Hamburg

Narkosefehler: UKE zahlt Zehnjährigem eine Million Euro

Seit der missglückten Operation ist der Junge schwerstbehindert und auf einen Rollstuhl und umfassende Pflege angewiesen.

Seit der missglückten Operation ist der Junge schwerstbehindert und auf einen Rollstuhl und umfassende Pflege angewiesen.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Der Junge wurde als Säugling im UKE operiert. Die Klinik einigt sich nun mit den Eltern des behinderten Kindes auf eine Entschädigung.

Hamburg. Tom ist praktisch blind. Der Zehnjährige kann auch nicht stehen und nicht laufen, nicht selbstständig essen, nicht sprechen oder greifen. Toms Gehirn ist schwer geschädigt. Über die Gründe dafür lagen die Eltern des Jungen seit vielen Jahren im Streit mit dem Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).

Dort wurde der Säugling im Jahr 2009 im Alter von gut zwei Monaten wegen einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, im Volksmund auch „Hasenscharte“ genannt, operiert. Jetzt ist in einem seit 2014 andauernden Verfahren vor dem Hamburger Landgericht eine Einigung zwischen den Eltern des Jungen und dem UKE erzielt worden: Die Klinik zahlt eine Million Euro an die Familie.

Schwere Hirnschädigung durch Narkosefehler?

In dem Rechtsstreit ging es darum, ob die schwere Hirnschädigung des Jungen durch einen Narkosefehler entstanden sein kann. Nach mehreren Sachverständigen-Gutachten hatte das zuständige Gericht in einem Beschluss erklärt, es halte die Zahlung von einer Million Euro im Rahmen eines Vergleichs „für angemessen“. Mit diesem Betrag sollten „sämtliche Ansprüche des Klägers“ im Zusammenhang mit dem Eingriff abgegolten sein.

„Ich habe lange gehofft und gebetet, dass alles gut wird“, hatte Toms Mutter Jasmin H. (alle Namen geändert) gesagt. „Als Mutter hofft man immer. Aber es wurde nicht gut. Und jeder Tag ist schwierig.“ Geld mache „nicht alles gut“, sagte die 44-Jährige zu der Aussicht, eine Million Euro zu bekommen. „Aber ich muss zusehen, dass ich die Zukunft meines Sohnes absichere. Ich möchte abschließen und nach vorn sehen können.“

Kind hatte nach Operation im UKE Krampfanfälle

Nach der Operation ihres Sohnes hatte die Familie zunächst Krampfanfälle des Kindes bemerkt, später dann festgestellt, dass er nicht laufen und auch nicht sitzen lernt und praktisch blind ist.

Bei dem Vorschlag, eine Million Euro zu zahlen, habe das Gericht die „in ihrem Ausmaß äußerst schwerwiegenden, im Zuge der erlittenen Hirnschädigung eingetretenen Folgen“ für den Kläger berücksichtigt, hieß es in dem Vergleichsvorschlag. Ein neuropädiatrischer Gutachter hatte beispielsweise festgestellt, dass die Tatsache, dass Tom weder stehen noch laufen kann, mit „hoher Sicherheit“ auf den Hirnschaden zurückzuführen sei. Ähnliches gelte für die Erblindung des Jungen.