ihre Approbation ablegen wollen. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD): „Damit können die Absolventen sofort in die ärztliche Tätigkeit eintreten und hier in der derzeitigen Ausnahmesituation unterstützen. Darüber hinaus rufen wir Krankenhäuser dazu auf, ihnen bekannte polnische Absolventen darauf hinzuweisen und sie auf diesem Weg zügig in die Versorgung zu bringen.“

Zudem werden Unternehmen, die über Schutzausrüstung verfügen, diese aber im Augenblick nicht benötigen, aufgerufen, zu helfen: OP-Masken (Mund-Nasen-Schutz), FFP2/ FFP3-Masken, Overalls, Schutzhandschuhe, Schutzbrillen sowie Schutzkittel werden dringend benötigt. Firmen, die helfen können, werden gebeten, sich unter corona-firmenspende@bgv.hamburg.de mit der Gesundheitsbehörde in Verbindung zu setzen.

Tim Mälzer kocht für Helden, Linda Zervakis macht Sport

„Köstliches Dankeschön an Tim Mälzer und sein Team“ steht auf dem Bild – daneben Dutzende Namen. Ihnen allen gemein ist, dass sie im Kinder UKE arbeiten und von dem Hamburger Promi-Koch und Kollegen mit frisch gekochtem Essen beliefert worden sind. Mälzer hat das Bild am Freitag auf Instagram präsentiert und sich bei der Gelegenheit noch einmal bei allen Beteiligten bedankt, die Kochen für Helden unterstützen.

Dazu gibt er erneut den Hinweis: „Wenn Euch gerade auch die Kantine weggebrochen ist, oder Ihr Euch aufgrund der vielen Schließungen dieser Tage nicht mehr bei der Arbeit versorgen könnt, meldet Euch bitte per Mail an kochenfuerhelden@gmail.com bei uns. Das Ganze kostet Euch übrigens nichts.“ Der Beitrag bekam übrigens innerhalb der ersten Stunde bereits 2370 Likes.

Die Hamburger Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis führt auf Instagram weiter fleißig ihr Corona-Quarantäne-Tagebuch und verrät in einem Video das Geheimnis ihres „Astralkörpers“. Den Beitrag kommentierte die Zervakis mit: „Man macht Sachen, die man vorher nicht geglaubt hätte zu machen.“

Neuer Hilfsfonds für freie Künstler in Hamburg

"Kunst kennt keinen Shutdown", unter diesem Motto hat die Hamburger Kulturstiftung zusammen mit weiteren Stiftungen einen Hilfsfonds für freie Künstlerinnen und Künstler in Hamburg aufgelegt. Schon zum Start hat der Fonds ein Volumen von mehr als 400.000 Euro.

Gesa Engelschall von der Hamburger Kulturstiftung erklärt zu dem Projekt: "Die Künstlerinnen und Künstler sind in Not und brauchen unsere Unterstützung – nicht nur um die Lebenskosten für sich und ihre Familien zu decken, sondern auch um weiter künstlerisch arbeiten zu können. Das tun sie ohnehin meist schon unter prekären Bedingungen, die sich in dieser schwierigen Situation als existenzbedrohend erweisen." Lob für das Engagement kommt von Kultursenator Carsten Brosda (SPD): „Wir müssen die Welle der Neuinfektionen brechen. Das macht weitreichende Beschränkungen des öffentlichen und kulturellen Lebens nötig. Seitdem klar ist, dass die Kultureinrichtungen vorübergehend schließen müssen, geht es auch um die Frage, wie wir die Kultur in unserer Stadt jetzt unterstützen können. Viele sind intensiv und engagiert dabei. Deswegen bin ich sehr dankbar für die Initiative der Hamburgischen Kulturstiftung. Die Spenden kommen direkt Projekten der jungen Kunst und der Kinder- und Jugendkultur zugute und ergänzen sinnvoll die Maßnahmen des Schutzschirms, den der Hamburger Senat aufgespannt hat."

Die Vergabemöglichkeiten für Mittel aus dem Fonds werden noch erarbeitet, Maßgabe dabei ist, vor allem freien Nachwuchskünstlern schnell und unbürokratisch Geld zur Fortsetzung ihrer Arbeit zur Verfügung zu stellen. Wer zu dem Hilfsfonds beitragen will, kann auf dieses Konto spenden: Hamburgische Kulturstiftung, IBAN: DE24 2012 0000 0052 7570 28, Stichwort: „Hilfsfonds“

Regionaler Lieferdienst: Die Liekedeeler-Grundversorgungskiste

Regionale Landwirte, Lebensmittelverarbeiter, Gastronomen und Händler der Regionalwert AG haben am Freitag einen neuen Lieferservice für Hamburg gestartet. Angeboten werden die Grundversorgungskisten für eine Woche unter dem Namen Liekedeeler-Kiste (plattdeutsch für Gleichteiler). Sie sind in zwei Größen für Single-Haushalte (ab 65 Euro) und Familien (ab 115 Euro) erhältlich und enthalten Grundnahrungsmittel wie Brot, Milchprodukte, Kartoffeln sowie saisonales Gemüse und fertige Suppen und Salate im Glas von regionalen Herstellern.