HafenCity

Strom aus Oberleitungen: Nun Büros statt Wohnungen

Der Lohsepark in der HafenCity Hamburg

Der Lohsepark in der HafenCity Hamburg

Foto: HafenCity Hamburg GmbH_Fotofrizz/Burkhard Kuhn

Bei Durchfahrt eines Zuges entstehen elektromagnetische Felder. Daher wurden Baupläne von 200 Wohnungen geändert.

Hamburg. Wegen möglicher Belastungen durch den Strom an Oberleitungen der Bahngleise werden jetzt Bebauungspläne in der Hamburger HafenCity geändert. Ursprünglich wollte der Investor HIH Real Estate zwischen Bahnstrecke und Lohsepark 200 Wohnungen bauen, davon werden 120 gefördert und 80 frei finanziert. Stattdessen sollen dort jetzt Büros gebaut werden."Zeit Online" hatte zuerst darüber berichtet.

Die Stadt Hamburg hat einen Vorsorgeabstand für Wohnbebauung zu Bahngleisen von 45 Metern festgesetzt. Der Grund dafür ist die mögliche Belastung durch den Strom aus den Oberleitungen der Bahngleise. In 45 Metern Abstand sinkt die Belastung auf 0,3 Mikrotesla und beträgt damit nur noch ein Tausendstel des gesetzlichen Grenzwertes.

Baubehörde, Umweltbehörde und Gesundheitsbehörde erklären gemeinsam, wie sie zu der Entscheidung gekommen sind. Wie sie auf Anfrage mitteilen, entstehen bei jeder Durchfahrt eines Zuges bei der Abnahme von Strom aus den Oberleitungen elektromagnetische Felder. "Diese nehmen in der Entfernung zur Stromabnahme schnell ab. Keinesfalls ist der Begriff 'Elektrosmog' gerechtfertigt, da es sich um zeitlich und räumlich sehr begrenzte Ereignisse handelt. Diese Felder entstehen nur bei Wechselstrom. U- und S-Bahnzüge werden über Gleichstrom betrieben. Hier gibt es die Problematik nicht", heißt es dazu weiter.

Der gesetzliche Grenzwert für diese Belastungen liege bei 300 Mikrotesla, das entspreche einem Abstand von 1,70 m zur Stromleitung, so die Behörden. "Der Vorsorgewert der Strahlenschutzkommission von 0,3 Mikrotesla, den wir als wissenschaftliche Grundlage heranziehen, liegt um den Faktor 1000 unter dem Grenzwert und bezieht sich nur auf einen dauernden Aufenthalt von Kindern", erklären die Behörden.

Es sei bis heute nicht bewiesen, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auftreten von kindlichem Blutkrebs und den genannten höheren Belastungen durch elektromagnetische Felder gebe, sondern es sei nur ein statistischer Zusammenhang festgestellt worden. Bis 0,3 Mikrotesla bestehe dieses Risiko nicht einmal statistisch. Hamburg habe mit der Beachtung eines Sicherheitsabstandes zur Bahnstromtrasse in der Hafen-City die höchst mögliche Vorsorge getroffen – als einzige Stadt Deutschlands neben Bremen.

Auf die Frage, ob diese Überlegungen auch bei anderen Bauvorhaben in der Stadt eine Rolle spielen, lautete die knappe Antwort: "Dies wird im Einzelfall zu prüfen sein."

Investor: Das Gebäude wird in seiner Grundstruktur bleiben

Der Investor HIH Real Estate erläuterte gegenüber dem Abendblatt seine Gründe für die Änderung der Baupläne: „Wir haben im Oktober von der Stadt die Information bekommen, dass es ein Vorsorgeabstandsproblem gibt. Deshalb fällt der geplante Wohnungsbau (südlich des neuen Gebäudes von Gruner+Jahr) jetzt aus Vorsichtsgründen weg. Jetzt wird es dort stattdessen Büros geben. Wir planen in Abstimmung mit der Stadt gerade um, das Gebäude wird in seiner Grundstruktur bleiben, allerdings mit geänderten Zugängen und etwas anderen Außenmaßen“, sagte Jens Nietner, Geschäftsführer der HIH Real Estate.

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CDU und FDP stellen Antrag auf erneute Beratung in der Bürgerschaft

Laut der Hamburger Baubehörde soll auch für die geplante Schule der Vorsorgeabstand von 45 Metern eingehalten werden. Am Montag sollten die Mitglieder der Kommission für Stadtentwicklung über die öffentliche Auslegung des Bebauungsplan-Entwurfs abzustimmen. CDU und FDP stellten aber den Antrag, das Projekt wegen der vielen offenen Fragen noch einmal in der Bürgerschaft zu beraten. Diesem Antrag wurde von allen Fraktionen einstimmig gefolgt.

Dazu erklärt Jörg Hamann, bau- und stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Der Senat will beim Schulcampus Lohsepark mit dem Kopf durch die Wand. Luftschadstoffe, Elektrosmog und ein enormer Lautstärkepegel – Schule von morgen geht anders! Eine eingehende Prüfung unter umfassender Beteiligung der Bevölkerung ist zwingend erforderlich. Der Bebauungsplan HafenCity 10, die diesbezügliche Verkehrsplanung und das Konzept des Schulcampus Lohsepark sind schnellstmöglich nochmals zu überarbeiten, damit der Schulcampus Lohsepark endlich das anvisierte Erfolgsprojekt werden kann. Der Senat ist in der Bringschuld!“.

Fraktion die Linke fordert Alternativen

Auch die Linke-Fraktion kritisiert den Senat. Sie hat gegen die Fortführung der Planung gestimmt und fordert Alternativen. „Zu einer guten Schule gehört auch ein gesundes Umfeld. Der Senat ignoriert die Gesundheitsgefährdung und prüft keine Alternativen“, sagt Heike Sudmann, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken.

Unstrittig sei, dass durch die vorbeifahrenden Züge Elektrosmog entstehe. Der Senat berücksichtige aber nicht, dass mit dem Deutschland-Takt der DB und der geplanten Verdoppelung der Zahl der Bahnfahrgäste erheblich mehr Züge an der Schule vorbeifahren werden. „Mehr Züge erzeugen mehr Elektrosmog. Statt weitere Vorsorge für die Schule und die Schüler_innen zu treffen, fantasiert der Senat von technischen Entwicklungen, die es heute noch nicht gibt.“ Damit gemeint seien mögliche Weiterentwicklungen der Züge, die mit einer niedrigeren Elektrosmobelastung einhergehen könnten.