Corona

Kreuzfahrt-Weltreise endet im Schiffsarrest für Hamburger

Auf dem Kreuzfahrtschiff MSC Magnifica finden 2550 Passagiere Platz.

Auf dem Kreuzfahrtschiff MSC Magnifica finden 2550 Passagiere Platz.

Foto: picture alliance / Egon Bömsch

Urlauber sitzen auf Kreuzfahrtschiffen fest. Was sie erleben und wie die Reedereien sie jetzt nach Hause holen wollen.

Hamburg. Es sollte eine Weltreise in den Ruhestand werden. Doch für den Hamburger Journalisten und Manager Uwe Dulias wurde die Kreuzfahrt auf der MSC "Magnifica" vor Australien zum Schiffsarrest. „Ein Gefühl fast wie früher an der Mauer der DDR“, sagt er. Nicht nur, dass die geplanten Ziele praktisch ins Wasser gefallen sind. Barrier Reef? Bali? Mumbai? Gestrichen. „Keiner durfte von Bord – oder nicht wieder zurück“, sagt Dulias.

Nach Tagen der Unsicherheit und der vorsorglichen Quarantäne vor der australischen Küste hat MSC die Kreuzfahrt der "Magnifica" mit rund 2000 Gästen am Mittwoch offiziell für beendet erklärt. Die ersten Passagiere fliegen am Donnerstag via Melbourne zurück. Uwe Dulias hat sich derweil entschieden, auf gut Glück noch drei weitere Wochen an Bord zu bleiben und dann, wie nunmehr geplant, in Dubai auszusteigen.

Auch Kreuzfahrer müssen ihre Heimreise antreten

„Wir cruisen weiter mit bis Dubai, hoffentlich“, fügt er hinzu. Die Reederei zahle dafür eine kulante Entschädigung. Die jetzt Abreisenden erhalten 35 Prozent des Reisepreises und den Rückflug erstattet. Während Zehntausende Landurlauber in der größten Rückholaktion der deutschen Geschichte nach Deutschland geflogen werden, müssen auch Kreuzfahrer ihre Heimreise antreten. Vielfach helfen ihnen die Reedereien dabei.

So organisiert die Flugabteilung von Hapag-Lloyd Cruises die Rückkehr von rund 300 Gästen auf der MS "Europa". Aufgrund der Streichung von Linienflügen würde nun ein Charter organisiert, sagt Karen Schmidt von der Presseabteilung. Die Seepassage endet am Freitag in Mexiko. Vom 21. März stellt Hapag-Lloyd Cruises mit Sitz in Hamburg den Betrieb aller fünf Schiffe ein – voraussichtlich bis zum 28. April.

Emotionale Momente gab es derweil auf der "Mein Schiff 2" in der Karibik. Für Crew und Passagiere hieß es, Abschied zu nehmen. Rückkehr – ungewiss. „Der schwere, ungewollte Abschied für Gäste und Crew war einer der emotionalsten Momente, die ich je erlebt habe“, sagte ein leitendes Crew-Mitglied.

TUI Cruises holt als Erstes Gäste der "Mein Schiff 1" von Barbados zurück

Wie eine Sprecherin von TUI Cruises mit Sitz in Hamburg betonte, werde als Erstes die sichere Rückreise der Gäste der "Mein Schiff 1" von Bridgetown (Barbados) durchgeführt. Sie soll heute abgeschlossen werden. „Die Rückreisen der 'Mein Schiff 2' werden voraussichtlich noch einige Tage in Anspruch nehmen.“

Die gesamte Flotte wird bis zur Wiederaufnahme des Betriebs in geeignete Häfen gebracht. Ein Teil der Besatzung werde dafür an Bord bleiben. Der frühere TUI-Cruises-Kapitän, Kjell Holm, machte derweil auf Facebook Mut: „Da ist immer Licht am Ende des Tunnels.“

„Zaandam“ der Holland Amerika Line sitzt in Chile fest

Für 17 Deutsche ist die Kreuzfahrt unterdessen zur Odyssee geworden. Eine Hamburgerin Seniorin sitzt seit einigen Tagen auf der „Zaandam“ der Holland Amerika Line fest – und zwar vor Punta Arenas (Chile). Nach letztem Stand versucht der Kapitän nach Valparaiso zu fahren. „Es besteht aber die Gefahr, dass wir bis zu 30 Tage nicht nach Deutschland kommt“, fürchtet die frühere Mitarbeiterin der Schenefelder Verwaltung.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte AIDA Cruises mit Sitz in Warnemünde mitgeteilt, die Saison vorübergehend mit Anfang April zu unterbrechen. „Alle derzeit stattfindenden Kreuzfahrten werden sukzessive beendet. In den nächsten Tagen werden auch die letzten Kreuzfahrten in geeigneten Häfen beendet, um den Gästen das Aussteigen und die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen“, sagte eine Sprecherin auf Abendblatt-Anfrage. Oberstes Anliegen sei es, die Gäste sicher nach Hause zu bringen. Auch für die AIDA-Schiffe werden geeignete Häfen als Aufenthaltsort genutzt.

Ganz ohne Passagiere ist derzeit die MS "Hamburg" der Bremer Reederei Plantours auf dem Atlantik unterwegs. Sie steuert den seit zwei Jahren geplanten Werftaufenthalt in Lissabon an, betonte Reederei-Sprecher John Will. Alle Passagiere sind mit dem Ende der Reise auf Teneriffa wieder zurückgekehrt.