Corona-Krise in Hamburg

Verdachtsfall – doch Arztruf und Behörden sind unerreichbar

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Elisabeth Jessen
Eine Ärtzin testet Proben auf das Corona-Virus (Symbolbild).

Eine Ärtzin testet Proben auf das Corona-Virus (Symbolbild).

Foto: picture alliance/Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/ZB

Über die erfolglosen Versuche, den kranken Sohn nach dem Skiurlaub im Risikogebiet Tirol testen zu lassen.

Hamburg.  Um 11.41 Uhr weicht die Skiurlaubsbräune aus meinem Gesicht. Denn genau in dieser Minute ploppt im Familienchat die WhatsApp meines 17 Jahre alten Sohnes auf, der oben in seinem Bett liegt, obwohl er längst Aufgaben erledigen soll, die seine Lehrerin geschickt hat. Er schreibt von Gliederschmerzen und das Fieberthermometer steht bei 38,1 Grad. Sein Husten der letzten Tage hatte uns noch nicht ernsthaft beunruhigt, doch nun haben wir einen Verdachtsfall in unseren vier Wänden.

Seit Sonnabend sind wir zurück aus dem Skiurlaub in Tirol und haben uns pflichtbewusst sofort in die häusliche Quarantäne zurückgezogen. Während unsere Söhne (ein Abiturient und ein Student, dessen Semesterstart auf den 20. April verschoben wurde), seither viel mit Freunden online gechattet haben, sind mein Mann und ich dabei, uns im Homeoffice einzurichten. Aber nun hat das Thema Corona plötzlich noch mal einen ganz anderen Stellenwert.

Unzählige Male fliege ich aus der Leitung

„Beim Auftreten von typischen Erkältungssymptomen sollten sie sich telefonisch unter 116 117 (Arztruf) beraten lassen und auf ärztliches Anraten eine diagnostische Abklärung vornehmen lassen“, heißt es von der Hamburger Gesundheitsbehörde. Diese Nummer kenne ich ohnehin seit Tagen auswendig. Dass man sie aber absolut vergessen kann, muss ich an diesem Montag leider auch erkennen.

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Erster Versuch um 11.57 Uhr. Nach einer 3,16 Minuten langen Ansage, in der ich nur Dinge über das Coronavirus erfahre, die ich schon weiß, und nachdem ich automatisch mit der regionalen Servicestelle verbunden wurde, werde ich aus der Leitung geschmissen. Bei einem weiteren Versuch geht sogar mal ein echter Mensch vom bundesweiten Arztruf an den Apparat und sagt, in Hamburg sei seit ein paar Tagen unglaublich viel los und er verbinde mich gern weiter. Doch bei dem Versuch fliege ich aus der Leitung. Das passiert unzählige Male.

Angegebene Nummer ist leider nicht vergeben

Aus früheren Recherchen weiß ich, dass ich mich auch an das örtliche Gesundheitsamt wenden kann. Also google ich das zuständige Amt in Eimsbüttel. Als Ergebnis ploppt das Gesundheitsamt Hamburg-Mitte auf. Die angegebene Nummer ist leider nicht vergeben, als ich sie wähle. Später hebt auch unter der Nummer in Eimsbüttel niemand ab.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Ein weiterer Versuch ist die zentrale Behördennummer 115. „Wir lieben Fragen“, sagt die Stimme vom Tonband. Nur meine leider nicht. Die Ansage wechselt zwischen „Bitte haben Sie noch etwas Geduld.“ und „Einen Moment bitte, wir sind gleich für Sie da.“ Niemand hebt ab, obwohl ich dem Tonband eine Viertelstunde lang zuhöre.

Viele vergebliche Versuche

Danach rufe ich erst mal unsere Freunde an, mit denen wir im Urlaub waren. Beide sind Ärzte und sitzen ebenfalls in häuslicher Quarantäne. Sie und ihre Kinder sind noch ohne Symptome, haben sich aber gleichwohl beim Gesundheitsamt erkundigt, ob es Sinn ergibt, sich testen zu lassen, um eventuell früher in ihre Arztpraxen zurückkehren zu können. Im Rahmen der Risikoabwägung zwischen der Ansteckungsgefahr und der notwendigen Tätigkeitsaufnahme könne eine Verkürzung der Testzeit nach negativer Testung erfolgen. Doch auch ihnen wurde nur der Anruf bei der Nummer 116 117 empfohlen.

Diese Nummer wähle ich an diesem Tag zum xten Mal. Erfolglos. Ich will nun auch gern den hilfreichen Hinweis vom Tonband befolgen, mich im Internet unter 116117.de zu informieren. Gibt man – wie dort angeraten – die Postleitzahl für den ärztlichen Bereitschaftsdienst ein, werden einem mehrere Notfallpraxen in der Umgebung angezeigt. Weil wir aber auf keinen Fall direkt hinfahren können, würde ich gern anrufen. Unter welcher Rufnummer wohl? Genau – alle unter der Nummer 116 117.

Inzwischen ist es Montagabend und das Fieber ist auf 38,7 Grad gestiegen.

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