Hamburg

Brachvogelweg: Anwohner und Bezirk gegen Kita-Neubau

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Anwohner des Brachvogelwegs sind besorgt.

Anwohner des Brachvogelwegs sind besorgt.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Sternipark hatte die Fläche in Lurup 2015 gekauft. Weil die Bezirkspolitik das Projekt blockiert, wurde es jetzt zur Senatssache.

Hamburg.  Eigentlich hat niemand etwas gegen die geplante Kita am Brachvogelweg. Doch obwohl der Entwurf den Vorgaben des 2003 erstellten Bebauungsplans entspricht und genehmigungsfähig ist, kann der künftige Betreiber SterniPark mit dem Bau der Kita für 124 Kindern nicht beginnen. Dabei hatte er das Grundstück am Ende einer Sackgasse 2015 von der Stadt gekauft – mit der Vorgabe, spätestens nach drei Jahren mit dem Kita-Bau fertig zu sein.

Doch der erste Spatenstich ist immer noch nicht erfolgt. Denn der verkehrsberuhigte, an vielen Stellen verengte Brachvogelweg gilt als eine der schönsten Wohnstraßen Deutschlands – und weder Bezirkspolitik noch Anwohner möchten, dass die Idylle zerstört wird. Sie befürchten, dass der mit der Kita verbundene Eltern- und Lieferverkehr die Straße verstopfen und die Kinder gefährden könnte – in der Spielstraße, aber auch in der Einmündung, die täglich viele Schulkinder überqueren.

Erster Bauantrag von SterniPark wurde abgelehnt

Der erste Bauantrag von SterniPark wurde mit der Begründung abgelehnt, der Hol- und Bringverkehr könne nicht auf dem Kita-Grundstück geregelt werden. „Also haben wir nachgebessert und planen jetzt eine Tiefgarage für die Eltern und die Lieferanten“, sagt SterniPark-Chefin Leila Moysich. Den jetzigen Entwurf hält das Baudezernat Altona für genehmigungsfähig – und teilte der Bezirkspolitik das im Juli 2019 auch mit. Um die Erlaubnis zu vermeiden, forderte die Bezirksversammlung die Bezirksamtsleitung daraufhin auf, die Baugenehmigung für die Kita negativ zu bescheiden.

Das wurde allerdings von der damaligen Bezirksamtsleiterin Liane Melzer beanstandet. Das Bezirksamt könne nicht zu einer Handlung verpflichtet werden, die gegen geltendes Recht verstoße; das Vorhaben entspräche vollumfänglich den Vorgaben aus dem Bebauungsplan. Da die Bezirksversammlung von ihrem Beschluss, der für die Bezirksamtsleitung weisend ist, nicht abrückte, überwies Melzers Nachfolgerin Stefanie von Berg das Verfahren im Dezember an den Senat. Bis zu dessen Entscheidung, kann der Bezirk keine Baugenehmigung erteilen.

Mittlerweile gibt es einen Vorschlag von den Anwohnern, der zunächst nach einer Win-win-Situation für alle klingt: Die neue Kita könnte auf einem Grundstück am Kleiberweg gebaut werden, das an das aktuell vorgesehene grenzt. Voraussetzung dafür wäre, dass dort ansässige Kleingärtner bereit wären, ihre Parzellen in die Hauptanlage des Vereins zu verlegen. Diese Lösung wäre die Bedingung des Landesbundes der Gartenfreunde und böte den Kleingärtnern einige Vorteile, müsste aber im Verein noch diskutiert werden.

Sprecherin der Baugenossenschaft wünscht sich Runden Tisch

„Der alternative Kita-Standort hätte unter anderem den Vorteil, dass es entlang des Kleiberwegs viele Parkplätze gibt“, sagt Julia Schumacher, Sprecherin der Bau- und Wohngenossenschaft Brachvogel. Das dann freie, aktuell vorgesehene Grundstück würde die Genossenschaft gern selbst erwerben, um dort günstige, kleine Wohnungen für ihre älteren Mitglieder zu errichten.

Im Bezirksamt werde diese Option gegenwärtig nicht verfolgt, heißt es aus der Verwaltung. Der Kaufvertrag zwischen Stadt und SterniPark müsste rückabgewickelt, das dann möglicherweise entstehende Wohngrundstück neu vergeben werden.

Auch Leila Moysich ist von diesem Vorschlag nicht überzeugt. „Wir möchten wirklich schnell anfangen zu bauen. Auf einem neuen Grundstück müssten wir bei den Planungen noch einmal von vorne anfangen. Das würde nicht nur zu Verzögerungen, sondern auch zu weiteren Kosten führen.“

Zudem habe sie bislang weder vonseiten der Politik noch aus dem Bezirksamt entsprechende Hinweise erhalten. Julia Schumacher ist enttäuscht. „Uns wurde vom Bezirksamt zugesichert, den Vorschlag zu prüfen. Vielleicht könnte man dafür einen runden Tisch einrichten?“

( fru )

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