Lungenkrankheit

Bußgeld droht: Wie Hamburg mit der Coronakrise umgeht

Neue Regelung in Hamburg wegen Corona: Ferienrückkehrer aus Risikogebieten sollen den Hamburger Schulen und Kitas am kommenden Montag fernbleiben.

Neue Regelung in Hamburg wegen Corona: Ferienrückkehrer aus Risikogebieten sollen den Hamburger Schulen und Kitas am kommenden Montag fernbleiben.

Foto: picture alliance / ZB / Patrick Pleul

Senat erlässt neue Verordnung. Mehr Personal für Arztruf 116 117. Regeln für Hamburgs Schulen und Kitas.

Hamburg. Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus steigt in Hamburg weiter: In der Nacht zum Dienstag sind 13 neue Erkrankungen gemeldet worden, wodurch sich die Zahl der bestätigten Fälle in der Hansestadt auf 35 erhöht hat, wie Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag im Rathaus mitteilte. Bis auf einen Labormitarbeiter des UKE, der intensivmedizinisch behandelt wird, befänden sich alle Erkrankten in häuslicher Isolation. Alle Kontaktpersonen hinzugerechnet, seien nun „deutlich mehr als 100“ Hamburger in häuslicher Isolation, sagte Prüfer-Storcks.

Bisher seien für Menschen in Hamburg mehr als 1000 Tests auf den Erreger Sars-CoV-2 durchgeführt worden, der die Atemwegserkrankung Covid-19 auslöst. Die Infektionswege könnten bisher bei allen Hamburger Erkrankten aber „Gott sei Dank“ noch nachverfolgt werden, sagte Gesundheitsstaatssekretär Matthias Gruhl (parteilos).

Tägliche Zunahme von Corona-Infektionen in Hamburg

Es sei weiterhin sehr wichtig, „besonnen zu agieren, nicht in Aktionismus auszubrechen“, sagte Prüfer-Storcks. Allerdings komme Hamburg angesichts der täglichen Zunahme von Corona-Infektionen nun in eine Phase, in der es nötig sei, über Einzelmaßnahmen wie die verpflichtende häusliche Isolation für Erkrankte hinauszugehen.

Weil sich Prüfer-Storcks zufolge gezeigt hat, dass die meisten Hamburger Erkrankten sich in Italien angesteckt haben, sollen künftig möglichst nicht noch viele weitere Reiserückkehrer für eine erhöhte Ansteckungsgefahr in der Hansestadt sorgen. Deshalb wird die Gesundheitsbehörde eine sogenannte Allgemeinverfügung nach Paragraf 28 Infektionsschutzgesetz erlassen.

Corona-Verstöße: Bußgeld bis zu 25.000 Euro

Demnach sollen Schüler, Eltern, Lehrer, Erzieher und Verwaltungsmitarbeiter, die zuletzt in Regionen unterwegs waren, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Corona-Risikogebiete eingestuft werden, vorsorglich 14 Tage lang Schulen und Kitas fernbleiben – unabhängig davon, ob sie Beschwerden haben, die auf eine Covid-19-Erkrankung hindeuten können. Dazu zählen grippeähnliche Symptome wie trockener Husten, Fieber, Schnupfen, Abgeschlagenheit und Atemprobleme. Eine Auflistung der internationalen Risikogebiete veröffentlicht das RKI im Internet auf dieser Seite: www.rki.de/covid-19-risikogebiete.

Wer gegen die Allgemeinverfügung verstoße, könne mit Bußgeld bis zu 25.000 Euro belegt werden, teilte die Schulbehörde mit. Das sei der gesetzliche Rahmen, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. „Die Höhe des Bußgeldes ist noch festzulegen. Es werden nicht 25.000 Euro sein.“

Besondere Regeln für Lehrer

Während aus Risikogebieten zurückgekehrte Kinder unbedingt Schulen und Kitas fernbleiben sollen, gilt für Hamburger Lehrer: Sie sollen vier bis sechs Tage, nachdem sie ein Risikogebiet verlassen haben, einen Test auf das Virus Sars-CoV-2 vornehmen lassen. Fällt er negativ aus, sollen die Lehrer wieder arbeiten, teilte die Schulbehörde mit.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Für aus Risikogebieten zurückgekehrte Beschäftigte in anderen „sensiblen Versorgungs- oder Infrastrukturbereichen“ wie Gesundheitswesen, Pflege, Feuerwehr und Polizei könne die häusliche Isolation nach Rücksprache mit dem Arbeitgeber verkürzt werden – im Rahmen einer „Risikoabwägung zwischen der Ansteckungsgefahr und der notwendigen Tätigkeitsaufnahme“, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Eine mögliche Voraussetzung sei auch in diesen Fällen etwa ein negativer Test auf Sars-CoV-2.

