City

Hamburger bummeln am liebsten auf der Spitalerstraße

Der Mönckebergbrunnen an der Ecke Mönckebergstraße, Spitalerstraße.

Der Mönckebergbrunnen an der Ecke Mönckebergstraße, Spitalerstraße.

Foto: Carsten Leuzinger/dpa

Zählung von Passanten in der Innenstadt ergibt erstaunliche Werte. Experten warnen vor neuen Einkaufsflächen in der HafenCity.

Hamburg.  Mehr Platz für Fußgänger, weniger Autoverkehr, bessere Anbindung durch Bus und Bahn und schönere Plätze – die Innenstadt soll deutlich attraktiver werden. Die Pläne dafür hat Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), wie berichtet, Ende vergangener Woche vorgestellt. Doch wie ist es um die Attraktivität der City derzeit bestellt – wie viele Menschen gehen hier eigentlich noch einkaufen? Darüber gibt die aktuelle Passantenzählung des Maklerhauses Comfort Aufschluss, die dem Abendblatt exklusiv vorliegt. Und sie zeigt: Die Geschäfte in der Innenstadt locken immer noch so viele Menschen an wie in den vergangenen zehn Jahren.

So wurden am letzten Sonnabend im Oktober vergangenen Jahres 155.000 Personen pro Stunde in der Innenstadt gezählt – genauso viele wie im Jahr 2013 und ähnlich viele wie 2011 mit 165.000 Personen pro Stunde. „Die Zahlen bewegen sich seit Beginn der Messung auf demselben Niveau, die leichten Unterschiede liegen im Rahmen der normalen Schwankungen, beispielsweise durch die jeweiligen Witterungsverhältnisse“, sagt Comfort-Geschäftsführer Olaf Petersen. „Die Hamburger City kann sich trotz des deutlich gestiegenen Onlinehandels behaupten.“

Richtung Hauptbahnhof dünnt sich das Einkaufspublikum aus

Alle zwei Jahre zählt der Immobiliendienstleister das innerstädtische Passantenaufkommen an 45 Punkten. Die beliebtesten Einkaufsstraßen sind demnach die Spitaler- und die Mönckebergstraße. An dem Punkt, an dem beide aufeinandertreffen, wurden knapp 10.000 Passanten pro Stunde gezählt. Gegenüber auf der anderen Straßenseite waren es in demselben Zeitraum noch einmal fast 4500 Personen. Am höchsten frequentiert wurde die Mönckebergstraße auf der Höhe von Karstadt, hier erfassten die Zähluhren rund 8400 Menschen in der Stunde. Richtung Hauptbahnhof dünnt sich das Einkaufspublikum dann aus: Auf der Spitalerstraße Höhe des Nike Stores wurden noch rund 6400 und vor Saturn an der Mönckebergstraße rund 5500 Personen pro Stunde gezählt.

Vergleichsweise wenige Personen kommen dagegen am Jungfernstieg vorbei. So wurden an der dortigen Zählstation in der besten Stunde gerade einmal 5800 Passanten registriert. Zum Vergleich: In der parallel verlaufenden, aber deutlich weniger prominenten Poststraße waren es in demselben Zeitraum 5300 Passanten. Weniger frequentiert sind auch die Geschäfte am Neuen Wall. Am Zählpunkt Richtung Jungfernstieg wurden noch rund 3300 Personen pro Stunde registriert, weiter in Richtung Stadthausbrücke waren es nur rund 1600. Die hochpreisigen Geschäfte ziehen naturgemäß nicht die Massen an. Hier plant die SPD nun Veränderungen: Der Jungfernstieg soll komplett für Autos gesperrt, Neuer Wall und Große Bleichen sollen am Wochenende zu temporären Fußgängerzonen werden.

Bessere Anbindung an die HafenCity

Mit neu gestalteten Plätzen und verbesserten Übergängen an Willy-Brandt-Straße und Ludwig-Erhard-Straße soll die Innenstadt auch besser mit der HafenCity verbunden werden. Dort entstehen im geplanten Überseequartier rund 70.000 Quadratmeter Verkaufsfläche – laut Petersen eine gewaltige Konkurrenz für die Innenstadt. „Es entsteht ein autarkes Quartier mit einem Eigengewicht, das der Verbindung oder gar der wechselseitigen Befruchtung mit der gewachsenen City nicht bedarf, sondern der Innenstadt vielmehr empfindlichen Schaden zuführen kann“, sagt der Immobilienexperte.

Noch ist nicht abzusehen, ob die geplanten besseren Verbindungswege für Fußgänger dem entgegenwirken werden. Wie wenig die Verzahnung zumindest aktuell noch funktioniere, macht das Maklerhaus an einer weiteren Zählung fest: So wurden an der Straße am Alten Fischmarkt zwischen Mönckebergstraße und dem nördlichen Überseequartier, in dem bereits Einzelhandel entstanden ist, nur rund 1300 Menschen pro Stunde gezählt.

Mit Atmosphäre und Aufenthaltsqualität punkten

City-Managerin Brigitte Engler zeigte sich angesichts der Ergebnisse der Passantenzählung erfreut, betonte aber, wie wichtig die nun vorgestellten Pläne zur Umgestaltung der Innenstadt seien – in den vergangenen 15 Jahren hätten nämlich vor allem die Investitionen der Grundeigentümer in den öffentlichen Raum in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro dazu geführt, dass die Frequenzen noch so zufriedenstellend seien.

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„Wir freuen uns, dass die Politik die Forderungen des Bündnisses für die Innenstadt aufgreift und mit den beschriebenen Maßnahmen den Fokus auf die City legt“, sagte Engler dem Abendblatt. „Nun kommt es darauf an, in einem dialogischen Prozess mit allen Beteiligten für jedes einzelne Quartier in der Innenstadt gute Lösungen zu entwickeln.“ Angesichts der Digitalisierung und der sich verändernden Wettbewerbssituation durch das neue Einkaufsquartier in der HafenCity müsse die „Kern-City gut aufgestellt sein“ und „mehr denn je mit Atmosphäre und Aufenthaltsqualität punkten“.

Ein weiterer Grund, weshalb die Innenstadt dringend attraktiver werden müsse, besteht laut Comfort darin, dass diese im Vergleich zum gesamten Hamburger Einzelhandel einen relativ kleinen Teil ausmacht. So würden die Geschäfte der City gerade einmal 13 Prozent der stadtweiten Verkaufsfläche bieten und lediglich 17 Prozent des Umsatzes erwirtschaften. Von allen großen deutschen Städten seien nur für Berlin ähnlich niedrige Anteile festzustellen, so Petersen.