Ausnahmezustand

Wie Hamburger die Corona-Krise erleben

| Lesedauer: 15 Minuten
Hamburg im Corona-Modus: Im Restaurant Hobenköök steht Desinfektionsmittel bereit. Viele Tische bleiben trotzdem leer.

Hamburg im Corona-Modus: Im Restaurant Hobenköök steht Desinfektionsmittel bereit. Viele Tische bleiben trotzdem leer.

Foto: Michael Rauhe

Wir haben unsere Leser nach ihren Erfahrungen gefragt. Stimmungsbild aus einer Stadt, in der kaum noch etwas ist wie sonst.

100 Prozent Verdienstausfall

Hamburg. Ich habe eine kleine Malschule, die ich nun erst mal schließen muss. Da meine Kunden nur bezahlen, wenn die Kurse auch stattfinden, fallen meine Einnahmen zu 100 Prozent aus. Ich kann die Entscheidung der Regierung verstehen und möchte mich auch solidarisch verhalten, aber es ist schwierig, weil es so plötzlich kommt. Das Rettungspaket der Regierung hilft erst mal nicht. Die Unkosten laufen weiter. Ich würde mich freuen, wenn es für uns Künstler eine klare Regelung gibt, an wen wir uns wenden können um Unterstützung zu erhalten.
Karin Dürmeyer, Norderstedt

Überzogene Panikmache

Mich lässt diese ganze Corona-Geschichte völlig kalt. Das alles ist in meinen Augen eine völlig überzogene Hysterie und Panikmache und wird in unverantwortlicher Art und Weise aufgebauscht ohne Ende. Komischerweise wird immer nur ab und zu ganz kurz quasi in einem Nebensatz erwähnt, dass die allermeisten Fälle sehr milde verlaufen. Aber das ist doch gerade das Entscheidende und könnte die Menschen beruhigen! Stattdessen wird ein Riesentheater gemacht, als ob jede Infektion unweigerlich zum Tode führt! Die Grippe tritt auch pandemisch auf, und an ihr sterben wesentlich mehr Menschen. Komisch, davon spricht kaum jemand! Wenn mich Corona erwischt: Na ja, dann mache ich es durch, kuriere es aus – und gut ist.
Thomas Albrecht, Eimsbüttel

Lob für gute Nachbarschaft

Wir sind vorzeitig aus Südtirol abgereist und haben uns Anfang vergangener Woche, noch freiwillig, in häusliche Isolation begeben. Unsere Nachbarn, Ehepaar, beide über 70 Jahre alt, haben uns umgehend Hilfe beim Einkauf angeboten, eine Extraportion Sauerfleisch gekocht, einen Tulpenstrauß vor die Tür gelegt. Was kann man von guter Nachbarschaft sonst noch erwarten? Wir sind dankbar und gerührt.
Andreas Meyer, Poppenbüttel

Reise mit Hindernissen

Eigentlich wollte ich am 12. März nach Norwegen auf die Lofoten. Aber der eigentliche Flug wurde gestrichen. Dann also ein anderer Flug um 9.30 Uhr nach Kopenhagen. Dort konnten wir wegen Orkanböen nicht landen, weiter nach Göteborg. Nach langer Wartezeit im Flugzeug ging es dann zurück nach Kopenhagen. Von hier aus nach Oslo. Mit der geplanten Maschine um 16.05 Uhr konnten wir nicht fliegen. Also in Oslo warten auf den Flug nach Harstad/Narvik. Auch der hatte Verspätung. Nun war das Boarding um 20 Uhr aufgerufen, als wir von unserer Reiseleiterin gestoppt wurden. Vom Hotel auf den Lofoten kam die Nachricht, wenn wir einchecken, müssten wir für 14 Tage in Quarantäne. Die Gruppe hat sich dann für das Übernachten im Airporthotel Oslo entschieden und Rückflug am nächsten Tag nach Hamburg. Trotz allem hatten wir Glück, denn wenn wir den ursprünglichen Flug bekommen hätten, wären wir nun auf den Lofoten in Quarantäne.
Imke Wallert

Botanischen Garten öffnen!

