Großbaustelle

Denkmal City-Hof – ein Abriss mit Tücken und Lücken

Der Abriss der City-Hof-Hochhäuser
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Die Hochhäuser am Klosterwall wurden dem Erdboden gleichgemacht. Doch der Endspurt kommt noch – und mit ihm eine Sperrung.

Hamburg. Stück für Stück hat sich "Longfront" mit seinen Zähnen in die Gebäude hineingefressen, Etage um Etage abgetragen. 93 Tonnen wiegt der Bagger, weltweit gibt es nur 20 Exemplare dieser Art – einer von ihnen verrichtet seit Monaten auf der Großbaustelle am Klosterwall sein Werk und bricht die City-Hof-Hochhäuser ab.

Im Frühjahr hat der lange Zeit umstrittene Abriss begonnen, seither wurden rund 40.000 Kubikmeter Material abgetragen, die einmal das ehemalige Bezirksamt Mitte waren. Nun steht nur noch ein letzter Rest am Deichtorplatz, und er soll Ende März fallen. Dafür muss ein Wochenende lang der Klosterwall für den Verkehr gesperrt werden.

City-Hof stand einst für Hamburgs Aufbruch in die Moderne

Seit September begleiten die Abendblatt-Fotografen Thorsten Ahlf und Michael Rauhe die Abrissarbeiten. In regelmäßigen Abständen haben sie von den oberen Etagen der Galeria Kaufhof im Norden die Baustelle fotografiert. Die Bilder zeigen ähnlich einem Daumenkino, wie die 1957/58 errichteten Hochhausscheiben, die damals für Hamburgs Aufbruch in die Moderne standen, fallen.

Der Abriss der City-Hof-Häuser im Zeitraffer:

Nicht alles ging nach Plan. "Aber auf welcher Baustelle ist das anders?", fragt Bauleiter Bastian Kaden. Der abgetragene Schutt musste streng nach Material getrennt werden: Fenster, Heizkörper, Stromleitungen, Innenverkleidung, WC-Anlagen, Eisen.

Der Rest – rund 22.000 Kubikmeter – wurde in die Tiefgarage verfüllt, um den Boden fest genug für die schweren Baustellenfahrzeuge zu machen. Bekannt war, dass die hässliche Eternit-Verkleidung der Hochhäuser Asbest enthielt. "Wir hatten aber nicht damit gerechnet, dass auch der Putz in den Treppenhäusern asbesthaltig war, ebenso wie einige Innentrennwände."

Weiße Leca-Platten mussten von Hand abgeschliffen werden

Eine weitere Überraschung bot die PCB-Beschichtung der alten Leca-Platten, mit denen Architekt Rudolf Klophaus ursprünglich die Fassade des City-Hofs gestaltet hatte. Jede Platte musste von Arbeitern in Schutzanzügen per Hand abgeschliffen und abgesaugt werden – das kostete Zeit und Geld.

Dafür kam "Longfront" wesentlich schneller voran als geplant. "Die gesamte Gebäudesubstanz war deutlich schlechter als erwartet", sagt Jan Petersen, Geschäftsführer des Unternehmens Aug. Prien, das den City-Hof durch das Johann Kontor ersetzen wird. Schlechte Bausubstanz – hier war sie von Vorteil.

Garagen-Hohlräume brachen zusammen

Und dann ist da noch die Sache mit der Parkgarage im Norden an der Steinstraße, die das Kraftverkehrsamt in den 1930er-Jahren gebaut, aber nicht fertiggestellt hatte. Während des Krieges wurde die unterirdische Anlage, die bis an den Wallringtunnel heranreicht, als Bunker genutzt. Für den Bau des City-Hofs war sie damals nicht richtig verfüllt worden.

Als jetzt die Abrissarbeiten begannen, zeigten Tests, dass die Hohlräume bei Erschütterungen zusammenbrachen. Also mussten sie mit unter Hochdruck injiziertem Beton aufgefüllt werden. Das steht unterhalb von Steinstraße und Klosterwall noch aus, wobei Aug. Prien hier im Auftrag der Stadt arbeitet.

Am letzten März-Wochenende wird der Klosterwall gesperrt

Am Wochenende vom 27. bis 30. März fällt der letzte Rest des City-Hofs. Dann ist das Gebäude, das eigentlich denkmalgeschützt war, Geschichte. Die obersten vier Stockwerke wurden bereits händisch abgetragen.

Da für den Abbruch mit schwerem Gerät als Sicherheitsabstand eine halbe Gebäudehöhe vorgeschrieben ist, wird an diesem Wochenende der Klosterwall abgeriegelt.

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Der derzeit gesperrte Wallringtunnel ist dann wieder befahrbar. Der Klosterwall bleibt auch in der Woche nach dem Abriss stadtauswärts gesperrt, weil dann die Hohlräume unterhalb der Straßen verfüllt werden.

Baugrube bekommt "eine Badewanne"

Bevor dann die Erdarbeiten für den Bau des Johann Kontors beginnen können, wird eine 80 Zentimeter breite Baugrubenumschließung errichtet, die 33 Meter tief in die Erde reicht – weit hinein in wasserundurchlässige Schichten.

"Das ist wie eine Badewanne“, sagt Diplom-Ingenieur Kaden. So soll vermieden werden, dass weiterhin – wie beim City-Hof – Grundwasser abgepumpt werden muss. Im September beginnt der Aushub der Baugrube, im Frühjahr kommenden Jahres dann der Hochbau.

Musterfassaden des Johann Kontor sind schon ausgestellt

Durch den Streit um Erhalt oder Abriss des City-Hofes und durch die Abstimmung mit der Unesco wurde einiges an Zeit verloren. Nun soll der 190 Meter lange Neubau mit Wohnungen, Büros, Gastronomie und einem Novotel-Hotel Anfang 2024 bezugsfertig sein. Bis dahin werden rund 50.000 Kubikmeter Beton verbaut werden.

Der Gebäuderiegel wird mit Backstein verklinkert; die Architektur soll einerseits zum Kontorhausviertel passen, sich andererseits aber so zurückhalten, dass Solitäre wie das Chilehaus und der Sprinkenhof weiterhin strahlen. „Die Fassade wird spannend“, verspricht Petersen. Sie soll durch nach innen abgestufte Fenstereinfassungen und schräg gestellte Scheiben aufgelockert werden. Musterfassaden, die im Süden der Baustelle aufgestellt wurden, lassen schon jetzt erahnen, wie das neue Johann Kontor aussehen wird.