Neustadt

Neues Hotel am Gänsemarkt mit fensterlosen Mini-Zimmern

Genau wie in dieser Schlafbox in Hannover werden die Gäste auch im zukünftigen BoxHotel am Gänsemarkt übernachten.

Genau wie in dieser Schlafbox in Hannover werden die Gäste auch im zukünftigen BoxHotel am Gänsemarkt übernachten.

Foto: Kay Herschelmann

In Hamburg können Gäste bald in einem BoxHotel übernachten – zu Discountpreisen. Für wann die Eröffnung geplant ist.

Hamburg. Nach Hannover und Göttingen bekommt nun auch Hamburg eine neue touristische Attraktion mit dem ersten Mikro-Hotel der Stadt. Das Besondere: Die Zimmer sind lediglich 4,2 bis knapp sechs Quadratmeter groß und haben keine Fenster – das erinnert an die japanischen Kapselhotels. Das minimalistische BoxHotel des Hannoveraners Oliver Blume mit Räumen zu Discountpreisen soll im Herbst am Gänsemarkt eröffnen.

In winzigen Kabinen sollen seine Gäste in Zukunft übernachten. 90 solcher Schlafboxen wird die innovative Herberge in zentraler Citylage haben. Ab 24,99 Euro können Gäste in den zweigeschossigen, aus Holz gebauten Zimmern übernachten. Wer ein Zimmer wählt, das ein bis zwei Quadratmeter größer ist, zahlt bis zu 35 Euro, Bettwäsche kostet extra. In Hamburg wird es einen neuen Zimmertyp geben, der mit sechs Qua­dratmetern etwas größer ist als an den übrigen Standorten. „Das ist bei uns schon riesig“, sagt der Erfinder und Geschäftsführer Oliver Blume und lacht.

Für das Design seines innovativen Hotels hat sich der 54-Jährige Anregungen von Hotelaufenthalten in der Schweiz geholt. Es dominieren Holz und Filz im Alpenambiente. „Ich habe in Schweizer Hotels immer sehr gut geschlafen, auch weil sie so gemütlich sind.“ Die Hotelzimmer sind klein, das Haus aber ist mit moderner Technologie ausgestattet, wie beispielsweise ein Online-Türöffnungssystem, das per App, QR-Codes oder herkömmlichen Schlüsselkarten geöffnet werden kann.

1,4 Millionen Liter Frischluft werden in die Räume geblasen

Die Zimmer haben meist zwei Betten, nach Angaben des Erfinders gute Matratzen und eine Dusche – allerdings kein eigenes Klo, sondern Gemeinschaftstoiletten. Und eben keine Fenster nach draußen – lediglich in den Türen gibt es Fenster, die dann in die Flure hinausgehen. Oliver Blume hat natürlich selbst schon in solch einer Box genächtigt und ist erwartungsgemäß begeistert: „Ich habe häufiger und leidenschaftlich gut in den Boxen geschlafen.“ Auch seine Kinder im Alter von 17 und 19 Jahren seien Fans. Schlafforscher, mit denen Blume gesprochen hat, bestätigten den hohen Komfort und das gute Schlaferlebnis: „Demnach ist es die absolute Dunkelheit und das Höhlenartige, das den Schlaf fördert“, so Blume.

Angst vorm Ersticken in den mit LED-Lichtern beleuchteten Räumen müsse niemand haben. Jeden Tag werden 1,4 Millionen Liter Frischluft in die Räume geblasen. „Das ist bessere Luft als bei geöffneten Fenstern“, verspricht der Geschäftsführer. Die Raumluft sei sehr sauerstoffreich und allergenarm. „Es gibt keinen Feinstaub, das ist gut für Allergiker.“

In Hannover darf kein Gast länger als drei Nächte bleiben

Obwohl das Schlafen in seinen Schlafboxen so gesund sein soll, hatte Blume ausgerechnet in seiner Heimatstadt Hannover Behördenärger. Das Bauamt in Hannover wollte das BoxHotel verbieten und verlor vor Gericht. Der Grund für das Verbot: Die Stadt Hannover fürchtet um die Gesundheit der Gäste. Niedersachsens Bauordnung sieht für Aufenthaltsräume eine Belichtung mit Tageslicht vor. Die Stadt Hannover hat das Hotel, das im November eröffnete, nur mit folgender Auflage erlaubt: Kein Gast darf länger als drei Nächte bleiben.

Zu groß seien die Auswirkungen auf Psyche und Physis der Gäste. Dagegen will Hotelbetreiber Blume nun gerichtlich vorgehen. Denn: Bislang hatte kein Gast gesundheitliche Beschwerden. Die Auslastung seiner Häuser liege bei 70 Prozent. In Hamburg, da ist Blume zuversichtlich, wird es keine Bedenken geben. Den genauen Standort möchte er noch nicht verraten. Erst wenn die Verträge in ein, zwei Wochen unterschrieben sind und die Umbauarbeiten beginnen, kann Blume sagen, wo genau am Gänsemarkt das Hotel sein wird. Dann wird auch erst der Bauantrag eingereicht.

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Zwei Jahre hatte Oliver Blume in der Hansestadt nach einem geeigneten Standort gesucht. Seiner Nachhaltigkeitsphilosophie entsprechend interessiert er sich für bereits bestehende, meist leer stehende Gewerbeflächen. Durch den geringen Flächenbedarf braucht ein BoxHotel rund ein Fünftel der Quadratmeter eines normalen Hotels. Hamburg sollte es unbedingt sein, „weil es der interessanteste und lukrativste Standort ist, das hier ist ein echtes Leuchtturmprojekt“, sagt Blume. Bevor das Haus am Gänsemarkt fertig ist, werden in diesem Jahr noch Standorte in Leipzig und Bremen eröffnen.