Personalmangel

Bezirksamt Hamburg-Mitte sucht dringend Bauprüfer

Die Bauprüferinnen Aleksandra Harmssen (v.l.), Ceren Moog und Fachamtsleiterin Annette Esselmann im elften Stock des Bezirksamts Hamburg-Mitte.

Die Bauprüferinnen Aleksandra Harmssen (v.l.), Ceren Moog und Fachamtsleiterin Annette Esselmann im elften Stock des Bezirksamts Hamburg-Mitte.

Foto: Thorsten Ahlf

Auch in anderen Bezirken in Hamburg gibt es Personal-Engpässe. Dabei locken flexible Arbeitszeiten und Karrierechancen.

Hamburg. Es ist bereits die dritte Ausschreibungsrunde, mit der das Bezirksamt Hamburg-Mitte Personal für die Bauprüfabteilung sucht. Doch durch die boomende Bauwirtschaft fällt es dem öffentlichen Dienst immer schwerer, Personal zu finden. Erfahrene Führungskräfte fehlen ebenso wie Nachwuchs.

„Insgesamt haben sich bei uns etwa 15 Personen beworben, drei kamen in die engere Wahl und davon halten wir eine Person für geeignet“, sagt Annette Esselmann, Fachamtsleiterin der Bauprüfabteilung. Benötigt werden im Bezirksamt aber zwei Abteilungsleiter und mehrere Bauprüfer. Am 13. März endet die aktuelle Ausschreibungsrunde. Sie hofft, dass sich bis dahin noch weitere Bewerber melden. Das können mittlerweile auch Juristen sein – früher war noch ein Architekturstudium Voraussetzung.

Kurioser Einsatz im Swingerclub

Wenn Annette Esselmann von ihrem Job erzählt, wird deutlich, dass Bauprüfer mehr tun als am Schreibtisch mit Zahlen und Vorschriften zu hantieren. „Gerade in Hamburg-Mitte gibt es viele spannende Projekte, aktuell etwa der Bunker an der Feldstraße, das Paloma-Viertel oder das Deutschlandhaus. Hier wird ständig gebaut, außerdem müssen Bestandsgebäude überprüft werden.“

Ihr kuriosester Einsatz war die Kontrolle eines Swingerclubs, der im Keller lag und nicht über einen zweiten Rettungsweg verfügte – und daher während des laufenden Betriebs geschlossen werden musste.

Flexible Arbeitszeiten und Karrierechancen

„Wir gestalten die Lebensqualität der Quartiere mit“, sagt Ceren Moog, die seit zweieinhalb Jahren als Bauprüferin in Hamburg-Mitte arbeitet. Tatsächlich umfasst das Tätigkeitsfeld Naturschutz-, Wasser- Wege und Emissionsrecht ebenso wie Gesundheits- und Gaststättenrecht, Denkmalschutz sowie städtebauliche und soziale Erhaltungsverordnungen. „Im Grunde sind wir die Manager, die prüfen, ob die Vorstellungen der Bauherren mit dem Baurecht zu vereinbaren sind“, so Moog, die nach ihrem Architekturstudium ein zweijähriges technisches Referendariat gemacht hat und einen Beamtenstatus hat.

Ihre Kollegin Aleksandra Harmssen, ebenfalls Architektin, arbeitet seit 16 Jahren im Bezirksamt. „Damals boomte es in der Bauwirtschaft noch nicht und für Architekten gab es wenig zu tun.“ Doch es ist nicht nur der sichere Arbeitsplatz, der ihr gefällt. „Man kann intern wechseln und so verschiedene Stadtteile und Bereiche kennenlernen. Außerdem ist das Team sehr nett, wir können Homeoffice machen, haben flexible Arbeitszeiten und Karrierechancen.“ Dass sich momentan wegen der Personalknappheit die Akten auf den Schreibtischen stapeln, sei dadurch weniger belastend.

Gesucht: Bauprüfer, Stadtplaner, Architekten...

Der Personalmangel betreffe nicht nur Bauprüfer, sondern auch Tiefbauer, Stadtplaner, Bauingenieure, Architekten – eigentlich alle technischen Berufe, sagt Tom Oelrichs, stellvertretender Leiter des Bezirksamts Hamburg-Nord, das sich federführend für alle Bezirke mit dem Personalthema beschäftigt. „In der Stadt sind in diesen Disziplinen derzeit etwa 3000 Menschen beschäftigt, davon 40 Prozent in den Bezirksämtern. Rund 1000 dieser Mitarbeiter werden bis 2025 in den Ruhestand gehen.“

Doch die Personalnot sei schon jetzt groß. 2017 etwa hätte nur die Hälfe der Bewerbungsverfahren für ausgeschriebenen Stellen erfolgreich abgeschlossen werden können. Konnte diese Quote auch stadtweit mittlerweile auf 70 Prozent erhöht werden, bleibe sie in den Bezirksämtern schlechter, weil hier die freie Wirtschaft und die besser zahlenden Fachbehörden und Landesbetriebe stadtinterne Konkurrenten wären. Viele Berufsabsolventen hätten den öffentlichen Dienst als möglichen Arbeitsplatz gar nicht im Blick. Eine Imagekampagne, die derzeit im öffentlichen Raum und auf den Social-Media-Kanälen läuft, soll das ändern.