Als ich am Sonntag mit meiner Frau den Botanischen Garten in Klein Flottbek aufsuchen wollte, um dort nach etlichen Kilometern Autofahrt die Frühlingspracht bewundern zu können, stellten wir fest, dass der Botanische Garten mit dem Hinweis „wegen des Coronavirus heute geschlossen“ nicht zu betreten war. Wer hat sich solch einen Unsinn ausgedacht, Erholungssuchende und Touristen von dieser Hamburger Attraktion auszuschließen?
Dr. Claus Rabe

Wir brauchen geistige Nahrung

Für mich ist es unendlich schade, dass auch alle Gottesdienste im Erzbistum abgesagt wurden. Außer menschlichem Zusammenhalt gibt es kaum etwas, das wohltuender ist als ein Gottesdienst (vor allem, wenn es einem schlecht geht oder wenn man andere Menschen vermisst). Und angesichts des Hasses, der sich ebenfalls wie eine Pandemie ausbreitet und schon viele infiziert hat, gibt es kaum etwas Wertvolleres als die Botschaft von Mitmenschlichkeit und Liebe, die Jesus von Nazareth uns Menschen vor 2000 Jahren hinterlassen hat.

Wir sollten unbedingt schauen, dass wir in den Gemeinden und anderswo telefonisch, per E-Mail und auf anderen Wegen Kontakte halten zu den älteren Menschen, die unter Isolation und Einsamkeit leiden, und dass wir auch die Eltern unterstützen, die nicht so recht wissen, was sie für ihre Kinder tun können.

Und wenn vielleicht in ein paar Wochen auch bei uns genauso wie in Italien fast alles geschlossen werden muss, dann hoffe ich, dass außer den Lebensmittelläden auch die Buchläden noch geöffnet bleiben können, denn Bücher sind geistige Grundnahrungsmittel.
Konstantin Zimmer, Heimfeld

In Kontakt bleiben

Die Situation ist schlimm, die Maßnahmen fachlich begründet, seit der Cholera eine nicht mehr erlebte Tragödie, die uns überraschte. Auf einen sicherlich zweitrangigen Aspekt möchte ich hinweisen. Es ist seit Freitag nicht mehr möglich, Kranke im Krankenhaus zu besuchen. Selbst bei denen, wo der Besuch engster Angehöriger zur Gesundung beiträgt. Das oft vorhandene Handy ist nutzlos, wenn Ältere nicht in der Lage sind, es zu laden oder griffbereit zu haben. Dabei hängt so vieles davon ab, in Kontakt zu bleiben. Die Mitarbeiter(innen) auf den Stationen sind jetzt sicherlich in anderer Weise stark beansprucht, aber es müssten doch Anweisungen gegeben werden, hier mit wenig Aufwand Hilfestellung zu geben. Meine Frau ist, wie ich, verzweifelt und erbricht sich, weil wir uns nicht erreichen. Und das nach dreimonatigem Krankenlager.
Ove Sachse

Schichtdienst im Krankenhaus

Ich arbeite in einem Labor im Krankenhaus im Schichtdienst. Vor Corona konnte ich, wenn ich vom Nachtdienst ausgeschlafen hatte, einkaufen gehen. Jetzt sind alle Regale leer, und ich frage mich, wie ich die nächste Nacht durchstehen soll oder gesund bleiben, ohne frisches Obst und Gemüse. Bei so viel Rücksichtslosigkeit bin ich sprachlos. Und ich benutze nicht mehr die öffentlichen Verkehrsmittel. Ich hätte mir eine besonnenere Berichterstattung durch die Medien gewünscht, dann würden vielleicht bei uns im Krankenhaus nicht Atemmasken und Desinfektionsmittel gestohlen werden.
Angela Wohlgethan

Coronatest für Bahnfahrer

Um eine bessere Kontrolle für einreisende Bahnfahrer aus dem Urlaub zu bekommen, sollten ankommende Fernzüge nicht in Hamburg-Hauptbahnhof halten – oder Türen geschlossen bleiben – und der Zug bis Altona durchfahren. Altona ist Kopfbahnhof. Dort könnte man komplikationslos medizinische Einrichtungen installieren, die für Test und Erfassung geeignet sind. Anschlussreisende nach Norden könnten über bereitgestellte Züge von Altona weiterfahren, Reisende Richtung Lübeck und Büchen könnten mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof zurückfahren und von dort weiter. Diese Maßnahme erfordert zwar etwas Organisation bei der Bahn, aber würde eine Ansteckung verhindern helfen.
Ulrich Fuchs, Stelle-Ashausen

