Coronavirus

Was Hamburger Rheumatologen jetzt ihren Patienten raten

Dr. Peer Aries ist Hamburger Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Rheumatologen.

Dr. Peer Aries ist Hamburger Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Rheumatologen.

Foto: Privat

Wer an Rheuma leidet, gehört zur Risikogruppe für eine COVID-19-Infektion. Welche Fragen diese Patienten zurzeit am meisten bewegen.

Hamburg. Die Hamburger Rheumatologen sorgen sich angesichts der Corona-Infektionen um ihre Patienten. Denn Rheumakranke zählen gleich mehrfach zur Risikogruppe für eine COVID-19-Infektion. Erstens gehören sie zu den chronisch Kranken, zweitens sind häufig ältere Menschen von dieser Volkskrankheit betroffen und drittens: "Alle unsere Therapien unterdrücken das Immunsystem. Das birgt für die Patienten ein erhöhtes Infektionsrisiko", sagt Dr. Peer Aries, Hamburger Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Rheumatologen, dem Abendblatt.

Die wichtigste Frage, die diese Patienten bewegt: Soll ich meine Therapie absetzen? Der Rheumatologe rät dringend davon ab, dies ohne Rücksprache mit dem Arzt zu tun. Denn es bestehe die Sorge, dass dann die rheumatische Entzündung stark zunehme, so Aries: "Und eine starke Entzündung ist ein weiterer Risikofaktor für eine Infektion. Wenn möglich, lassen die Hamburger Rheumatologen die Therapie so, wie sie ist und nehmen zurzeit keine Reduktionen oder Erhöhungen der Medikamente vor, wenn es nicht unbedingt notwendig ist.

Coronavirus: Attest über Zugehörigkeit zur Risikogruppe ausstellen lassen

Die Rheumatologen empfehlen ihren Patienten in der jetzigen Situation, Termine in den Praxen zu verschieben, wenn die Therapie stabil laufe und die Krankheit gut unter Kontrolle sei. "Wenn gerade erst eine Therapie begonnen wurde oder akute Probleme auftreten, empfehlen wir eine Vorstellung in unserer Sprechstunde", sagt Aries. Es würden auch schon Videosprechstunden propagiert, aber diese seien zurzeit aus technischen Gründen überlastet.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Um sich zu schützen, rät der Mediziner den Patienten, zu Hause zu bleiben und unnötige Arztbesuche und Kontakte zu vermeiden. "Aber wenn jemand beim Arzt ist, sollte überprüft werden, ob eine Impfung gegen Pneumokokken sinnvoll ist." Pneumokokken sind Bakterien, die Lungenentzündungen auslösen können. Älteren Menschen wird empfohlen, sich dagegen impfen zu lassen.

Die Patienten sorgen sich auch darum, wie stark sie an ihrem Arbeitsplatz gefährdet sind. "Unsere Patienten sollten möglichst keinen Arbeitsplatz haben, der ein erhöhtes Risiko für eine Infektion birgt", sagt Aries.

Eine vorsorgliche Krankschreibung sei zwar nicht möglich, es könne aber ein Attest über die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe ausgestellt werden. "Aufgabe des Arbeitsgebers ist es, die Patienten so einzusetzen, dass sie kein höheres Infektionsrisiko haben als andere", sagt der Rheumatologe.

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