Verkehr

Bahnhofsverlegung in Hamburg-Altona kann kommen

Ein Zug fährt in den Bahnhofs Diebsteich ein.

Ein Zug fährt in den Bahnhofs Diebsteich ein.

Foto: dpa

Per Gerichtsentscheid stoppt der Verkehrclub Deutschland die Verlegung des Fernbahnhofs Altona an den Diebsteich. Nach zähen Verhandlungen kommt Bewegung in die Sache - kurz vor der Bürgerschaftswahl.

Hamburg. Nach langem Stillstand kommt die geplante Verlegung des Fernbahnhofs Hamburg-Altona in Fahrt. Die Stadt, die Deutsche Bahn und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) einigten sich auf einen Kompromiss, wie sie am Dienstag mitteilten. Er sieht deutliche Verbesserungen der Leistungsfähigkeit des geplanten neuen Bahnhofs am Diebsteich und ein besseres Angebot für Fahrgäste vor. Schon am Mittwoch soll die Bürgerschaft darüber entscheiden. Wenn nach der Wahl am 23. Februar auch die neue Bürgerschaft zustimmt, will der VCD seine Klage gegen das Projekt zurückziehen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im August 2018 einem Eilantrag des VCD stattgegeben. Seitdem liegt das Projekt auf Eis.

In einem Faktencheck waren zwischen März und November vergangenen Jahres zwischen Stadt, Bahn und Verlegungsgegnern die Grundlagen für Verhandlungen geschaffen worden, die nun die Einigung erbracht hätten. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) lobte das Ergebnis: "Ein jahrelanger Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang hätte den Fahrgästen und der Verkehrswende in unserer Stadt geschadet."

Nach den Plänen der Deutschen Bahn sollen die Fern- und Regionalzüge statt in Altona künftig am zwei Kilometer nördlich gelegenen S-Bahnhof Diebsteich halten, der dafür ausgebaut werden soll. Der Kopfbahnhof in Altona soll Platz für Wohnungen und einen Park machen. Der S-Bahnhof soll am alten Standort bleiben, dort außerdem ein neuer und leistungsfähigerer Busbahnhof gebaut werden.

Der Bahnhof Altona bleibe ein Drehkreuz des öffentlichen Nahverkehrs, sagte Dressel. "Er soll weiterhin Dreh- und Angelpunkt im S-Bahn-Verkehr bleiben." Mit den bevorstehenden Bürgerschaftswahlen habe die Einigung nichts zu tun.

Dies sah Rainer Schneider vom VCD-Nord anders: "Ich will nicht verhehlen, dass die Wahl schon einen gewissen Druck ausgeübt hat auf die Bereitschaft der Politik." Wichtig für den VCD sei, dass der Bahnhof Altona nicht einfach durch den neuen am Diebsteich ersetzt werde. "Es muss heißen: Altona gegen Diebsteich plus."

Die Bahn habe eine erheblich höhere Leistungsfähigkeit des neuen Bahnhofs zugesagt. "Die Bahn hat sich bewegt, die Bahn sagt 31 Züge in der Spitzenstunde zu", sagte Schneider. Bisher waren 25 Züge geplant. Zudem müsse ein externer Gutachter "prüfen und zertifizieren, dass der neue Bahnhof diese Leistungsfähigkeit aufweist." Geschehe dies nicht, könne der Bahnhof nicht gebaut werden, sagte Schneider. In einem festen Dialogforum wollen die Verhandlungspartner den Fortgang des Projekts kritisch begleiten.

Die Deutsche Bahn lobte die Einigung und sprach von einem "glücklichen Tag". "Die Erkenntnis, dass die Mobilitätswende bevorsteht, hat gezeigt, dass wir genau jetzt handeln müssen", sagte Frank Limprecht von der DB Netz AG. Der neue Bahnhof zahle auf das Gesamtkonzept der Bahn mit der geplanten S4-West bis Elmshorn ein. Fahrgäste aus Schleswig-Holstein könnten so über Diebsteich umstiegsfrei in die Hamburger Innenstadt gelangen. Auch die Prüfung eines neuen S-Bahnhofs Neue Mitte Altona ist in der Vereinbarung enthalten.

Mit den bauvorbereitenden Maßnahmen der Verlegung solle noch in diesem Jahr begonnen werden, sagte Limprecht. Im kommenden Jahr wolle man dann "richtig einsteigen". Nach einer veranschlagten Bauzeit von circa sechs Jahren dürfte der Bahnhof dann 2027 fertig sein. Die Kosten müssten nach den neuen Vereinbarungen neu ermittelt werden. Bislang war die Bahn von 360 Millionen Euro ausgegangen.

Kritik an der Einigung kam von der Bürgerinitiative Prellbock Altona, die die Klage mit dem VCD auf den Weg gebracht hatte. Ihr Sprecher Michael Jung sprach von einem "faulen Kompromiss". Der Bahnhof Diebsteich sei als Fernbahnhof nach wie vor ungeeignet. Zugleich solle ein funktionierender Bahnhof aus einem belebten Quartier herausgenommen werden. Jung kündigte weitere Proteste an. "Lieber klare Position in der Öffentlichkeit beziehen als einen faulen Kompromiss mittragen."

SPD und Grüne verbuchten die Einigung als Erfolg. Der Kompromiss sei ein deutliches Signal für neue Wohnungen und Grünflächen in Altona, sagte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf. "Nach monatelangem Planungsstopp geht es endlich wieder in die richtige Richtung", meinte sein Grünen-Kollege Anjes Tjarks. CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering sieht einen "wichtigen Schritt für die weitere städtebauliche Entwicklung". Der Fraktionsvorsitzende der FDP, Michael Kruse, forderte eine umgehende Realisierung des Projekts. An der Verzögerung trage der Senat eine Mitschuld, "ausgelöst durch seine miserable Kommunikationspolitik".

Dass die Bürgerschaft bereits am Mittwoch über den Kompromiss beschließen soll, bezeichnete die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Heike Sudmann, als Unding: "Alle Abgeordneten, und insbesondere die Opposition, sind verpflichtet, die Arbeit der Regierung kritisch zu prüfen. Das ist ohne Diskussion und in weniger als 24 Stunden nicht möglich." Sie wolle nicht als "Stimm-Vieh für Rot-Grün" dienen, sagte sie.