Coronavirus

Auf Kreuzfahrtschiff gefangen – wo Hamburger noch festsitzen

Diese fünf Hamburger sitzen auf den Philippinen fest und starteten einen Hilfe-Aufruf über Instagram: Tannaz Voll, Alexander Voll, Anna-Lena Bünz, Timo Hammersen und Elnaz Mahmudnoruzy (v.l.).

Diese fünf Hamburger sitzen auf den Philippinen fest und starteten einen Hilfe-Aufruf über Instagram: Tannaz Voll, Alexander Voll, Anna-Lena Bünz, Timo Hammersen und Elnaz Mahmudnoruzy (v.l.).

Foto: Elnaz Mahmudnoruzy

"Nerven liegen blank!“ In Kamerun, Nepal, Panama, Zypern, auf den Philippinen und dem Meer kämpfen Hamburger um ihre Rückkehr.

Hamburg. Drei Gruppen von jungen Hamburgern sitzen unter dramatischen Umständen im Ausland fest. Die Südamerika-Kreuzfahrt von zwei Bad Bramstedtern wurde zu einer Irrfahrt. Eine vierköpfige Studenten-Gruppe von Afrikanisten aus der Hansestadt kommt derzeit nicht aus Kamerun heraus – und muss sogar gewalttätige Angriffe fürchten.

Junior-Professorin Raija Kramer war mit einer Doktorandin und zwei Studenten für ein linguistisches Forschungsprojekt in das afrikanische Land gereist. Zwar ist die Gruppe derzeit in einem gut gesicherten – wenn auch teuren – Hilton-Hotel untergebracht, kommt dort aber nicht heraus.

Corona: Rückreise aus Kamerun nicht möglich

Wegen der derzeitigen Situation sei es ihr nicht möglich, das Hotel zu verlassen, heißt es von der Universität Hamburg, die sich intensiv um die Rückführung der Hamburger bemüht.

„Von der Professorin, die wiederum mit der Botschaft in Jaunde in engem Kontakt steht, wissen wir, dass Europäer Gewaltandrohungen ausgesetzt sind, weil sie mit der Verbreitung des Coronavirus in Verbindung gebracht werden“, erklärte die Uni. „Außerdem riskieren sie, auf der Straße von den Sicherheitsbehörden festgenommen und in Quarantäne isoliert zu werden, nachdem ihnen der Pass abgenommen wurde“.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Kamerun hat alle See-, Land- und Luftgrenzen geschlossen. Das Auswärtige Amt steht im Kontakt mit den Kameruner Behörden, um Landegenehmigungen für die Flugzeuge zu erhalten, mit denen deutsche Staatsbürger ausgeflogen werden sollen. Die Gruppe um Frau Prof. Kramer ist für die Rückholaktion bereits erfasst. Wann genau die Gruppe allerdings ausfliegen kann, ist derzeit noch nicht bekannt.

Das Team von Universitätspräsident Dieter Lenzen steht im Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und der Deutschen Botschaft in Kamerun. Das Auswärtige Amt hat angekündigt, hochrangig aus Berlin zu intervenieren. Auch die Hamburger Senatskanzlei ist involviert.

Hamburger Studenten sitzen in Nepal fest

Dramatisch sind auch die Umstände der Rückreise von knapp 30 Geowissenschaftlern aus der Hansestadt, die in Nepal auf einer Exkursion unterwegs waren. Ihr Ziel: Unter Leitung von Prof. Udo Schickhoff und Dr. Maria Bobrowski die Umweltveränderungen in der Hochgebirgsregion und die kulturelle und religiöse Diversität von Nepal und dem Himalaya erforschen.

Auf einer viertägigen Trekking-Tour ins obere Manaslu-Tal holte sie das Coronavirus ein. Nepal drohte die Grenzen zu schließen und die Leitung der Universität forderte die Gruppe auf, schnellstmöglich nach Deutschland zurückzufliegen, um nicht in dem Land festzusitzen.

