European Sperm Bank

Hamburgs größte Samenbank in Altona eröffnet

Der Medizinische Leiter der European Sperm Bank, Tim Cordes.

Der Medizinische Leiter der European Sperm Bank, Tim Cordes.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Frauen mit Kinderwunsch finden hier einen Spender. Aber nur einer von 20 Männern wird überhaupt dafür zugelassen.

Hamburg. Spermaförmige Ballons weisen den Weg zum Eingang. Die European Sperm Bank an der Altonaer Straße ist heute offiziell eröffnet worden. Nach der Übernahme des Hamburger Instituts für Reproduktionsmedizin und Cryokonservierung (IRC) durch das Unternehmen aus Dänemark sind die Umstrukturierung und der Umbau der Räume nun abgeschlossen.

Etwa jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren in Deutschland bleibt ungewollt kinderlos. Die Gründe sind vielfältig. „Eine Behandlung mit Spendersamen ist eine Möglichkeit, den Wunsch nach Familie wahr werden zu lassen, wenn es auf natürlichem Weg nicht klappt“, sagt Annemette Arndal-Lauritzen, CEO der European Sperm Bank, die Niederlassungen in Dänemark, London und nun auch in Hamburg hat.

Neues Gesetz regelt Rechte und Pflichten

„Wir helfen Menschen, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Wenn es auf natürlichem Weg nicht klappt, wollen wir dafür sorgen, dass jeder eine Familie gründen kann“, so die Firmenchefin. Auch für gleichgeschlechtliche Frauenpaare und Single-Frauen ist die Familiengründung durch Samenspende eine Option. „Die European Sperm Bank versteht sich als Samenbank für alle Geschlechter und Familienkonstellationen“, sagt Arndal-Lauritzen.

Seit Inkrafttreten des Samenspenderregistergesetzes im Juli 2018 seien viele frühere Rechtsunsicherheiten besser geregelt, sagt Arndal-Lauritzen. Jeder Mensch, der nach einer Behandlung ab Juli 2018 durch eine ärztlich unterstützten Befruchtung mittels einer Samenspende gezeugt wurde, hat nun das Recht zu erfahren, von wem er abstammt.

Dafür gibt es ein zentrales Samenspenderregister beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information in Köln. Geklärt ist auch, dass der Samenspender keine Rechte und Pflichten hat – insbesondere im Zusammenhang mit Sorgerechts-, Unterhalts- und Erbrechtsbelangen.

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Nur jeder 20. Bewerber erfüllt Voraussetzungen

Wer denkt, Samenspenden sei schnell verdientes Geld ist, der irrt sich. Und längst nicht jeder Mann kommt infrage. Nach Angaben von Tim Cordes, medizinischer Leiter der Samenbank, werden nur Spender zwischen 18 und 45 Jahren akzeptiert.

Nur jeder 20.Bewerber erfülle auch die Voraussetzungen, um tatsächlich als Spender angenommen zu werden. Es gebe zuvor aufwendige medizinische Untersuchungen, so Cordes. Bis aus dem Bewerber ein geprüfter Samenspender wird, vergingen mehrere Monate.

Bewerber müssen ehrlich sein

Die ärztliche Untersuchung erfolge auf einem Standard, der weltweit fast einzigartig sei, sagt der Mediziner. Die Bewerber werden seinen Angaben zufolge auf HIV, Hepatitis, genetische Vorerkrankungen (über drei Generationen) untersucht und zu psychischen Erkrankungen befragt.

Sobald jemand etwa Psychopharmaka einnehme, seien diese im Blut nachweisbar. „Aber auf ein bisschen Ehrlichkeit müssen wir uns natürlich auch verlassen“, sagt der Reproduktionsmediziner, der auch im Kinderwunschzentrum Altonaer Straße tätig ist.

Paare bekommen kein aktuelles Foto des Spenders

Finanziell lukrativ ist das Samenspenden nicht. „40 Euro gibt es pro Spende“, sagt Cordes. „Aber das Ziel ist ja nicht, Geld zu verdienen.“ Man frage die Probanden auch nach ihrer Motivation – die meisten hätten den Wunsch, Frauen und Paaren mit Kinderwunsch zu helfen. Vielfach seien Samenspender auch Blutspender und als Organspender registriert. Sie dürfen höchstens alle 48 Stunden Samen spenden, seien aber verpflichtet, es mindestens viermal im Monat zu tun.

Interessenten können über ein Spenderprofil recht genau das für sie passende auswählen. Es umfasst Informationen über das Aussehen, die Persönlichkeit, Ausbildung und Beruf und die medizinische Vorgeschichte des Mannes. Ein Babyfoto des Spenders können Paare mit Kinderwunsch auch bekommen, allerdings kein aktuelles Erwachsenenfoto.

Krankenkassen bezahlen Spendersamen nicht

Frauen und Paare, die sich für Spendersamen entscheiden, müssen dafür nach Angaben von Cordes etwa 700 Euro bezahlen. Die Krankenkassen kämen nicht für eine Kinderwunschbehandlung mit Spendersamen auf.

Hanna Schiller hat sich vor ein paar Jahren für die Insemination, also die Behandlung mit Spendersamen, entschieden. „Ich war lange in einer Beziehung mit einem Mann, der keine Kinder wollte“, sagt die 38-Jährige, „meine biologische Uhr tickte. Ich hatte das Gefühl, ich habe so viel Zeit verloren.“ Dann informierte sie sich und entschied sich rasch – gegen den Partner, für ein Kind.

Sie gab für zwei Inseminationen etwa 3000 Euro aus. „Das Modell, dass ein Paar ein Kind bekommt, ist anerkannter“, sagt die Mutter eines inzwischen fast drei Jahren alten Sohnes, aber sie habe die für sie richtige Entscheidung getroffen.

Samenspende ist kein Tabuthema

Ohne Scheu spricht auch die 21 Jahre alte Dina darüber, dass sie durch eine Samenspende gezeugt wurde. Die junge Dänin sagt, ihre Eltern seien immer offen damit umgegangen, dass „sie Hilfe hatten“, wie sie es nennen. Die Studentin, die eine Halbschwester hat, sagt, eine Schwangerschaft mithilfe einer Samenspende sei auch für sie eine Option, sollte das eines Tages notwendig sein.

Genau diese Entscheidung hat Polly Freytag (Name geändert) für sich schon getroffen. Die 31-Jährige möchte ein Kind, hat aber keinen Partner. „Ich dachte, er war schon mal da“, sagt sie, aber das sei ein Irrtum gewesen. Die junge Frau, die in der Finanzbranche arbeitet, hat bereits Spendersamen gekauft und plant demnächst die erste Insemination. Finanziell sei sie gut aufgestellt, sagt Polly, aber natürlich seien ihre Möglichkeiten auch begrenzt. „Ich hoffe sehr, dass es innerhalb der nächsten fünf Jahre klappt.“