Quarantäne-Tagebuch

Corona-Haushalt, Tag 10: Anrufe sind eine gute Tat

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Elisabeth Jessen
Elisabeth Jessen und ihre Familienmitglieder haben Covid-19.

Elisabeth Jessen und ihre Familienmitglieder haben Covid-19.

Foto: Elisabeth Jessen

Redakteurin Elisabeth Jessen pflegt derzeit viele Telefonkontakte intensiv. Wie wichtig jetzt ein Stück Normalität für viele ist.

Hamburg.  Was für ein Glück in diesen Zeiten, wenn man ein kontaktfreudiger Mensch ist. Wer niemanden zum Reden hat, dürfte trotz des Sonnenscheins leicht in düstere Stimmung geraten. Telefon, Skype und WhatsApp sind der aktuelle Draht nach draußen.

Für viele Menschen ist auch essenziell wichtig, dass sie jeden Morgen das Abendblatt in ihrem Briefkasten vorfinden, weil damit ein kleines Stück Normalität in ihrem Leben erhalten bleibt. Viele schreiben auch Briefe an die Redaktion – mit Fragen und Anregungen, viele loben uns auch. Der Kontakt war lange nicht mehr so intensiv, scheint mir, die Menschen haben Zeit, ihre Gedanken mitzuteilen.

Brieffreundschaft mit Abendblatt-Lesern

Mit zwei Lesern verbindet mich seit ein paar Wochen eine reizende Brieffreundschaft – das heißt, wir schreiben uns WhatsApp-Nachrichten. Herr W. saß mit seiner Frau wochenlang in einem Hotel auf Teneriffa in Quarantäne fest. Herr S. wollte eigentlich in dieser Woche in genau dieses Hotel, das Costa Adeje Palace, reisen und hatte mich schon vor Wochen gefragt, wie ich die Situation einschätze.

Abwarten, war damals mein Rat. Niemand hätte aber die aktuelle Entwicklung vorhersehen können. Seither sind viele Nachrichten zwischen uns hin- und hergegangen. Beide schicken mir lustige Filme und neuerdings Durchhalteparolen in unser Seuchenhaus am Rande der Stadt. Wir schätzen einander inzwischen sehr. Und wenn die Zeiten wieder besser sind, gehen wir mal einen Kaffee trinken.

Coronavirus: Bürgermeister Tschentscher dankt Hamburgern

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Persönliche Nachricht an Ärztin

Mittlerweile habe ich bei Facebook auch die Ärztin ausfindig gemacht, die uns am Wochenende um Mitternacht positiv getestet hat. Sie und ihre Kollegen sind unermüdlich unterwegs, um Kranke zu behandeln oder Corona­verdachtsfälle zu testen. Ich habe mich in einer persönlichen Nachricht noch einmal bei ihr bedankt.

Zur täglichen Routine gehört inzwischen ein Telefonat mit meinen Eltern und Schwiegereltern. Sie machen sich um uns Sorgen, dabei sorgen wir uns aufgrund ihres Alters deutlich mehr um sie. Wer immer Alleinstehende im Umfeld hat: Rufen Sie sie an, das ist der Lichtblick, auf den sie hoffen und warten.

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