E-Bücher aus der Bücherhalle

Mein Mann und ich, beide Rentner, spazieren und radeln gern, zu Hause haben wir unseren Fernseher, unser Internet und – sehr wichtig – unseren E-Book-Reader. Wir sind Mitglied der Bücherhalle Hamburg geworden und haben uns beraten lassen, welche Geräte infrage kommen, um E-Bücher downloaden zu können. Mit unserer Mitgliedsnummer können wir nun unter onleihe.de/hamburg 20 Bücher gleichzeitig gratis ausleihen. Ohne dafür aus dem Haus gehen zu müssen! Weiter bietet mein Fitnesscenter Onlinekurse an, also kommt auch bei schlechtem Wetter die Bewegung nicht zu kurz. Theater etc. ist sowieso alles gestrichen, nur einkaufen müssen wir ja.

Händewaschen tun wir immer, sobald wir vom Einkaufen nach Hause kommen. Außerdem haben wir Desinfizierungstücher in der Jackentasche, womit wir Türgriffe und Einkaufswagen anfassen. Bargeld ist auch nicht gerade sauber, also bezahlen wir mit Karte.
Adriana Geurts

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Welche Mittel helfen?

Bin Seniorin, gehöre außerdem zu der
Risikogruppe. Ich vermisse eine Mitteilung, welche Mittel man überhaupt gegen Corona nehmen soll, wenn es einen erwischt! Antibiotika helfen wohl nicht und schädigen die Darmflora. Nur etwas nehmen gegen Kopf und Gliederschmerzen???
A.U.-H. Koch

Betreuungsnetzwerk

Ich folge Ihrem Aufruf nach Ideen, die in dieser Zeit der Virus-Infektion helfen könnten: Ich halte es für sinnvoll, all den Eltern, die beide arbeiten und für ihre Kinder Betreuungspersonen suchen, ein digitales Betreuungsnetzwerk anzubieten. Auf kommunaler Ebene (privat aus rechtlichen Gründen nicht, sonst würde ich das auch selbst einrichten) sollte z. B. auf hamburg.de eine Datenbank aufgebaut werden, in die sich Suchende und Anbieter eintragen können. Die Kriterien für eine Betreuungsübernahme sollten auch medizinische, rechtliche Aspekte abdecken. Die persönlichen Daten sollten nach Übereinstimmungskriterien erfolgen, die eine einfache und schnelle Zuordnung ermöglichen. Vielleicht lassen sich so Betreuungsengpässe überwinden.
Detlef Lange

Politiker sollten Vorbild sein

Ich vermisse die Vorbildfunktion unserer Politiker, die wir jetzt mehr denn je brauchen. Bei Pressekonferenzen und Meetings sitzen und stehen sie eng bei­einander, lachen und sprechen, wobei sie wahrscheinlich Tröpfchen verschleudern. Man könnte meinen, dass sie glauben, die diplomatische Immunität gelte auch für das Coronavirus.
Dr. Gabriele Hartmann

Toller Service vom Theater

Ganz toll, das Ernst Deutsch Theater hat a n g e r u f e n , damit wir heute nicht umsonst zur abgesagten Vorstellung kommen.
Änne Wist, Ammersbek

Problem zu lange verharmlost

Hamburg hatte durch die Epidemien in China (Wuhan usw.) und Italien drastisch vor Augen geführt bekommen, wie sich diese auf Leben und Krankenversorgung der Bürger auswirken. In China keimt inzwischen vorsichtig Optimismus auf, dass die Epidemie durch die dortigen konsequenten Maßnahmen beendet werden kann. Anstatt von diesem Beispiel zu lernen und sehr frühzeitig ähnliche Konsequenzen zu ziehen, wird zunächst verharmlost, dann zögerlich reagiert bis nunmehr zum Teil ähnliche Maßnahmen, allerdings wenig schlüssig, vorgeschlagen bzw. ergriffen werden. Beispiele: Keine Fluggastkontrollen bzw. Quarantänen in Hamburg bei Ankünften aus Risikogebieten wegen unklarer Rechtslage, Diskussionen über die Zweckmäßigkeit von Atemschutzmasken, obwohl in China millionenfach solche Masken und Handschuhe im öffentlichen Raum bzw. Verkehr getragen werden, usw.
Hans-Joachim Hofmann

