Ochsenwerder

Busfahrer setzen Zehnjährige zweimal in der Feldmark aus

Sofia vor der aufgehobenen Haltestelle am Ochsenwerder Landscheideweg/Oortkatenweg. An zwei Tagen ließen Busfahrer der VHH das Mädchen dort aussteigen. Einen Fußweg gibt es nicht. Ochsenwerder ist fast drei Kilometer entfernt.

Sofia vor der aufgehobenen Haltestelle am Ochsenwerder Landscheideweg/Oortkatenweg. An zwei Tagen ließen Busfahrer der VHH das Mädchen dort aussteigen. Einen Fußweg gibt es nicht. Ochsenwerder ist fast drei Kilometer entfernt.

Foto: Thomas Heyen

Im Nirgendwo musste Sofia den Schulbus der VHH verlassen und im Regen die Landstraße entlanglaufen. Dort gibt es keinen Fußweg.

Hamburg. Sofia besucht das Luisen-Gymnasium Bergedorf. Um nach der Schule nach Hause nach Ochsenwerder zu kommen, fährt die Zehnjährige mit dem Bus. Nachdem sie am Bergedorfer ZOB umgestiegen ist, fährt sie bis zum Elversweg – eigentlich. Wegen Arbeiten an der Kreuzung Ochsenwerder Landscheideweg/Oortkatenweg (Marschländer Roulette) endet die Route derzeit weitaus früher.

Obwohl die Haltestelle „Oortkatenweg“ noch bis zum 6. März in beide Fahrtrichtungen aufgehoben ist, ließen Busfahrer das Mädchen dort aussteigen – quasi mitten im Nirgendwo, fernab von den nächsten Häusern. Weiter konnte die Kleine nicht mitfahren, denn die Bustouren enden derzeit eigentlich schon eine Haltestelle zuvor.

Sofia musste dann den etwa einen Kilometer langen Weg bis zur Haltestelle „Fünfhausen Siedlung“ zu Fuß gehen, um in einen anderen Bus Richtung Ochsenwerder umzusteigen. Diese Wanderung ist nicht ungefährlich, denn Autos fahren auf der geraden Strecke oft schnell und es gibt keinen Fußweg. „Außerdem fing es noch an zu regnen“, sagt das Mädchen, das mit der Situation überfordert und den Tränen nahe war.

Haltestelle ist noch bis zum 6. März außer Betrieb

Beim ersten Mal wurde Sofia auf halber Strecke von einer Nachbarin mit dem Auto mitgenommen. „Mein Mann und ich sind berufstätig, waren beide nicht da", sagt ihre 37 Jahre alte Mutter. Am Tag darauf setzte ein anderer Busfahrer das Mädchen erneut an der aufgehobenen Haltestelle ab. „Ich wollte eigentlich in Fünfhausen aussteigen“, sagt die Zehnjährige. „Doch der Busfahrer sagte, dass er noch weiter fahre. Da dachte ich, dass er wohl bis zum Elversweg fährt.“ Dieses Mal ging das Schulmädchen die rund einen Kilometer lange Strecke zur nächsten Haltestelle zu Fuß.

Die Busfahrer haben es vermutlich gut gemeint mit Sofia, die Situation aber falsch eingeschätzt: Von der Haltestelle „Oortkatenweg“ bis zum Ortskern von Ochsenwerder sind es fast drei Kilometer – größtenteils ohne Fußweg. Entsprechend sauer ist ihre Mutter. Zumal sie sich in den vergangenen Monaten mehrfach über die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) geärgert hat.

Das könnte Sie auch interessieren:

„Wegen des Umbaus der Kreuzung gab es ständig Fahrplanänderungen und Busumleitungen. Leider wurden die Fahrpläne an den Haltestellen nicht immer rechtzeitig aktualisiert, sodass die Schulkinder morgens vergeblich auf den Bus warteten“, sagt die 37-Jährige. Busfahrer hätten sich auch mehrfach verfahren, sodass ihre Tochter den Anschlussbus verpasste. Ein anderes Mal sei der Bus zu früh losgefahren, vor der im Fahrplan genannten Zeit. „Sofia kam vier-, fünfmal zu spät zum Unterricht“, sagt ihre Mutter.

„Gut gemeint, aber im Ergebnis nicht optimal“

Busfahrer müssten täglich viele Entscheidungen treffen, sagt VHH-Sprecherin Christina Sluga. Ihr Unternehmen befördere jährlich rund 106 Millionen Fahrgäste: „Da kann es schon einmal passieren, dass eine Entscheidung, auch wenn sie wie in diesem Fall eigentlich gut gemeint war, im Ergebnis nicht optimal ist“. Dafür entschuldige sie sich ausdrücklich. „Wir werden unsere Fahrerschaft noch einmal entsprechend sensibilisieren, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt.“

Sofia und ihre Schulkameraden sind zudem dazu eingeladen, einmal auf dem Betriebshof der VVH (Curslacker Neuer Deich 37) hinter die Kulissen zu schauen.