Der Manaslu ist der achthöchste Berg der Erde. Fünf der Hamburger ließen sich mit dem Hubschrauber nach Kathmandu ausfliegen; für die meisten Studierenden war der Flug aber unerschwinglich. Sie machten sich zu Fuß auf den vier Tage dauernden Rückweg nach Kathmandu. Die meisten aus der Gruppe – insgesamt waren es 14 Frauen und elf Männer – sind mittlerweile auf der Heimreise nach Deutschland.

Zwölf Studierende befinden sich mit der Exkursionsleiterin noch im Sunny Hotel in Thamel, Kathmandu. Es geht ihnen gut, sie werden von dem einheimischen Guide der Nepal-Exkursion, Rajan Dahal, betreut. Nun haben sie für den 29. März einen Rückflug nach Deutschland mit Qatar Airways buchen können – und hoffen, dass er auch geht. Für den Notfall haben sie sich auf die Rückhol-Liste des Auswärtigen Amtes setzen lassen.

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Hamburger auf den Philippinen suchen über Instagram Hilfe

Derweil starten fünf junge Hamburger, die ebenfalls festsitzen, einen Hilferuf über Instagram: Sie sind auf der Insel Cebu auf den Philippinen gestrandet und sichtlich verzweifelt. Am Dienstagmorgen seien drei angekündigte Rückholflüge von Cebu zum Flughafen Köln/Bonn storniert worden, sagt Elnaz Mahmudnoruzy, die Teil der Gruppe ist.

Wie die 23-Jährige sagt, fällt es den Reisenden zunehmend schwer, noch Hoffnung zu schöpfen: „Man wacht hier fast jeden Tag mit einer schlechten Nachricht auf. Die Stimmung hat einen Nullpunkt erreicht. Es gibt keine validen Informationen“, fasst die Hamburgerin ihre Lage zusammen. Das Auswärtige Amt würde den Eindruck vermitteln, dass die Rückholaktion voranginge. Davon spürten sie auf Cebu nichts.

Informationen suche sich die Reisegruppe auf diversen Portalen zusammen. Dazu zählten die Seite der deutschen Botschaft in Manila, deren Instagramseite und eine Whats-App-Gruppe. Mitglieder in dieser Gruppe seien etwa 240 ebenfalls in Cebu gestrandete Personen. Mittlerweile wisse sie nicht mehr, was sie noch glauben könne, so Mahmudnoruzy. Die Informationen änderten sich täglich mehrfach.

Derzeit befinden sich die fünf Hamburger in einer inoffiziell gemieteten Wohnung in der Nähe des Flughafens. Offiziell dürften keine Wohnungen mehr vermietet werden. „Wir gehen lediglich zum Einkaufen bzw. Essen vor die Tür“, sagt Mahmudnoruzy.

Nur ihre Smartphones verbindeten die Hamburger derzeit mit der Außenwelt. Mit ihren Arbeitgebern stünden sie in Kontakt. Doch da sich die Informationen so häufig änderten, sei es schwierig vorherzusagen, wann sie ihren Rückflug antreten können. „Wir wünschen uns nur eine klare und verlässliche Aussage. Unsere Nerven liegen blank!“, sagt Mahmudnoruzy.

Nach Horror-Aufenthalt auf Zypern: Hamburgerin wieder zu Hause

Eine Hamburgerin, die in einem Hotel auf Nordzypern gestrandet war, konnte nach 14-tägiger Quarantäne die Heimreise antreten: Carolina Prigge, die mit ihrem 90 Jahre alten Großvater verreist war, stieg am Dienstagmittag schließlich in den Flieger, der sie zunächst nach Stuttgart bringt.

Bereits am zweiten Tag ihres Urlaubs wurde ihr Hotel unter Quarantäne gestellt. Eine deutsche Urlauberin, die im selben Hotel untergebracht war, hatte sich mit SARS-CoV-2 infiziert. Die 23 Jahre alte Hamburgerin war zwischenzeitlich ebenfalls in einer Klinik gelandet, nachdem sie Symptome gezeigt hatte. Ihr Testergebnis war jedoch negativ.

Hamburger Paar war in Panama City gestrandet

Auch für zwei Hamburger, die in Panama City gestrandet waren, endete die Reise glimpflich. Am Sonntag und damit wenige Stunden, bevor Panama den Flugverkehr vollständig eingestellt hat, haben es Janina Potratz und ihr 31 Jahre alter Freund Stefan Ubben zurück nach Hause geschafft.

Hilfe kam dabei letztendlich nicht von der deutschen Botschaft, sondern von Potratz‘ Bruder. Der hatte über Air France einen der letzten Flüge Richtung Hamburg organisiert, nachdem ihr geplanter Rückflug storniert worden war. Zwei Tage lang reisten Potratz und Ubben von Panama über São Paulo und Paris zurück nach Hamburg. „Insgesamt war es absolut nicht erholsam und ein Auf und Ab der Gefühle. Wir sind gerade dabei die Situation zu verarbeiten“, sagt Potratz dem Abendblatt.

Die Reise sei von Anfang an von der Corona-Krise überschattet gewesen, sagte die 29-Jährige: Bei seiner Ankunft in Panama am 13. März wurde bei dem Paar bereits Fieber gemessen. Ab dem 15. März habe in Panama Ausnahmezustand geherrscht: Strände, Inseln und Nationalparks wurden gesperrt.

Von Panama nichts gesehen

Unterstützt hätten sie in dieser schwierigen Lage ihr freundlicher Gastgeber sowie die anderen Gäste in der kleinen Unterkunft in Panama City, die ebenfalls aus Deutschland kamen. „Die Ungewissheit darüber, was passiert und dass man ein Spielball ist, waren das Schlimmste“, so Potratz.

Die beiden Hamburger hätten in ständigem Kontakt zur deutschen Botschaft, dem Auswärtigen Amt und Mitgliedern der Facebookgruppe „Reisen in Panama“ gestanden. Ursprünglich hatte das Paar eine Rundreise durch Panama geplant. Von dem Land hätten die beiden während ihres Aufenthalts nichts gesehen.

Kreuzfahrtschiff mit Bad Bramstedtern findet keinen Hafen

Von einer Rückkehr in den Norden Deutschlands können zwei Bad Bramstedter nur träumen: Ihre Südamerika-Kreuzfahrt von Buenos Aires nach Lima hat eine abenteuerliche Wendung genommen.

Die Fahrt auf der "Azamara Pursuit", an der Jürgen Axt und seine Begleitung teilnahmen, wurde wegen der Corona-Krise am 14. März abgebrochen. Der Plan war es, in Valparaiso, Chile, auszusteigen und von Santiago zurück in die Heimat zu fliegen. Alle Reisenden hätten daraufhin neue Flüge gebucht, sagt Axt.

Schiff steuert nun Miami an

Die chilenischen Behörden sollen ihre Genehmigung jedoch kurzfristig zurückgezogen haben. Dabei gebe es keine Infektionen auf dem Schiff. Die Passagiere gingen daraufhin in Valparaiso nicht an Land, das Schiff sei lediglich mit Treibstoff betankt und mit frischen Lebensmitteln versorgt worden, wie Axt berichtet.

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Und das sei nötig gewesen, denn vor Südamerika sei die Suche nach einem Hafen, an dem die Passagiere aussteigen dürfen, erfolglos geblieben. Das Schiff sei nun auf dem Weg durch den Panamakanal und steuere Miami an.

Dort, so wurde Axt mitgeteilt, lege das Kreuzfahrtschiff spätestens am 30. März an. Der Bad Bramstedter ist sich da noch nicht so sicher: „Bedrückend ist die Ungewissheit, wie es weitergeht“, sagt er. Die Reederei kümmere sich dennoch gut um die Reisenden, es gebe ausreichend Essen und Trinken.