Hamburg

Mit Virtual-Reality-Brille an Bord der "Peking" gehen

Die "Peking" glänzt durch die Virtual-Reality-Brille am Liegeplatz im Hansahafen.

Die "Peking" glänzt durch die Virtual-Reality-Brille am Liegeplatz im Hansahafen.

Foto: Trau, Tschischwitz, Kersten / HCU

HCU-Wissenschaftler wollen Viermastbark in ihren historischen Zuständen zeigen. Das Abendblatt war anno 1927 an Bord.

Hamburg. Die Hafenschuppen und Krananlagen im Hintergrund liegen im Dunst. Die „Peking“, die sich vor mir erhebt, ist jedoch gestochen scharf. Mit dem Controller, einer Mischung aus Roboterhand und Pistole, markiere ich blaue Punkte auf der Gangway vor mir – und hüpfe mit wenigen Sprüngen an Bord. Vor mir erstreckt sich das Hauptdeck der mehr als 100 Meter langen Viermastbark.

Tatsächlich stehe ich in einem Forschungslabor der HafenCity-Universität (HCU) und trage ein Ungetüm von Virtual-Reality-Brille. Neben mir steht Thomas Kersten, Professor für Fotogrammetrie und Laserscanning. Der Wissenschaftler ist Experte für digitale Vermessungstechniken und hat mit dem Masterstudenten Dominik Trau und Mitarbeiter Felix Tschirschwitz die „Peking“ virtuell nachgebaut. Für die Erstellung verwendeten sie neben 3-D-Modellen und Plänen aus der Schifffahrtsbranche auch Informationen und Objekte vom Schiff, die durch geodätische Vermessungsmethoden erfasst worden waren. Doch auch die originale Bauvorschrift der „Peking“ und ein Besuch beim Schwesterschiff „Passat“ in Travemünde lieferten wichtige Details.

Blick durch Virtual-Reality-Brille zeigt die "Peking" im Jahr 1927

Auf einem Monitor sieht er, was ich durch meine Brille sehe: die vier mächtigen Masten, die sich über mir in den Himmel recken, zu ihren Füßen diverse Decksaufbauten wie das Kartenhaus und verschiedene Skylights, deren Klappfenster Licht und Luft unter Deck lassen, außerdem Poller für die Festmacherleinen, Brassenwinden für die Bedienung der Takelung, Winden, Lüfterhutzen und Steuerräder. „Ziemlich genau so, wie es hier virtuell dargestellt ist, hat die ,Peking‘ anno 1927 ausgesehen“, sagt Kersten. Rekonstruiert sind bisher nur Deck und Kapitänssalon.

Noch ist die von dem Trio entwickelte VR-Applikation „Peking“ ein Pilotprojekt. Später soll sie die Viermastbark möglichst vollständig zeigen, und zwar in verschiedenen historischen Zuständen – beim Stapellauf 1911, nach dem Umbau zu einem kombinierten Fracht- und Schulschiff Ende der 1920er-Jahre oder ihrer Umfunktionierung zu einem stationären Schulschiff nach dem Verkauf an die Engländer 1932. Zu zeigen gäbe es viel, aber welche Zeitabschnitte nachgebildet werden, steht noch nicht fest. Auch die Finanzierung ist noch ungeklärt.

HCU-Forscher entwickeln virtuellen Rundgang an Deck

Denn die virtuelle Schiffserkundung in 3-D zu erstellen, ist aufwendig. Für das „Peking“-Projekt hat das Team 544 Arbeitsstunden benötigt. Die Besucher der „Peking“ können nicht nur übers Deck schlendern, sondern an verschiedenen Punkten ihren Wissenshorizont erweitern. Kersten und seine Kollegen hoffen, die „Peking“ in Virtual Reality später einmal als neue Form der Wissensvermittlung öffentlich zeigen zu können. Wo? Natürlich auf der echten „Peking“ – oder später im neuen Hafenmuseum.