Maximale Inkubationszeit von 14 Tagen

Das RKI geht bei dem neuartigen Coronavirus davon aus, dass die maximale Inkubationszeit 14 Tage beträgt. Warum könnte es vertretbar sein, einige Rückkehrer aus Risikogebieten vor Ablauf dieser „Frist“ wieder arbeiten zu lassen? Die Gesundheitsbehörde schreibt dazu: Wenn unter anderem ein Test auf Sars-CoV-2 vier bis sechs Tage nach der Ausreise negativ ausfalle, sei das Risiko der Infektionsweitergabe „nach derzeitigem Kenntnisstand so weit verringert, dass eine Arbeitsaufnahme für diese Berufsgruppen möglich erscheint“.

Generell empfiehlt die Gesundheitsbehörde allen Rückkehrern aus Risikogebieten, sich für 14 Tage in eine freiwillige häusliche Isolation zu begeben und insbesondere Kontakte zu älteren und/oder chronisch kranken Menschen zu vermeiden. Auch Menschen mit erkältungsähnlichen Symptomen sollten im Zweifel zunächst auf Besuche von älteren Angehörigen in Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen verzichten. Prüfer-Storcks erklärte: „Ich rate dazu, dass gerade alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen ganz besonders vorsichtig sind und im Zweifel Veranstaltungen meiden, weil sie ein erhöhtes Risiko haben, dass sie eine Covid-19-Erkrankung mit einem schweren Verlauf erleiden.“

Bei Verdacht telefonisch den Hausarzt verständigen

Wer glaube, von der Erkrankung betroffen zu sein, solle nicht in Kliniken oder Arztpraxen gehen, sondern telefonisch den Hausarzt oder den Arztruf 116 117 kontaktieren. Wer keine Symptome habe, sich aber informieren wolle, könne es unter der zusätzlich eingerichteten Hotline (040) 428 28 40 00 tun.

Der Arztruf 116 117 war am Montag extrem gefragt. Es habe fast 5000 Anrufe gegeben, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH), Jochen Kriens, am Dienstag. „Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation. Deshalb kann es zu Wartezeiten kommen.“ Der Arztruf sei zuletzt „sehr stark belastet, aber nicht überlastet“ gewesen. Die Zahl der Mitarbeiter für die Beratung sei bereits aufgestockt worden. „Die Lage wird jeden Tag neu bewertet.“

Prüfer-Storcks gegen Testzentren für Hamburg

Gesundheitsstaatssekretär Matthias Gruhl sagte dazu, die Behörde habe sich zuletzt am Sonntag mit dem Arztruf beschäftigt und erfahren, dass bisher die Wartezeiten „extrem kurz“ gewesen seien. Wenn es am Montag zu Wartezeiten gekommen sein sollte, „wäre es das erste Mal“ gewesen, sagte Gruhl. Für die KVH seien bis zu 16 Fahrzeuge mit Ärzten im Einsatz gewesen.

„Ich glaube, dass wir ein sehr gutes System mit dem rollenden Dienst der KV haben“, sagte Cornelia Prüfer-Storcks. „Wenn ich die Entwicklung in anderen Städten sehe, wo man Testzentren eingerichtet hat, wo aber dann in Schlangen vor der Tür diejenigen mit Symptomen neben denen stehen, die nur Sorgen haben, dann finde ich, haben wir hier ein überlegenes Modell.“ In Hamburg werde es solche Testzentren „auf gar keinen Fall“ geben.

Coronavirus: Das müssen Sie über Fachbegriffe wissen

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Anders als Schleswig-Holstein und Bayern will Hamburg wegen der Ausbreitung des Coronavirus nicht grundsätzlich Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern absagen und plädiert stattdessen weiterhin für eine „einzelfallbezogene, risikoorientierte Entscheidung“. Die Zahl der Teilnehmer sei nur ein Kriterium, sagte Prüfer-Storcks. Es gehe auch etwa darum, ob es sich um eine Veranstaltung im Freien oder in einem schlecht gelüfteten Gebäude handele. Veranstaltungen seien abzusagen, wenn eine hohe Anzahl an Personen erwartet werde, die sich in den zwei Wochen davor in Risikogebieten aufgehalten habe.

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Unterdessen hat die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ eine für Freitag geplante große Demonstration vor den bayerischen Kommunalwahlen abgesagt. In Städten wie Berlin und Hamburg werde es Solidaritätsveranstaltungen geben, die aber kleiner seien, sagte Aktivistin Luisa Neubauer. In Hamburg würden etwa 400 Teilnehmer erwartet.