Corona-Krise in Hamburg

Senator lädt Kinder in die Schule ein – Gewerkschaft empört

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Ties Rabe lädt Kinder ein, in die Schule zu gehen, "bevor sie sich im Einkaufszentrum anstecken". Das sorgt für Irritationen.

Hamburg. Mit einem kurzen, am Montag bei YouTube publizierten Video hat Schulsenator Ties Rabe (SPD) für Irritationen gesorgt. In der „Corona Spezial Edition“ seiner Videoreihe „Frag den Rabe“ erklärt der Senator, dass die Notbetreuung an Hamburger Schulen allen Kindern offenstehe, nicht nur solchen, deren Eltern in Krankenhäusern und bei Feuerwehr oder Polizei arbeiten.

Rabe sagt in dem Video: „Es kann manchmal sein, dass einem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt oder irgendetwas anderes passiert. Bevor die Kinder in Hamburg durch die Einkaufszentren ziehen und sich dort anstecken, ist die Schule vermutlich der sicherere und bessere Ort.“ Es gebe derzeit keine Begrenzung, alle Kinder würden betreut.

GEW kritisiert Schulsenator

„Das ist ein völlig falsches Zeichen des Senators! So wird der nötige Schutz vor Ansteckung ad absurdum geführt“, kritisiert Anja Bensinger-Stolze, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Kindertagesstätten machten vor, wie es gehe.

„Schulen sollten wie diese nur zur Notbetreuung für die Kinder von Beschäftigten, die in der Daseinsvorsorge arbeiten, geöffnet sein. Wir fordern den Senator auf, seine Botschaft in diesem Sinne richtigzustellen“, sagte Bensinger-Stolze. Die GEW fordert auch, schulische Beschäftigte aus Risikogruppen (ältere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Vorerkrankungen) von der Tätigkeit in der Notbetreuung auszunehmen.

Schulbehörde weist Vorwürfe zurück

Die Lehrergewerkschaften Hamburg (dlh) werfen Rabe vor, mit diesem Vorschlag konterkariere er „alle Eindämmungsversuche gegen das Virus durch die Schulschließungen“. In einer Erklärung verlangt der Vorstand der Lehrergewerkschaft Hamburg vom Senator eine Klarstellung in einem weiteren Video.

Die Schulbehörde weist die Vorwürfe als „unbegründet“ zurück: „Vorerst können alle Eltern, die aus familiären Gründen darauf angewiesen sind, diese Notbetreuung in Anspruch nehmen.“ Sie gelte nur für Kinder bis 14 Jahre sowie für die kleine Gruppe älterer Jugendlicher mit speziellem sonderpädagogischem Förderbedarf. „Wir appellieren in dieser besonderen Situation jedoch an Sie, ihre Kinder nur in Notfällen zur Schule zu schicken. Dabei ist natürlich die Voraussetzung, dass die Kinder gesund sind und die Ferien nicht in einem Corona-Risikogebiet verbracht haben. Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, darf die Schule 14 Tage nicht betreten.“

( HA )

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