Hamburg

Corona-Quarantäne, Tag 9: Jetzt sind alle positiv

Das Pulsoximeter misst den Sauerstoffgehalt im Blut.

Das Pulsoximeter misst den Sauerstoffgehalt im Blut.

Foto: Elisabeth Jessen

Abendblatt-Redakteurin versorgt kranke Familienmitglieder – und ist nun selbst positiv getestet worden. Symptome hat sie kaum.

Hamburg. Manchmal bringt ein Anruf die ersehnte Befreiung. Mein Corona-Test sei positiv, sagte mir am Montagmittag eine sehr freundliche Ärztin aus dem Gesundheitsamt. Also habe ich mir meine Kopf- und Halsschmerzen und die Appetitlosigkeit, die mich seit neun Tagen begleiten, doch nicht eingebildet. Die klassischen Symptome Husten, Fieber, Gliederschmerzen, die die anderen drei Familienmitglieder inzwischen ereilt haben, hatte ich nie. Der Laden hier läuft weiter – ich sitze jeden Tag am Schreibtisch. Gegessen wird ohnehin wenig – Corona-Kranke haben wenig Appetit.

Noch ein anderes Problem hat uns beschäftigt: die Sauerstoffsättigung im Blut. Unser Corona-Haushalt solle sich so ein Pulsoximeter zulegen, hatte die Ärztin gesagt, die in unserer Familie in der Nacht zu Sonntag einen Hausbesuch gemacht und Abstriche vorgenommen hatte. Weil mein Mann mit 61 schon zur Risikogruppe gehört, sei so ein Gerät von Vorteil, sagte sie, nachdem sie ihn untersucht hatte. Mit diesem kleinen Gerät kann man die Sauerstoffsättigung im Blut kontrollieren – diese kann nämlich in den fortgeschrittenen Tagen der Covid-19-Infektion schlechter werden. Dann muss man möglicherweise ins Krankenhaus.

Ist ein Familienmitglied mit Corona infiziert, steckt es alle anderen an

Also bestellten wir es noch in derselben Nacht bei einem deutschen Versandhandel für Gesundheitsbedarf im Internet, der eine Lieferung noch in dieser Woche in Aussicht stellte. 800 Bestellungen, aber nur 120 Teile lagernd, war leider am Montagmorgen die telefonische Auskunft des Unternehmens. In unserem Vier-Personen-Haushalt gibt es nun zwei positiv bestätigte Fälle von Covid-19, dazu einen Risikopatienten, der vor vier Tagen mit klassischen Symptomen erkrankt ist, und seit diesem Montag einen weiteren fiebernden Sohn. Die Durchseuchung unserer Familie schreitet voran.

Der Virologe Christian Drosten hatte in einem Interview gesagt: „Wenn eine Person im Haushalt positiv getestet wurde, könnten wir den ganzen Haushalt als positiv definieren – auch ohne Test. Weil man einfach weiß, dass es so eintreten wird: Ist ein Familienmitglied infiziert, steckt es alle anderen an. Sagt man gleich, die sind alle positiv, spart man sich viel Testaufkommen.“

Es ist wichtig, den Sauerstoffgehalt zu überprüfen

Aber ohne den Besuch der Ärztin wüssten wir eben auch nicht, dass es wichtig ist (vor allem für unseren Risikopatienten), den Sauerstoffgehalt zu überprüfen. Ein Lob an dieser Stelle auf den stationären Einzelhandel. Die Apotheke unseres Vertrauens konnte uns so ein Gerät verkaufen. Es war teurer als zum Beispiel mein Stabmixer, aber ein nicht lieferbares preiswertes Gerät nützt ja nichts. Unser lieber Nachbar Volker, der uns wie viele Nachbarn und Freunde versorgt, hat es abgeholt.

Lesen Sie auch:

Am späten Nachmittag kamen schließlich die beiden fehlenden Testergebnisse – die ich ohnehin erahnte: Alle haben Covid-19. Meine angeordnete Quarantäne soll am 29. März enden, sagte die Ärztin des Gesundheitsamtes. Zwei Tage vorher könne ich „Entisolierung“ beantragen. Was es damit auf sich hat, werde ich noch klären.

Und bis dahin: Bleiben Sie gesund!