Hamburg im Ausnahmezustand

So schützen Geschäfte ihre Kunden vor einer Corona-Infektion

So wie in diesem Edeka-Niemerszein-Markt an der Langen Reihe gibt es jetzt zum Schutz Plexiglasscheiben an den Kassen.

So wie in diesem Edeka-Niemerszein-Markt an der Langen Reihe gibt es jetzt zum Schutz Plexiglasscheiben an den Kassen.

Foto: Edeka Niemerszein

Viele Filialen setzen auf Einlassbeschränkungen, Abstandsmarkierungen und zudem Plexiglasscheiben an den Kassen.

Hamburg.  Vor dem Edeka-Markt an der Osterstraße/Ecke Heußweg hat sich eine Schlange gebildet. Vor der Tür steht eine Sicherheitskraft. Immer, wenn ein Kunde den Laden verlässt, wird ein neuer reingelassen. „Wir haben für jede unserer Filialen je nach Größe eine maximale Kundenanzahl festgelegt“, sagt Frank Ebrecht von Edeka Niemerszein.

Gesteuert werde die Beschränkung über die Anzahl der Einkaufswagen, den jeder Kunde nutzen muss – und die gleichzeitig als Abstandhalter funktionieren. An allen Kassen wurden weitere Schutzmaßnahme vor dem Coronavirus installiert, die Kassierer sitzen jetzt hinter Plexiglasscheiben. „Die Maßnahmen klappen sehr gut und unproblematisch“, sagt Ebrecht. „Die Kunden sind froh, ohne engen Kontakt einkaufen zu können, und unsere Mitarbeiter sind erleichtert.“

Corona-Schutzvorkehrungen in den Geschäften

So wie in den neun Niemerszein-Filialen werden gerade in den meisten Supermärkten, Drogeriefilialen und Baumärkten Schutzvorkehrungen getroffen. Denn auch, wenn die Menschen zu Hause bleiben sollen, einkaufen müssen sie immer. Sollte es zu einer Ausgangssperre kommen, werden die Geschäfte sogar zum einzigen sozialen Treffpunkt. Doch schon in den vergangenen Tagen waren die Läden oft voll – und längst nicht alle Kunden halten sich an das dringende Gebot, Abstand zu halten. Zum Schutz aller helfen die Läden jetzt nach.

Eine originelle Lösung hat sich auch Ronaldt Stoltze vom gleichnamigen Edeka-Markt in Bramfeld einfallen lassen. Hier werden die Kunden jetzt durch den Wareneingang rein und den Haupteingang nur noch rausgelassen, damit sich keiner entgegenkommen muss. „Wir haben jetzt quasi Einbahnstraßenverkehr, das klappt gut“, sagt Stoltze. Ein Mitarbeiter vor dem Geschäft weise den Kunden, die ebenfalls alle einen Einkaufswagen nutzen müssen, den Weg. An die Kassen wurden auch Plexiglasscheiben angebracht, zusätzlich habe man schwarz-gelbe Markierungen auf den Boden vor den Kassen sowie vor der Frischetheke geklebt, damit alle Abstand halten.

Stabile Versorgungslage

Zu diesen Mitteln wird auch in den Rewe- und Penny-Filialen gegriffen. „Wir statten sukzessive alle Märkte mit Abstandsmarkierungen von 1,5 bis zwei Metern sowie durchsichtigen Schutzscheiben an den Kassen aus“, sagt Sprecherin Kristina Schütz. Zudem gebe es, wie in den meisten Geschäften, Schilder, auf denen auf die Abstandsregeln, Handhygiene und die korrekte Husten- und Nies-Etikette hingewiesen werde.

Und den dringenden Appell, sich auch wirklich daran zu halten. Einlassbeschränkungen, wie es sie beispielsweise auch in den zwölf Märkten von Edeka Struve gibt, sind aber nicht geplant – zumindest noch nicht. „In Anbetracht der stabilen Versorgungslage und der unverändert kundenfreundlichen Öffnungszeiten sehen wir derzeit keine Notwendigkeit für Sonderzugangsregelungen“, sagt Schütz.

