Prozess

Frau vergewaltigt? Vermeintlicher Taxifahrer freigesprochen

Das Landgericht in Hamburg

Das Landgericht in Hamburg

Im Zweifel für den Angeklagten – zu diesem Fazit kam das Gericht im Prozess gegen einen 26-Jährigen. Frau bricht in Tränen aus.

Hamburg. Mit dem Freispruch in diesem Vergewaltigungs-Fall zeigt sich selbst das Landgericht unzufrieden, das betont es mehrfach. So unbefriedigend der Freispruch in „dubio pro reo“ – also im Zweifel für den Angeklagten Zhadan R. (26) – für die Kammer auch sei, so „unabdingbar“ sei er doch aus rechtlicher Sicht. Denn auf Basis der vorliegenden Aussage-gegen-Aussage-Konstellation lasse sich kein Urteil fällen, sagt der Vorsitzende Richter am Dienstag.

Das führt zu einer paradoxen Situation: Die Kammer geht zwar davon aus, dass das Opfer, die Nebenklägerin Tamara B. (Name geändert), im August 2017 gegen ihren Willen Sex mit dem Angeklagten hatte. Offen sei jedoch, ob Zhadan R. der (mögliche) Widerstand seines Opfers verborgen geblieben war. Möglicherweise habe er ein „Sich-Wehren“ der jungen Frau nicht erkannt, daher der Freispruch. „Wenn Sie erkannt haben, dass sich ihr Opfer gewehrt hat, dann haben Sie den Rechtsstaat erfolgreich ausgenutzt“, sagt der Richter zum Angeklagten. „Und wenn Sie glauben, dass es einvernehmlicher Sex war, dann sollten bei Ihnen alle Alarmglocken schrillen.“

Frau läuft weinend aus dem Saal

Tamara B. läuft nach dem Urteil völlig aufgelöst aus dem Gerichtssaal, wirft sich weinend in die Arme ihres Vaters. Die Szene erinnert an den Prozessauftakt. Als die Frau vor einem Monat auf dem Gerichtsflur stand, war ihr Schluchzen im Saal deutlich zu hören. Die junge Frau hatte ausgesagt, am frühen Morgen des 12. August 2017 ihre Freunde an der Reeperbahn aus den Augen verloren zu haben. Weinend stand die damals 21-Jährige vor einer Ampel, als der Angeklagte sie in seinem Auto mitnahm.

Wer wen ansprach, ist unklar. Nach Lübeck, wie von Tamara B. gewünscht, fuhr er sie nicht, stattdessen steuerte er sein Auto zu einer abgeschiedenen Stelle im Hafen. Während der Angeklagte behauptete, es sei auf der Rückbank zu Küssen und zu einvernehmlichen Sex gekommen, beteuerte Tamara B., sie sei gegen ihren Willen dazu gezwungen worden. Aus Angst, von dem bulligen Mann ins Wasser gestoßen zu werden, habe sie alles über sich ergehen lassen. Danach habe er sie an einer ihr unbekannten Bushaltestelle ausgesetzt. Ein Gutachter bestätigte später, dass das Kerngeschehen auf echten Erinnerungen der Zeugin beruhe.

Trotz seiner beschränkten kognitiven Fähigkeiten, so das Gericht, habe der Angeklagte eine widerspruchsfreie Einlassung abgegeben, weit weniger konsistent sei jedoch die Aussage des Opfers gewesen. So habe Tamara B. unter anderem behauptet, dass Zhadan R. ein Taxi gefahren habe. Tatsächlich habe der Angeklagte nachweislich nie als Taxifahrer gearbeitet. Der Richter: „Letztlich konnte die Kammer nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen, dass der Angeklagte den entgegenstehenden Willen der Nebenklägerin auch erkannt hat.“