Hamburg/Schleswig-Holstein

Coronavirus: 12 UKE-Ärzte für zwei Wochen in Quarantäne

| Lesedauer: 5 Minuten
Alexander Josefowicz

Coronavirus in Hamburg: die Pressekonferenz am Freitag

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Der infizierte Arzt des Kinder-UKE hatte allein im privaten Bereich mit rund 50 Menschen Kontakt – bisher keine weiteren Ansteckungen.

Hamburg. In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben die Gesundheitsbehörde und das UKE am Freitagmittag über den aktuellen Stand der Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in Hamburg informiert, kurze Zeit später informierte das Land Schleswig-Holstein ebenfalls über seine Maßnahmen: Der infizierte Arzt des Kinder-UKE ist mit hoher Sicherheit für Norddeutschland der so genannte "Patient Null", also der Mensch, der die Infektion mit SARS-CoV-2 in die Region gebracht hat.

Dem knapp 65 Jahre alten Mann, der zusammen mit seiner Ehefrau in seinem Haus in Henstedt-Ulzburg unter Quarantäne steht, gehe es gut, betonte der Direktor der Patienten- und Pflegemanagements am UKE, Joachim Prölß. Das Gleiche gelte für die zwölf weiteren Ärzte und acht weiteren Mitglieder des medizinischen Personals, die so engen Kontakt zu dem Mann hatten, dass sie vorsichtshalber für 14 Tage in häuslicher Isolation bleiben müssten.

Auf der Station des Kinder-UKE, an dem der Arzt arbeitet, hatten 16 Patienten und ihre Begleitpersonen so engen Kontakt, dass sie ebenfalls für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt werden. "Zum Glück", so die Leiterin des Kinder-UKE, Prof. Ania C. Muntau, sei keines der Kinder ohne eine Begleitperson in die Klinik gekommen.

50 Menschen werden auf Coronavirus getestet

Im persönlichen Umfeld würden derzeit rund 50 Menschen auf das neuartige Coronavirus getestet, erklärte der Landrat des Kreises Segeberg, Jan Peter Schröder (parteilos) – bisher wurden weder im beruflichen noch im persönlichen Bereich weitere Ansteckungen nachgewiesen. "Aus unserer Sicht gibt es derzeit keine Veranlassung, die Bürgermeisterwahl in Henstedt-Ulzburg am Sonntag auszusetzen", so Schröder weiter.

Am Kinder-UKE wurde nach Abendblatt-Informationen eine Urlaubssperre verhängt, um die ausgefallenen Mitarbeiter auszugleichen.

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) und der Leiter des Hafenärztlichen Dienstes Dr. Martin Dirksen-Fischer betonten, dass man es derzeit mit einer "dynamischen Lage" zu tun habe, auch Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sagte, man habe "allen Anlass, die Situation ernst zu nehmen". Beim Stand von einer bestätigten Infektion bestehe aber derzeit kein Anlass, Großveranstaltungen abzusagen oder besondere Maßnahmen im Öffentlichen Nahverkehr zu treffen.

Infizierter Arzt kam mit dem Auto aus dem Urlaub

Der infizierte Arzt war am Sonntag aus dem Urlaub in Italien zurückgekehrt, am Montag hatte er seinen Dienst am UKE regulär ausgeübt, bevor er am Dienstag seine Schicht abbrach, weil er erste Symptome bemerkte. Am Donnerstag wurde er nach Absprache mit der Klinik im UKE auf SARS-CoV-2 getestet und nach positiver Diagnose in häusliche Isolation geschickt.

Da er mit dem Auto sowohl aus dem Urlaub gekommen war als auch den Weg zum UKE zurückgelegt hat, geht man von einem sehr geringen Risiko für weitere Ansteckungen aus.

Ausstiegskarten am Hamburg Airport noch am Freitag?

In Bezug auf den Hamburg Airport erläuterten beide, dass dort auf Vorgaben auf Bundesebene gewartet werden müsse, bevor weitere Mechanismen wie Aussteigerkarten oder andere Kontrollen eingeführt werden könnten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bereits am Donnerstag angekündigt, dass Aussteigerkarten, die Fluggäste aus China bereits ausfüllen müssen, auch für Flüge aus weiteren Risikogebieten wie Italien eingeführt würden. Bis zum Freitagmittag ist die Umsetzung aber noch nicht angeordnet worden.

Zwei Medikamente gegen Coronavirus – aber kein Impfstoff

Das UKE und die Behörden sehen sich auch für eine mögliche weitere Ausbreitung des Virus in Hamburg gut gerüstet: Es gäbe 12.000 Krankenhausbetten in der Stadt, sagte Prüfer-Storcks. Zudem verliefe Covid-19 nur in wenigen Fällen so schwer, dass eine Behandlung im Krankenhaus notwendig sei. Für so schwere Erkrankungen gibt es zwei Medikamente, die zur Eindämmung von Covid-19 verabreicht werden können.

Ein Impfstoff gegen das Virus ist während des augenblicklichen Ausbruchs noch nicht zu erwarten. Prof. Marylyn Addo, die Leiterin der Infektiologie am UKE, erläuterte, dass die Entwicklung eines Impfstoffes zwar so schnell gehe wie selten zuvor. Dennoch müsste ein Mittel ausführlich getestet werden, bevor es Menschen verabreicht werden könne. Derzeit rechnet die Ärztin nicht damit, dass eine jährliche Schutzimpfung gegen das Virus notwendig werde.

So schützen Sie sich vor Virusinfektionen:
  • Niesen oder husten Sie in ein Einwegtaschentuch, dass sie unmittelbar danach wegwerfen, am besten in einen Behälter mit Deckel. Ist kein Taschentuch verfügbar, husten/niesen Sie nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge
  • Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände
  • Vermeiden Sie Menschenansammlungen, versuchen Sie, mindestens einen Meter Abstand zu möglicherweise Erkrankten zu halten
  • Berühren Sie Ihr Gesicht nicht mit den Händen: Eventuell an den Händen anhaftende Erreger können über die Schleimhäute in den Körper gelangen und eine Erkrankung auslösen

Informationen zum Coronavirus

Coronavirus: Das müssen Sie über Fachbegriffe wissen

  • Coronavirus: Eine Klasse von Viren, zu denen der neuartige Erreger gehört
  • SARS-CoV-2: Die genaue Bezeichnung des Virus, das sich von China aus verbreitet
  • Covid-19: Die Erkrankung, die das Virus auslöst.

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