Einlassbeschränkungen bei Rossmann

Anders sieht es bei den Drogeriemarktketten dm und Rossmann aus. Hier gibt es teilweise Einlassbeschränkungen, je nachdem, wie groß der Andrang in den einzelnen Märkten ist. Die Kunden werden gebeten, nicht mit Bargeld und mit Karte möglichst kontaktlos zu bezahlen. Budni bittet seine Kunden zudem, die Produkte „zügig auf das Kassenband“ zu legen und wieder einzupacken. „Als weitere Maßnahme stehen die Wickeltische, Tester/Teststationen, Fototerminals, Kundentoiletten sowie Kaffeeautomaten aus hygienischen Gründen nicht mehr zur Verfügung“, teilt Rossmann mit. Abstandsmarkierungen und Spritzschutz an den Kassen soll es nach und nach in allen Filialen der drei Drogeriemarktketten geben.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Eine solche Möglichkeit gibt es auf den Wochenmärkten, die ebenfalls weiter öffnen dürfen, nicht. Mit der Folge, dass sich viele Kunden nach wie vor vor den Ständen drängeln. Auf dem ohnehin engen Isemarkt versuchte der Ordnungsdienst des Bezirks Eimsbüttel am Freitagvormittag dafür zu sorgen, dass die Kunden mehr Abstand halten.

Manche Menschen sind weiter sorglos

„Uns überrascht sehr, wie sorglos die Menschen weiterhin sind“, sagt Bezirkssprecher Kay Becker. „Wir appellieren an alle, auf allen Wochenmärkten zwei Meter Abstand zum Vordermann und zu den Verkäufern zu halten. Darauf kommt es jetzt an.“ Die Ordnungsdienstmitarbeiter würden die Kunden „freundlich, aber bestimmt“ darauf hinweisen. Becker: „Wir kontrollieren jetzt, aber wir sind darauf angewiesen, dass alle mitmachen.“

Ein Appell, dem sich Sebastian Kloth, Sprecher des Bezirksamts Bergedorf, nur anschließen kann. „Unsere Wochenmärkte waren am Freitag noch voller als sonst“, berichtet er. Die Marktleiter seien rumgegangen und hätten die Menschen aufgefordert, Abstand zu halten. Auf dem Wochenmarkt in Ottensen wurden dafür am Freitag Pylonen aufgestellt.

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Auf die Möglichkeit, Waren online zu bestellen, weist die Baumarktkette Bauhaus hin. Wer doch in einen Markt muss, in denen es ebenfalls Einlassbeschränkungen gibt, solle die Einkäufe „auf das Notwendige reduzieren“. Allerdings sind Onlinebestellungen generell nicht immer eine Alternative, da es gerade jetzt zu Verzögerungen kommen kann. So teilt beispielsweise dm mit, dass Lieferungen derzeit neun bis zwölf Tage dauern können, statt üblicherweise zwei bis drei Tage. Und bei Rewe gibt es bis April gar keine freien Liefertermine mehr.

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Die vollen Geschäfte sind vor allem für Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, problematisch. Auch hier versuchen die Läden zu helfen. So wollte die Edeka-Filiale an der Großen Bergstraße am Sonntag ausschließlich für ältere Kunden zwei Stunden lang öffnen. Eine zusätzliche Sonntagsöffnung wurde jedoch von der Zentrale Edeka Nord untersagt, zum Schutz der Mitarbeiter, von denen viele schon „an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angekommen“ seien. Michael Le von der Heitmann-Filiale in Altona hat dafür zwar Verständnis, bedauert es aber, die spontane Nachbarschaftshilfe nun nicht anbieten zu können. „Mein Team wollte das gerne machen“, sagt Le. Er und seine Mitarbeiter arbeiten jetzt an anderen Ideen, um ihren älteren Kunden doch noch zu helfen.