Hamburg

Coronavirus-Hotline: Das erlebte Annika Schwieger am Telefon

Coronavirus-Verdacht: Die Hamburger Modemacherin Annika Schwieger erhielt an der Hotline unterschiedliche Auskünfte.

Coronavirus-Verdacht: Die Hamburger Modemacherin Annika Schwieger erhielt an der Hotline unterschiedliche Auskünfte.

Foto: Privat

Die schwangere Inhaberin zweier Modelabels litt unter starken Grippesymptomen und hat oft mit Menschen aus China und Italien zu tun.

Hamburg. Immer mehr Menschen in Deutschland infizieren sich mit dem Coronavirus. Auch in Hamburg steigt die Sorge, sich anzustecken. Wer meint, dass er sich infiziert hat, soll seinen Hausarzt anrufen oder die Notfallnummer 116 117. Die im fünften Monat schwangere Annika Schwieger schildert im Abendblatt, was sie erlebte, als sie diesen Aufruf befolgte.

Seit drei Tagen hatte die Annika Schwieger starke grippale Symptome, dazu kamen verstärkte Atemwegsbeschwerden – ihre Sorge, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, nahm zu. Besonders, da die Hamburgerin Inhaberin zweier Modelabels ist und beruflich oft mit Menschen aus China und Italien zu tun hat. Dort lässt sie ihre Produkte produzieren. Außerdem muss sie viel reisen und ist mehrmals im Jahr in China.

Wegen dieser Umstände und der Symptome rief sie die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes an. „Ich will nicht den Eindruck einer panischen Bürgerin machen, sondern nur verantwortlich handeln“, sagt sie. Ihr sei es wichtig, dass sie ausschließen kann, weitere Menschen in ihrem Umfeld zu infizieren, sie selbst habe keine Angst vor dem Virus.

Annika Schwieger ärgert sich über "unfassbares Telefonat"

Annika Schwieger schilderte dem Arzt am Telefon ihre Symptome und erklärte die Situation. Der Arzt hätte dann gemeint, dass es für sie nicht in Frage kommen würde, sich testen zu lassen, solange sie nicht in Italien oder Wuhan oder mit infizierten Menschen in Kontakt war. Und selbst wenn sie positiv getestet werden würde, gäbe es sowieso keine Medikamente gegen das Virus.

„Es war ein unfassbares Telefonat“, ärgert sie sich. Sie wisse doch eben nicht, ob sie mit infizierten Menschen Kontakt gehabt hätte. Durch das Telefonat habe sie nur das Gefühl bekommen, dass es überhaupt nicht gewünscht sei, dass man sich absichere. Der Arzt hätte wiederum gemeint, er würde sich strikt an die vorgegeben Richtlinien halten. Die sehen laut Robert-Koch-Institut (RKI) vor, dass ein begründeter Verdachtsfall dann vorliegt, wenn der Patient Kontakt mit einem bestätigten Infizierten hatte und deutliche Symptome aufweist. Ist das der Fall, wird er mit einem Rettungswagen abgeholt.

Ärzte halten sich an die Richtlinien des RKI

Jochen Kriens, Sprecher der kassenärztlichen Vereinigung Hamburgs, meint dazu: „Die Ärzte haben die Richtlinien und Kriterien des RKI und an die halten sie sich auch. Bei einem Verdachtsfall leiten sie bestimmte Abläufe in die Wege. Wenn kein nach diesen Richtlinien begründeter Fall vorliegt, können die Ärzte selbst entscheiden, ob sie den Betroffene dennoch testen lassen.“

In dem Fall von Annika Schwieger habe der Arzt wohl entschieden, dass dies bei ihr nicht nötig sei. Sie ist dennoch der Meinung, dass der Arzt ihre Beschwerden ernster hätte nehmen können: „Der Arzt lässt mich im Ungewissen und das, obwohl besondere Indizien für ein verstärktes Risiko sprechen.“

Ein zweites Telefonat – eine andere Auskunft

Einige Stunden später rief die Schwangere ein zweites Mal bei der Nummer an, um sich zu beschweren. Nach 25 Minuten hatte sie eine freundliche Dame am Telefon, die ihr riet, nach 17:00 Uhr noch einmal anzurufen, da dann die neue Schicht der Ärzte beginnen würde. „Vielleicht stimmte bei Ihnen ja einfach die Chemie nicht! Und dann sprechen Sie doch noch einmal mit einem anderen Arzt – gerade im Hinblick auf Ihre Schwangerschaft."

Sie riet außerdem dazu, ansonsten direkt ins UKE zu fahren. Die irritierte Annika Schwieger klärte die Dame daraufhin auf, dass doch überall kommuniziert werde, bei Verdacht zu Hause zu bleiben und die Notfallnummer anzurufen statt sich selbst in die Notaufnahme oder eine Arztpraxis zu begeben. Dazu schwieg die Frau am Telefon.