Coronavirus: Das müssen Sie über Fachbegriffe wissen

  • Coronavirus: Eine Klasse von Viren, zu denen der neuartige Erreger gehört
  • SARS-CoV-2: Die genaue Bezeichnung des Virus, das sich von China aus verbreitet
  • Covid-19: Die Erkrankung, die das Virus auslöst

Corona und das Handy

Mein Rat an alle Menschen: Haltet auch eure Handys sauber! Nach meiner Meinung sind Handys mit eine Hauptursache für die Virusverbreitung. Ständig wischen alle darauf herum: Im Supermarkt, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, überall. Zu Hause waschen sich sicherlich alle die Hände. Aber wer reinigt sein Handy/Portemonnaie/Karten/Autoschlüssel/Lenkrad/Schalthebel? Und da kommen die Schmierinfektionen ins Spiel.
G. Ebert, Eimsbüttel

Infos in anderen Sprachen

Mir fällt auf, dass auf der Seite www.hamburg.de/coronavirus nur Informationen für Deutsch sprechende Menschen aufgeführt sind. Wo sind die Infos für meine Nachbarn in Türkisch, Arabisch, Farsi, Polnisch, Russisch, Spanisch, Italienisch etc.? Auch im öffentlichen Bereich vermisse ich mehrsprachige Infos wie über z. B. die Handhygiene. Es kann doch nicht so schwierig sein, mehrsprachige Bekanntmachungen auf Plakaten wie bei der Wahl zu drucken und in der Umgebung aufzustellen. Ich würde mich sehr freuen, wenn das Hamburger Abendblatt dazu beiträgt, dass alle Hamburger an die so lebenswichtigen Informationen kommen.
Frauke Quathamer, Rotherbaum

Wir brauchen Teststationen

Für mich stellt sich die Frage, warum es immer noch keine als Zeltstationen aufgebaute Corona-Schnelltesteinrichtungen gibt, z. B. auf dem Rathausplatz oder Heiligengeistfeld wie schon seit Längerem in München/Bayern. Die Hamburger haben ein Interesse, über ihre Situation schnellstmöglich Klarheit zu erlangen, und zum anderen können bei positivem Ergebnis viel schneller wirksame Gegenreaktionen ergriffen werden! Ist unser Bürgermeister nicht auch Mediziner?
M. Keller

Bitte mit Handschuhen

Täglich liest oder hört man Verhaltensweisen zum Schutz gegen das Corona­virus. Ganz besonders hingewiesen wird auch darauf, keine Türklinken oder Geländer anzufassen. Was uns jedoch beim Einkaufen aufgefallen ist: dass viele Menschen Einkaufskörbe oder Einkaufswagen ohne Schutzhandschuhe bewegen. Wir tragen in diesem Fall vorsorglich Schutzhandschuhe. Auch im Umgang mit unseren fünf Enkelkindern lassen wir Vorsicht walten. Enge Umarmungen oder Küsse sind generell untersagt.
Peter Stichling

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Die ganze Welt fastet

„40 Tage ohne“ überschreiben die Kirchen die Fastenzeit vor Ostern. Der Wegnahme folgt die Liebe immer – was niemand geahnt hat, dass jetzt wirklich die ganze Welt ausnahmslos und religionsübergreifend eine Fasten- und Passionszeit durchlebt und durchleidet, zurückgeworfen auf das Private, dem öffentlichen Leben und „wilden Treiben“ pflichtmäßig entsagend, Fast- und Abstinenztage vor Ostern im wahrsten Sinne des Wortes. Tage wie ein immerwährender Karfreitag – still und klar. Könnte dies nicht die Chance inmitten einer Pandemie sein: „40 Tage ohne“, um das eigene Leben neu einzuüben? Mir ist bewusst, dass viele Zeitgenossen vor einem Scherbenhaufen ihrer Existenz stehen, weil sie auf Besucher und Einnahmen angewiesen sind; viele haben sich auf Urlaub und Erholung zu Ostern gefreut; viele müssen in den verlängerten Schulferien Mammutaufgaben der Betreuung bewältigen; viele sind voller Angst und Sorgen. Gerade deshalb soll mein Rat nicht zynisch, sondern realistisch klingen: Not lehrt das Beten, Krisen schweißen die Familie und unsere Gesellschaft gegen alle spalterischen Kräfte neu zusammen, fördern nie geahnte Solidarität.
Felix Evers, Pfarrei St. Paulus, Horn

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