Coronavirus

Opposition: Verbot von Großveranstaltungen zu spät

Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg.

Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg.

Foto: Christian Charisius / dpa

Mehr Einschränkungen in Schulen und Kitas gefordert: Senat soll erwägen, Einrichtungen vorübergehend praktisch ganz zu schließen.

Hamburg.  Die Entscheidung von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer Storcks (SPD), Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern zu verbieten, ist aus Sicht der Opposition ein längst überfälliger Schritt. „Wir dürfen keine Panik verbreiten, aber wir müssen mit äußerster Entschlossenheit handeln, damit wir keine italienischen Verhältnisse bekommen“, sagt Deniz Celik, Gesundheitsexperte der Linken-Fraktion. Dazu gehöre auch, ernsthaft in Betracht zu ziehen, Schulen und Kitas von kommender Woche an quasi komplett zu schließen und nur Kinder zu betreuen, deren Eltern in Gesundheitsberufen oder in Berufen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung tätig sind.

Dass zum Schulbeginn „über die weiter unveränderte Öffnung aller Bildungseinrichtungen nachgedacht werden muss“, findet auch Anna von Treuenfels. „In der Abwägung des Schutzes der gefährdeten Bürger gegenüber dem Interesse an der Durchführung von Events hat die Gesundheitssenatorin nach meinem Eindruck schon zu lange gezögert“, sagt die FDP-Politikerin. Die Wirtschaft brauche Unterstützung bei der Bewältigung der Umsatzeinbrüche, der Schutz von Älteren, Kranken und Kindern müsse aber vorgehen.

Mehr Kapazitäten in den Krankenhäusern gefordert

So sieht es auch Birgit Stöver, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion: „Die Allgemeinverfügung war dringend erforderlich – schade, dass man diese so verzögert erlassen hat“, sagt sie. Jetzt sei es wichtig, die Gesundheitsämter in den Bezirken zu stärken, damit diese in der Lage seien, kleinere Veranstaltungen auch wirklich zu bewerten und absagen zu können.

Das Verbot von Großveranstaltungen begrüßt auch die Fraktion der AfD. Ökonomische Interessen dürften nie zulasten unserer Gesundheit gehen, heißt es in einem Statement, in dem auch gefordert wird, Ärzte und medizinisches Personal staatlich stärker zu unterstützen. Mehr Kapazitäten in den Krankenhäusern fordert auch Deniz Celik. „Wir brauchen mehr Betten, aber vor allem mehr Personal“, sagt der Linken-Abgeordnete. „Es sollte Kampagnen geben, um Berufsausteiger kurzfristig zurückzugewinnen.“

Hygienische Maßnahmen einhalten

Die Ärztekammer Hamburg sieht in der Allgemeinverfügung zu Großveranstaltungen ebenfalls nur einen „Baustein im Infektionsschutz. „Auch bei kleineren Veranstaltungen sollte sich jede und jeder prüfen, welche wirklich nötig und welche in dieser besonderen Lage verzichtbar sind“, sagt Präsident Dr. Pedram Emami. Zudem müssten allgemein hygienische Maßnahmen nach wie vor konsequent eingehalten werden. Die derzeitige Situation stelle den gesamten Gesundheitsbereich vor große Herausforderungen. Die Akteure befänden sich dabei im engen Austausch miteinander.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Von „einschneidenden Auswirkungen der Entscheidung“ für unser Leben in der Stadt und die Tourismuswirtschaft spricht Hamburg Tourismus-Chef Michael Otremba. Dennoch sei die Entscheidung alternativlos – an erster Stelle müsse jetzt die schnellstmögliche Eindämmung der Virusausbreitung und damit die Gesundheit stehen. „Nur ein konsequentes Handeln mit all seinen Einschränkungen wird dazu führen, dass die diffuse Unsicherheit einer Klarheit weicht“, sagt Otremba. „Dann werden wir auch wieder Optimismus und Reisefreude erleben.“

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Dass auf die Hamburger in der nächsten Zeit weitere Einschränkungen zukommen können, sieht Mareike Engels, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. „Die zuständige Gesundheitsbehörde schätzt die Lage täglich neu ein“, sagt die Politikerin. „Dies schließt mögliche weitere Empfehlungen und Einschränkungen ein.“