Coronavirus

Hamburger Medizinstudenten helfen im Kampf gegen Corona

Medizinstudentin Greta arbeitet aushilfsweise in einer Praxis für Onkologie in Hamburg.

Medizinstudentin Greta arbeitet aushilfsweise in einer Praxis für Onkologie in Hamburg.

Foto: Gall

Viele Medizinstudenten sind Aufruf der Gsundheitsbehörde gefolgt. Gefragt sind auch Ärzte und Pflegekräfte, die Aufgaben übernehmen.

Hamburg.  Morgens um 7.30 Uhr zieht sich Medizinstudentin Greta den grünen Schutzkittel an, klappt das Visier ihrer Schutzhaube runter und streift sich die Handschuhe über. Fünf Stunden lang steht sie dann vor dem Eingang einer onkologischen Praxis in Poppenbüttel. Um auszuschließen, dass einer der ankommenden Patienten oder einer der Boten das Coronavirus einschleppt, misst die 19-Jährige bei allen die Temperatur und fragt sie ab: Waren Sie kürzlich in einem der Risikogebiete? Haben Sie Erkältungssymptome? Hatten Sie Kontakt zu einem Coronaverdachtsfall?

Wer das nicht ausdrücklich ausschließen kann oder erhöhte Temperatur hat, wird von ihr abgewiesen. „Hier sitzen 15 schwer kranke Patienten gleichzeitig in einem Raum und bekommen ihre Chemotherapie“, sagt Greta. „Da eine Coronainfektion für sie sehr lebensbedrohlich wäre, sind die Einlasskontrollen unerlässlich.“ Der Praxisinhaber hatte für diese Aufgabe eine studentische Aushilfe gesucht. Greta erfuhr im Bekanntenkreis davon und entschloss sich spontan zu helfen.

Coronavirus: Behörde hat Register für freiwillige Fachkräfte eingerichtet

Für ihre Arbeit bekommt die Studentin, die kürzlich ihr erstes Semester abgeschlossen hat, den Mindestlohn. Das frühe Aufstehen und die lange Anreise nimmt die Eppendorferin für ihren Job gern in Kauf. „Hier kann ich genau das tun, weswegen ich Medizin studiere: in Krisensituationen helfen.“

Greta ist eine von vielen Medizinstudenten, die dem Aufruf der Gesundheitsbehörde gefolgt sind und Hamburg bei den behördlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie temporär unterstützen wollen. Wie viele Interessenten sich gemeldet haben – aufgerufen waren auch Pensionäre –, kann die Gesundheitsbehörde derzeit nicht sagen. Um die personellen Kapazitäten an Fachkräften in den Krankenhäusern, in den Gesundheitsämtern, in der ambulanten Versorgung und in Pflegeeinrichtungen zu verstärken, hat die Behörde inzwischen ein Register für freiwillige Fachkräfte eingerichtet, um eine systematisierte Vermittlung an Einrichtungen mit Personalbedarf zu gewährleisten.

Das UKE hat vielfältige Hilfsangebote erhalten

Folgende Berufsgruppen werden besonders gesucht: Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachkräfte mit Intensiverfahrung, in der Altenpflege, in der Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegehilfskräfte und weiterhin Medizinstudierende. Aber auch Unternehmen, Einrichtungen des Gesundheitswesens, und Hochschulen werden gebeten zu prüfen, ob sich Mitarbeiter mit den oben genannten Profilen zur Nothilfe zur Verfügung stellen würden. Auch das UKE habe vielfältige Hilfsangebote erhalten, sagte eine Sprecherin. Derzeit würde geprüft, in welchen Bereichen perspektivisch Unterstützung benötigt werde. Zudem werde der Einsatz der Helferinnen und Helfer vorbereitet. Durch das Reduzieren planbarer Operationen habe man bereits Personalkapazitäten im medizinischen und pflegerischen Bereich aufbauen können, zudem seien Servicekräfte umverteilt worden.

In den Gesundheitsämtern der sieben Bezirke werden derzeit die ersten Medizinstudentinnen und -studenten eingearbeitet. Zu ihren Aufgaben gehören das Aufspüren der Kontaktpersonen von Coronainfizierten sowie die Durchführung medizinischer Kontrollen bei heimischen Quarantänefällen.

Stefan Kluge (Klinikdirektor Intensivmedizin) über die Lage am UKE
Stefan Kluge (Klinikdirektor Intensivmedizin) über die Lage am UKE

Pensionäre könnten beratend tätig werden und koordinieren

Auch niedergelassene Ärzte wollen helfen. Zum Beispiel die Dermatologin Dr. Kirsten Wiese, deren Praxis in der Innenstadt nur noch mäßig besucht ist, weil viele Patienten ihre Termine absagen. „Am liebsten würde ich den Laden hier schließen und dem UKE meine Hilfe anbieten“, sagt die Hautärztin, die während ihrer Ausbildung auch intensiv­medizinische Erfahrungen sammeln konnte. „Es müsste nur vorab Klarheit herrschen, dass meine laufenden Kosten übernommen würden und ich entsprechend dieser Tätigkeit versichert wäre – und eine flächendeckende medizinische Versorgung selbstverständlich gewährleistet ist.“ Dass auch Pensionäre von der Gesundheitsbehörde um Unterstützung gebeten würden, sieht sie kritisch. „Sie gehören wegen ihres Alters eventuell selbst zu einer Risikogruppe.“

Das findet auch Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg. „Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand gehören der Risikogruppe an, und die Approbation schützt nicht vor Covid-19 – wir müssen mit ihrem Einsatz daher sorgsam umgehen“, sagt er. Neben der unmittelbaren Versorgung von Covid 19-Patienten gebe es aber auch viele koordinierende und beratende Tätigkeiten, zu denen Pensionäre hinzugezogen werden könnten. Wie die Kassenärztliche Vereinigung auf Anfrage mitteilt, wird das Einbeziehen von Vertragsärzten wie Kirsten Wiese derzeit geprüft. „Wir sind zurzeit mit der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft in der Abstimmung über die Möglichkeit, dass Vertragsärzte in der Klinik arbeiten“, so ein Sprecher.