Brisantes Wochenende

Greta, Derby, Wahl: Polizei Hamburg holt sich Verstärkung

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Christoph Heinemann und André Zand-Vakili
Randale der HSV Fans auf der Reeperbahn nach dem Derby des  FC St. Pauli – Hamburger SV. Auch dieses Mal zeigt die Polizei Hamburg Präsenz (Archivbild).

Randale der HSV Fans auf der Reeperbahn nach dem Derby des FC St. Pauli – Hamburger SV. Auch dieses Mal zeigt die Polizei Hamburg Präsenz (Archivbild).

Foto: WITTERS / WITTERS/Witters Sport-Presse-Fotos

Beamte aus anderen Bundeländern sichern Partie St. Pauli – HSV mit ab. Auch Klimastreik und Bürgerschaftswahl auf Agenda der Polizei.

Hamburg. Nicht nur für Klima-Aktivisten, Fußballfans und Wahlkämpfer wird es ein intensives Wochenende – auch die Polizei Hamburg ist von Freitag bis Sonntag extrem gefordert. Die Beamten müssen den Klimastreik, zu dem auch Greta Thunberg kommt, absichern, mögliche Krawalle beim Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV unterbinden sowie den Ablauf der letzten Wahlstände und Wahlpartys für die Bürgerschaftswahl 2020 begleiten. Am Mittwoch fand im Polizeipräsidium eine ausführliche Lagebesprechung statt. Autofahrer müssen mit vielen Beeinträchtigungen rechnen.

Ab Freitagmorgen um sechs Uhr kommt es im Innenstadtbereich zu den ersten Sperrungen wegen der „Fridays for Future“-Demonstration – an der Kreuzung Millerntorplatz und Budapester Straße wird die Hauptbühne für Auftakt- und Abschlusskundgebung aufgebaut. Mindestens 30.000 Teilnehmer wollen nach Angaben der Veranstalter danach über Rödingsmarkt, den Rathausmarkt, Jungfernstieg, Gänsemarkt und Valentinskamp über den Johannes-Brahms-Platz und die Glacischaussee zurück zum Ausgangspunkt ziehen.

Klimastreik in Hamburg: Auch Linksradikale sind dabei

„Wir empfehlen dringend, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen“, sagte eine Polizeisprecherin. Man geht jedoch erneut von einer vollkommen friedlichen Demonstration aus. In der Vergangenheit hatten die Behörden die „Fridays for Future“-Teilnehmer bereits etwa für das vorbildliche Bilden von Rettungsgassen bei den Großdemonstrationen gelobt.

Einen "antikapitalistischen Block" von Linksradikalen soll es nach Abendblatt-Informationen diesmal nicht geben, Mitglieder von Gruppen wie der "Interventionistischen Linken" (IL) wollen aber an der Großdemonstration teilnehmen.

Infos rund um Fridays for Future:

  • Fridays for Future (Kurzform FFF) ist eine globale Bewegung, die von Schülern und Studenten initiiert wird, die sich für einen schnelleren und effizienteren Klimaschutz einsetzen
  • Die Gründerin der Bewegung ist Greta Thunberg. Sie rief Fridays for Future im August 2018 ins Leben
  • Jeden Freitag bestreiken Schüler auf der ganzen Welt den Schulunterricht und gehen für ein besseres Klima auf die Straße
  • In Hamburg ist Luisa Neubauer das Gesicht von Fridays for Future
  • Am 20. September 2019 beteiligten sich in Hamburg mindestens 70.000 Menschen an dem Protest und setzten ein Zeichen für den Klimaschutz

Eine größere Brisanz für die Polizei birgt die Nacht zum Sonnabend. Beide Fanlager vom FC St. Pauli und HSV haben angekündigt, sich im Umfeld der Reeperbahn „einstimmen“ zu wollen – Erstere in den einschlägigen Kneipen nahe des Millerntorstadions, Letztere am Hans-Albers-Platz.

Großaufgebot der Polizei beim Derby St. Pauli vs. HSV

Die Polizei setzt auf ihre erprobte Strategie, die Gruppen strikt voneinander zu trennen. Dazu ist voraussichtlich erneut ein Großaufgebot der Bereitschaftspolizei auf St. Pauli erforderlich. „Wir stellen einen gewissen Gewöhnungseffekt fest“, sagte Polizeisprecher Timo Zill mit Blick auf die vergangenen Derbys, bei denen die befürchteten schweren Krawalle ausgeblieben waren. „Nichtsdestotrotz bereiten auch wir uns intensiv vor. Die Rivalität soll möglichst auf dem Platz bleiben“, sagte Zill.

Vor dem Spiel, das am Sonnabend um 13 Uhr angepfiffen wird, wollen die Ultra-Fans beider Lager bereits um 9.30 Uhr jeweils einen Marsch zum Stadion beginnen. Der Treffpunkt für die Anhänger des HSV liegt dabei am Bahnhof Stellingen, für die St.-Pauli-Fans am Millerntorplatz. Wegen befürchteter Zusammenstöße war die ursprünglich avisierte Route vom Bahnhof Eidelstedt zum Stadion geändert worden. Dieses Thema sei „keine Eskalation wert“, hatte die Gruppierung „Ultrà Sankt Pauli“ mitgeteilt: „Da uns mit Eidelstedt sehr wenig verbindet, wechseln wir den Treffpunkt.“

HSV vs. St. Pauli – brisantes Hamburger Derby 2019:

Polizei Hamburg mit Verstärkung aus anderen Bundesländern

Für die Absicherung des Spiels sind auch auswärtige Beamte der Bereitschaftspolizei aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen am Wochenende im Einsatz. Die Polizei ist darauf vorbereitet, dass Fans ohne Ticket für das Spiel erneut versuchen könnten, die Ordner an den Einlasskontrollen zu überrennen.

Der HSV und die Pyrostrafen:

  • In der Strafentabelle belegt der HSV regelmäßig einen der traurigen Spitzenplätze
  • 2019 verteidigten die HSV-Fans sogar den fragwürdigen Titel des deutschen "Randalemeisters"
  • In der Saison 2017/18 wurden insgesamt 235.000 Euro Strafe an den DFB fällig
  • In der Saison 2018/19 überboten die Anhänger diese Summe mit ihrem Fehlverhalten auf 294.150 Euro
  • Die höchste Einzelstrafe gegen den HSV wurde für Pyrotechnik im Stadtderby beim FC St. Pauli verhängt: 150.000 Euro (10.03.2019)
  • In der ewigen Strafentabelle seit der Saison 2011/12 liegt der HSV mit 1,131 Millionen Euro auf Rang drei (Stand: Februar 2020)

Wie es in Sicherheitskreisen heißt, sei die Lage am Volksparkstadion besser beherrschbar als bei den vergangenen zwei Partien der Stadtrivalen, die jeweils im Millerntorstadion stattfanden. Nach Abendblatt-Informationen soll die verstärkte Präsenz der Polizei jedoch noch bis zum Sonntag andauern, da weiterhin gewalttätige Aktionen möglich sein.

Am Sonnabend werben Parteien noch an Wahlständen um Stimmen. Weitere Veranstaltungen der AfD, die aus Sicherheitsgründen häufig begleitet werden müssen, sind der Polizei jedoch nicht bekannt. Die Wahlparty der Hamburger AfD findet am Sonntag an einem geheimen Ort statt.

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