Coronavirus

Wie Virologe Christian Drosten zum Podcast-Star wurde

| Lesedauer: 3 Minuten
Lars Haider
Christian Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin. Sein Podcast zählt 800.000 Aufrufe.

Christian Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin. Sein Podcast zählt 800.000 Aufrufe.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Der Charité-Forscher erklärt im Podcast alles Wichtige zur Pandemie. Erfunden hat die Serie ein Hamburger Journalist.

Hamburg. Norbert Grundei und Christian Drosten haben sich persönlich noch nie getroffen. Trotzdem ist dem Mann vom NDR, also Grundei, und dem zurzeit mit Abstand bekanntesten Wissenschaftler Deutschlands, also Drosten, das Medienformat des Jahres gelungen: Der Podcast „Coronavirus-Update“, in dem der Virologe von der Berliner Charité von Montag bis Freitag erklärt, was es Neues und Wichtiges zur Pandemie gibt, wird von Hunderttausenden Menschen gehört – entweder im Internet oder über Radiosender wie NDR Info, NDR 2, N-Joy, Bayern 5.

Selbst auf der Video-Plattform YouTube hatte die beste Folge der Sendung, die man nur hören (!) und nicht sehen kann, rund 800.000 Abrufe. Und die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Grundei neulich übermittelt, dass der von ihm erfundene Podcast weltweit die beste Form von Informationen über das Virus vermittele.

Christian Drosten hat inzwischen den Status eines Popstars

Während Christian Drosten, der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn berät, in Deutschland inzwischen den Status eines Popstars hat (Zitat aus den sozialen Medien: „Kann Drosten Kanzler?“), kennt man Norbert Grundei vor allem in der Radio- und Medienszene. Dort ist der Hamburger für außergewöhnliche, oft mit dem Deutschen Radiopreis ausgezeichnete Formate bekannt, leitet nicht nur den Jugendsender N-Joy des NDR, sondern auch dessen sogenanntes Audio Lab.

Dort werden neue Ideen gesammelt und umgesetzt. Christian Drosten war Norbert Grundei vor einigen Wochen, als Corona noch wie ein rein chinesisches Thema schien, aufgefallen. „Ich habe ihn unter anderem in einem Gespräch mit TV-Moderator Jörg Thadeusz gesehen und fand ihn als Typ großartig“, sagt Grundei.

Er recherchierte über Drosten, und fand heraus, was heute fast deutsche Allgemeinwissen ist: Nämlich, dass der 48-Jährige zu den führenden Virologen nicht nur in Deutschland gehört, dass er das SARS-Virus mitentdeckt und einen Corona-Test entwickelt hat. „Und dann habe ich irgendwo gelesen, dass es Christian Drosten wichtig ist, dass die Menschen über wissenschaftliche Erkenntnisse aus einer seriösen, zuverlässigen Quelle informiert werden“, sagt Norbert Grundei. „Spätestens da hatte ich die Idee, mit ihm einen täglichen Podcast zu Corona zu machen.“

Christian Drosten antwortete innerhalb von zwei Stunden

Die Kontaktaufnahme begann mit einer förmlichen Mail: „Sehr geehrter Herr Professor, wahrscheinlich haben Sie keine Zeit dafür, aber könnten sie sich vorstellen…“ Grundei sagt, dass er weder mit einer schnellen Antwort noch mit einer Zusage gerechnet habe. Doch tatsächlich antwortete Drosten innerhalb von zwei Stunden: „Bin diese Woche noch unterwegs. Idee finde ich super, können nächsten Montag anfangen.“

"Coronavirus-Update" gehört zu den ganz großen Podcasts in Deutschland

So begann der Podcast, der inzwischen zu den ganz großen in Deutschland gehört. Aufgezeichnet wird er meist am Vormittag. Die Moderatorinnen, entweder Korinna Hennig oder Anja Martini, sitzen in Hamburg, Drosten in der Regel in seinem Institut in Berlin.

Anfänglich wurden die Gespräch mit einem iPhone aufgenommen, inzwischen hat der Virologe ein iPad mit einem Mikrofon bekommen, es hört sich an, als würde er mit den Moderatorinnen im Studio sitzen. Die sind übrigens Wissenschaftsredakteurinnen. „Es war Christian Drosten sehr wichtig, dass er nicht über banale Dinge befragt wird, sondern wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse erläutern kann“, sagt Grundei, der über den gigantischen Erfolg des „Coronavirus-Update“ selbst überrascht ist: „Ich dachte, das wird so ein kleines Ding ...".

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg